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00:19 23.10.2017
Blick in die Ausstellung „Mutter Erde“. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

“Mutter Erde“ heißt eine Schau in der Kunstsammlung der Göttinger Universität. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt zwischen Hamburger und Göttinger Kunsthistorikern und ihren Studenten. Thema ist die „Vorstellung von Natur und Weiblichkeit in der frühen Neuzeit“, so der Untertitel.

Eine Schau in der Kunstsammlung der Universität Göttingen

19 nackte Frauen schauen den Betrachter an. Prof. Michael Thimann vom kunsthistorischen Seminar der Georgia Augusta hat dieses Plattencover von Jimi Hendrix in seiner privaten Sammlung gefunden. Er illustrierte damit bei der Vernissage eine Intention der Ausstellung. Genderfragen soll die Schau beleuchten.

Männer bezwingen die Natur, Frauen gehen in ihr auf. So schilderte der Hamburger Kunsthistoriker Dr. Maurice Saß, gemeinsam mit Prof. Iris Wenderholm Leiter des Projektes, die vorherrschende Zuordnung durch die Jahrhunderte. Ein Mosaik aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus sei ein frühes Zeugnis davon, sagte Saß. Im Zentrum des Werkes steht ein muskulöser männlicher Gott im Himmelskreis, zu seinen Füßen liegt eine Frau mit eher weichem Körper, Mutter Natur, die von vier Kindern umgeben ist, den Jahreszeiten.

Die Entstehung des Mosaiks liegt weit vor dem Zeitraum, mit dem sich die Ausstellung befasst, nämlich der frühen Neuzeit. Doch Saß präsentierte es als kennzeichnend für das Geschlechterrollen-Verhältnis.

Ein weiteres zentrales Werk steht gleich am Anfang der Ausstellung: der Abguss einer kleinen Statue, die Diana Ephesia zeigt, eine vielbrüstige Fruchtbarkeitsgöttin, die als Allegorie der Natur gedeutet wird. Von ihr ausgehend, präsentieren die Organisatoren druckgrafische Blätter und Buchillustrationen aus Göttinger und Hamburger Beständen, die sie in vier Abteilungen versammelt haben.

Teil eins befasst sich mit der Personifizierung der Natur. Im zweiten Abschnitt zusammengetragen sind Allegorien von Naturgrößen wie den Elementen, Metallen, Planeten, aber auch Jahreszeiten. In der dritten Gruppe finden sich bildnerische Inszenierungen von Frauen als Naturwesen. Abschließend verdeutlichen die Organisatoren im vierten Bereich die Verknüpfung von künstlerischer Aktivität mit der weiblichen Schöpfungskraft.

Die Aktion #metoo – Frauen schildern dort Übergriffe von Männern – zitierte Saß als Beleg für das nach wie vor nicht egalitäre Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel, die zu Beginn der Ausstellungseröffnung ein Grußwort sprach, erklärte, dass sie sich in ihrer Laufbahn immer mit Genderthemen befasst habe. Und sie würdigte die Kunstsammlung als „wichtiger Satellit“. „Jede dieser Ausstellungen hat etwas mit dem Forum Wissen zu tun“. Dort sollen ab Ende 2019 die diversen Sammlungen der Georgia Augusta präsentiert werden.

Im Eingangsbereich haben die Studenten Schilder mit Wörtern an der Wand befestigt. Assoziativ sollten sie sich mit dem Thema auseinandersetzen. Wörtschöpfungen wir Nat(H)uren sind dabei herausgekommen.

Eine zweite Ausstellungen haben die Studenten, die laut Wenderholm und Saß mit sehr viel Engagement und Spaß bei der Sache waren, nebenbei auch noch zusammengestellt. Im sogenannten Italiener-Saal sind nun Themen der Mythologie aus dem 16. Jahrhundert zu sehen.

Wenderholm war schließlich voll des Lobes. Solche Möglichkeiten wie in der Uni-Kunstsammlung hätten sie in Hamburg nicht, erklärte die Kunsthistorikerin. Ein Grund für die Kooperation dürfte aber auch ein persönlicher gewesen sein. Sie ist verheiratet mit ihrem Göttinger Kollegen Thimann.

Katalog, Gespräch, Vorträge

Die Ausstellung „Mutter Erde“ ist zustande gekommen über eine Kooperation des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg, der Forschungsstelle Naturbilder, der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und der Kunstsammlung der Universität Göttingen. Zu sehen sind annähernd 100 Werke aus Hamburger und Göttinger Beständen. Sie wurde kuratiert von Studenten aus beiden Universitäten unter der Leitung von Prof. Iris Wenderholm und Dr. Maurice Saß. Ein umfangreicher Katalog ist erschienen, herausgegeben von Wenderholm und Saß (Michael-Imhof-Verlag, 336 Seiten, 39,95 Euro). Die Ausstellung in der Kunstsammlung der Universität im Auditorium, Weender Landstraße 2. Sie läuft bis zum 29. Juli 2018 und ist sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Ein Werkstattgespräch ist auf Mittwoch, 6. Dezember, terminiert. Ab 18.30 Uhr sprechen Wenderholm, Saß und Prof. Michael Thimann im Auditorium über „Gender matters! Neue Tendenzen der kunsthistorischen Forschung zu Geschlecht und Natur“.Weitere Vorträge folgen ab Ende April 2018.

Von Peter Krüger-Lenz

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