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14:17 19.04.2018
Der Drummer Swen von Samson. Quelle: Peter Krüger-Lenz
Niedernjesa

Der Eingang zur Wohnung, in der Samson lebt, liegt hinter dem Haus. Ländlich ist es hier. Kurz hinter der Tür stehen kleine Tontöpfe am Fenster. Hier zieht er mit seiner Familie Gemüse vor. Ein Raum weiter steht ein Schlagzeug, das Arbeitsgerät des 43-Jährigen. „Ein altes Rodgers“, erklärt der Musiker, gebaut etwa 1966.

„Der Rolls Royce unter den Schlagzeugen“

„Die Firma gibt es nicht mehr, damals waren die Instrumente der Rolls Royce unter den Schlagzeugen.“ In Beverungen hat er es vor Jahren gekauft, Probe gespielt und dann noch darüber nachgedacht. „Es war nicht billig, aber eine der besten Investitionen“, sagt Samson. Warum? Samson erklärt: „Es klingt immer so, wie ich es mir wünsche.“

Probenraum in der Musa

Drei bis vier andere Schlagzeuge und „einige Percussionsgeschichten“ besitze er noch, sagt Samson. Vieles davon steht in seinem Probenraum in der Musa. Eigentlich schätzt er sein Instrument eher kompakt, er finde es „spannender, aus dem Wenigen viel zu machen“. Doch für die unterschiedlichen Projekte benötigt er verschiedene Bausteine für sein Schlagzeug. Hans Kaul beispielsweise, mit dem er bei Produktionen der Göttinger Theatermacher Boat People Projekt mehrfach zusammengearbeitet hat. Kaul, der musikalische Leiter, „hat oft genaue Vorstellungen, wie es klingen soll“.

25 Schüler

Samson ist in Göttingen aufgewachsen. Hier hat er im Kindergarten seine Liebe zu den Drums entdeckt. „Eines Tages hatte ein Erzieher sein Schlagzeug aufgebaut. Seit dem Moment wusste ich es.“ Später hatte er Klavier- und Schlagzeugunterricht. Als der Klavierlehrer fort zog, blieben noch die Drumstunden. In den Niederlanden studierte er später am Conservatorium van Amsterdam – und kehrte zu seinen Wurzeln zurück. Seit 2002 lebt Samson wieder in Südniedersachsen. Heute unterrichtet er 25 Schüler an drei Tagen in der Woche. Mehr sollen es nicht werden „damit der Kopf frei bleibt“.

Weltmusik mit orientalischem Einschlag

Den freien Kopf braucht er für seine anderen Projekte. Samson ist seit 15 Jahren Teil der festen Band der Querbeat-Rock- und Pop-Session im Live-Club Nörgelbuff. Mit der Band Rahalla macht er Weltmusik mit orientalischem Einschlag. Mit Itchy Kolo schließlich erforscht er die Welt von Gipsy-, Balkan- und Klezmerklängen. Beide Bands nennt Samson seine „Herzensprojekte“. Im Deutschen und dem Jungen Theater hat er bei verschiedenen Produktionen getrommelt, das Göttinger Symphonie-Orchester engagierte ihn für den Auftritt beim Jahresempfang der Sparkasse. Bandleader ist er bei dem Gospelchor Cross Sing.

Musikalische Projekte in der Musa

2002 war er wieder bei der Band Soul Cake an the Horns Deelite eingestiegen, „ein sehr guter Einstieg, um wieder Fuß zu fassen“. Schon beim ersten „Pop meets Classic“-Abend war er dabei und leitete später rund fünf musikalische Projekte in der Musa, für die er auch die Musik schrieb. Im Studium habe er sich breit aufgestellt, erläutert der Musiker, „alle dachten, dass ich ein totaler Latin-Trommler bin“. Doch seine Schülern erkläre er immer, dass Musik wie eine Sprache sei. Man könne sie erlernen, aber nicht wie ein Muttersprachler anwenden. Und: „Musik muss immer eine Unterhaltung zwischen den Musikern sein.“

In der zweiten Reihe

„Ich liebe Rhythmen“, sagt Samson von sich. Ein Tänzer sei er nicht, aber „ich kann bei Rhythmen nicht still sitzen“. Als Schlagzeuger reize es ihn, „der heimliche Dirigent“ zu sein. Es sei schön, „in der zweiten Reihe zu sitzen und zu wissen, dass ich die Zügel in der Hand habe“.

Durch die Welt reisen

Weit über die Region hinaus ziehe seine Arbeit keine Kreise, meint Samson, „ich bin eher Lokalmatador“. Monatelang auf Tour zu sein, strebe er nicht an. Aber sehr gerne würde er mit Rahalla und Itchy Kolo durch die Welt reisen und auf Festivals spielen – „nicht als Tourist, sondern als Musiker“.

Von Peter Krüger-Lenz

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