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Musterzeichner auf ganz eigenem Weg

Studio Wasserscheune Musterzeichner auf ganz eigenem Weg

Abseits der großen Tour“ bewege sich der Einbecker Maler, Graphiker und Holzschneider Franz Cestnik in seinem Schaffen, schreibt ihm 1963 das „Brücke“-Mitglied Karl Schmitt-Rottluff. Keinen Zweifel lassen die Werke des 1921 geborenen Autodidakten daran, dass er seinen ganz eigenen Weg geht.

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Voll warmer Farben: eine Auswahl von Bildern Franz Cestniks.

Quelle: Heller

Als gelernter Musterzeichner entwickelte er unbeirrt in der Wirrnis und Zerrissenheit seiner Kriegsgeneration einen individuellen Zugang zur Kunst. Cestnik, ein Mann der Klarheit und Gegenständlichkeit mit Nähe zum Expressionismus und Kubismus, zeigt im Erbsener Studio Wasserscheune eine Werkschau seines Künstlerlebens.

Voll prächtiger, warmer Farben sind überraschenderweise viele der Ölmalereien Cestniks. Sie heißen „Cocktailparty“, „Stillleben mit Geige“ oder „Frau mit Harfenspieler“. Und sie leuchten. Ein Sonnenuntergang ist mehr als rot, vor lauter Glut scheint der brennende Himmelskörper aus dem Bild zu treten. Der Künstler möchte, so scheint es, einen deutlichen Kontrapunkt setzen zur manchmal scheinbar ziellosen Moderne. Cestnik ist seinem Stil über die Jahre treu geblieben, Verschiebungen, Veränderungen gibt es nur inhaltlich. Optisch bleibt der als überregionaler Geheimtipp Gehandelte in seinen mittelformatigen Bildern deutlich und konkret.

Kraftvolle Kompositionen hat der Einbecker entworfen, starke Linien, mal kantig, mal rund. Sein Handwerk beherrscht er präzise. Die zentrale Motivik sind Menschen und menschliche Beziehungen, sie nehmen die Welt im Rahmen ein. Große Münder, Hände, Augen – Mimik und Gestik sind unmittelbar präsent. Nichts ist verwischt, nichts unscharf, nichts wird im Unklaren gelassen, Cestniks Bilder sind jedes für sich eine Konfrontation. „Der Mensch ist es, der mich gefangen hält“, sagt der Freischaffende selbst über seine künstlerische Motivation.

Aber nicht nur warm sind seine Werke, es geht auch kühl, es geht auch kalt und manchmal hart. In Rückenansichten wendet sich manche Figur des 89-Jährigen vom Betrachter ab. Der „Blick zurück“, der „Abend“ oder die „Trauer“ sind voll schwerer Nachdenklichkeit.
Auf der Galerie der zweiten Etagen lassen sich Cestniks Werke mit zum Teil Jahrzehnte vorher entstandenen Skizzen vergleichen. Im Dachgeschoss findet sich dann die gewichtigere Kost: Folter, Krieg, ein Gekreuzigter, aber auch ein Selbstbildnis und Frauenakte sind hier als Holzschnitte oder (Ätz-)Radierungen zu sehen.

Die Ausstellung im Studio Wasserscheune in Erbsen ist bis 25. April sonntags von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

Von Anna Kleimann

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