Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Musik von Dubois und Dvořák
Nachrichten Kultur Regional Musik von Dubois und Dvořák
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 11.05.2017
Quelle: GT
Anzeige

Das Orchester und die Chöre – Cahors und Montauban liegen etwa 200 Kilometer nordöstlich von Pau – kennen sich schon eine gute Weile. Vor vier Jahren hatte das OGM das hochromantische Chorwerk von Dubois „Les sept paroles du Christ“ (Die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz) mit den beiden Chören auf einer Konzertreise nach Südfrankreich aufgeführt. Nun waren die etwa 65 Sängerinnen und Sänger zum Gegenbesuch nach Göttingen gekommen.Mit der Musik von Dubois sind die französischen Choristen gut vertraut. Sie sangen ihren Part mit Enthusiasmus, dazu mit fein abgestufter Dynamik, auf die Dirigent Moesus besonders viel Wert legte. Neben dem Chor hat Dubois drei Gesangssolisten eingesetzt. Zu dieser Art des Ausdrucks passte der dramatische, in Richtung Wagner orientierte Sopran von Joana Caspar vielerorts recht gut, auch wenn man sich hier und da auch etwas zurückgenommenere Passagen hätte wünschen können. Sebastian Köchig bot einen hellen, schlank geführten Tenor, den Jean-Christophe Fillol mit seinem kraftvollen Bariton (der nur nicht durchweg sicher geführt war) in der tiefen Lage ergänzte.Das Schlagzeuggetöse zu den Worten „Der Vorhang im Tempel zerriss, die ganze Erde bebte“ mag man vielleicht als Effekthascherei abtun, doch wirkungsvoll ist es allemal. Wobei Dubois sehr wohl auch ganz andere Ausdrucksqualitäten beweist, hier sehr zarte, dort sanft lyrische oder todtraurige.Nicht ganz so konturenreich sang der Chor seinen Part in der D-Dur-Messe von Antonín Dvořák. Hier fehlte es bisweilen an Klarheit der Artikulation, auch an Sicherheit in den Einsätzen und in der Intonation. Offenbar hätte diesem Werk – das deutlich komplizierter strukturiert ist als die eingängige Musik von Dubois – eine noch intensivere Probenarbeit gutgetan.Dvořák verlangt in dieser Messe ein Solistenquartett, das die junge schwedische Altistin Katarina Andersson kompetent komplettierte. Das OGM unter dem temperamentvollen Dirigat von Moesus trug mit Schwung und bisweilen besonders schönen Bläserfarben zur insgesamt recht eindrucksvollen Aufführung dieses Werkes bei.Viel wichtiger als solche internen musikalischen Fragen ist aber der völkerverbindende Aspekt eines solchen Projektes. Menschen, die gemeinsam Musik machen, schotten sich nicht vom Nachbarn ab, sondern schließen Freundschaften über Ländergrenzen hinweg. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer nicht nur propagierten, sondern auch gelebten europäischen Gemeinschaft. Deshalb klang der Schlussapplaus besonders herzlich.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige