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Musical „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ in Kassel

Ein Mann, zwei Frauen Musical „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ in Kassel

Nicht nur die „Schatzinsel“ hat Robert Louis Stevenson verfasst, sondern auch „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, eine der frühesten literarischen Beschreibungen einer Persönlichkeitsspaltung, die zu einem Horror-Klassiker avancierte.

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Mal Dr. Jekyll, mal Mr. Hyde: David Arnsperger (Mitte) in der Rolle des Mannes mit der gespaltenen Persönlichkeit.

Quelle: Klinger

Kassel. Es liegt nahe, dass eine Musical-Bearbeitung des Stoffes auf den Markt gekommen ist. Frank Wildhorn heißt der Komponist, der gemeinsam mit Steve Cuden auch für die Bühnenfassung verantwortlich zeichnet. Jetzt hat Patrick Schlösser das 1990 in Houston, 1997 am Broadway herausgekommene Musical in Kassel inszeniert.

Wer meint, nun komme der Horror musikalisch auf die Bühne, irrt. Denn auf landläufig Gruseliges verzichten Stück und Inszenierung fast völlig. Bühnenbildner Daniel Roskamp hat einen abstrakten Raum aus leuchtenden Rechtecken und klappbaren Wänden geschaffen, Requisiten fehlen so gut wie völlig. Und es geht in diesem Musical auch nicht um wildes Experimentieren im Schreckenslabor.

Autor Cuden stellt eine ganz andere Geschichte in den Mittelpunkt: die Beziehungen der doppelten Titelfigur zu zwei verschiedenen Frauen. Die eine, Emma Carew, ist Braut des erfolgreichen Mediziners Dr. Jekyll, die andere, Nachtclubsängerin Lucy Harris, ist Mr. Hydes Geliebte.

Überragend stark besetzt

Dieses Handlungsgerüst ist für das Theater gewiss ergiebiger als ein billiger Gruselschocker. Zumindest theoretisch. Denn wenn sich die angelegten Spannungen zwischen den Figuren nur schwach artikulieren, bleibt das Stück bei allem psychologischen Potenzial doch blass.

Das liegt in der Kasseler Inszenierung in der Hauptsache daran, dass eine Rolle überragend stark besetzt ist.

Susan Rigvava-Dumas ist eine hinreißende Lucy: mit einer enorm wandlungsfähigen Stimme, die von Chanson-Charme bis hin zu vokaler Aggressivität reicht, mit einer so großen Bühnenpräsenz, dass andere neben ihr scheinbar einschrumpfen. Mit einer Ausnahme: Als schrill verkleidete, raukehlige Ansagerin hat Drag-Queen BayBJane geradezu magnetische Fähigkeiten.

Gefühlsintensiv, aber ziemlich stromlinienförmig

Die anderen sind durchaus achtbare Darsteller, keine Frage. David Arnsperger in der Titelrolle meistert eindrucksvoll die nicht einfache Aufgabe, zwischen zwei grundverschiedenen Charakteren umzuschalten.

Julia Klotz hat einen ehrenwerten hellen Sopran, der perfekt zur braven bürgerlichen Arzt-Verlobten passt. Die kleineren Rollen passen sich bruchlos ein. Rigvava-Dumas und Arnsperger kennt Regisseur Schlösser übrigens mindestens seit seiner „Sunset Boulevard“-Inszenierung 2013 am Stadttheater Klagenfurt.

Frank Wildhorns Musik ist gefühlsintensiv, aber ziemlich stromlinienförmig – sie flutscht recht angenehm durchs Gehör, ohne nennenswerte Gedächtnisspuren zu hinterlassen. Kassels Chordirektor Marco Zeiser Celesti – auch hier für die Einstudierung der anspruchsvollen Chorpartie zuständig – versieht sein Dirigentenamt zuverlässig. Die Begeisterung des Publikums schlägt hohe Wellen.

Von Michael Schäfer

Nächste Termine im Opernhaus Kassel: 14. Februar, 9., 14., 22. und 28. März und 15 weitere ­Vorstellungen bis 13. Juli. Kartentelefon 05 61 / 10 94 222.
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