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Regional Festival-Feeling mit Sofa-Blick
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09:55 16.09.2017
Besucher auf dem Albaniplatz vor der City-Stage des Soundcheck Festivals am Freitagabend.  Quelle: Richter
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Göttingen

 Zunächst aber mussten die beiden NDR-Moderatoren Elke Wiswedel und Jens Mahrhold das Publikum mit Kartenverlosungen bei Laune halten.

Lieber Musik als Tischtennis

Stimmung kam endgültig auf, als kurz vor dem Konzert von The XX Zak Abel zum Interview auf das rote Sofa auf der Citystage kam und darüber plauderte, warum er lieber Musik macht, als Tischtennis spielt und dass man in Göttingen wunderbar schlafen kann. Zufrieden zeigten sich die Veranstalter vom NDR.

Fast alle Konzerte ausverkauft

Fast alle Konzerte sind bis auf wenige Karten ausverkauft. Nur für die Londoner Band Rudimental am Sonnabend, die kurzfristig für Kaleo eingesprungen ist, gibt es noch recht viele Karten. Mit der Abendsonne kam dann auch das richtige Festival-Feeling vor der Bühne am Albaniplatz auf. Als die deutsch-britische Popmusikerin Alice Merton ihr Publikum im Jungen Theater auffordert, zu hüpfen, springen auch am Albaniplatz viele mit. Andere haben es sich im Liegestuhl bequem gemacht und genießen einfach die Musik.

Programm für Sonnabend

Am Sonnabend startet das Soundcheck-Festival um 14 Uhr mit der ersten Live-Übertragung vom Kaleo-Konzert am Donnerstagabend. Um 15.30 Uhr spielt dann Alex Aiono im Jungen Theater. Lotte stehen um 16.30 Uhr auf der City-Stage. In der Stadthalle präsentieren sich ab 17.30 Uhr Rudimental, um 18.30 Uhr spielen Razz auf der City Stage. Anne-Marie gibt im Deutschen Theater um 19.30 Uhr ihr Konzert. Dann geht es zur Lokhalle. Hier startet um 21 Uhr das große Finale mit der Musikszene Deutschland.

The JP Cooper: Sarke Stimme

Ein umjubeltes Konzert mit JP Cooper im gut gefüllten Jungen Theater war der dritte Act des ersten Soundcheck-Festival-Tages. Cooper überzeugte mit starker Stimme und musikalischer Vielfalt.

Singer/Songwriter – dieses Etikett wird dem 33jährigen aus Middleton bei Manchester gern verpasst. Dass mehr in ihm steckt, bewies Cooper mit seiner Band am Donnerstagabend im JT. Der Mann, der sich als Teenager das Gitarrenspielen selbst beibrachte, mixt in seiner Musik vielfältige Einflüsse zusammen von Grunge bis Gospel über Soul und Indie. Seine fantastische Stimme – immer mühelos, auch in erstaunlichen Höhen, kraftvoll und emotional – hält diesen Mix zusammen.

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The XX

Gut aufgelegt sind er und seine vierköpfige Band, es groovt mächtig. Manchmal vielleicht ein bisschen zu sehr, besonders bei den eher an Elektro-Pop angelehnten Stücken übertönen die Musiker den Sänger fast. Mit diesen sehr tanzbaren Songs hat Cooper den Durchbruch geschafft, nachdem er mit einem eher softeren Repertoire schon einige Jahre unterwegs war. „Perfect Strangers“ produzierte er mit dem britischen DJ und Sänger Jonas Blue. Es wurde ebenso ein Hit wie „September Song“. Beide spielt er natürlich auch an diesem Abend und bringt sein Publikum damit beinahe ausnahmslos zum Tanzen. Stärker aber ist der Sänger in den souligen Stücken, etwa im Song „Closer“, den er für seinen fünfjährigen Sohn geschrieben hat. Er wolle, dass sein Sohn später mal wisse, wie er sich in dieser Zeit gefühlt habe, erzählt der sympathisch unprätentiöse Brite. Zu wissen, dass es ein Vergnügen, ein Privileg ist, als Musiker auf erfolgreicher Tour zu sein, aber viel zu wenig Zeit für seine Kinder zu haben.

The XX: Minimalistische Sounds

So richtig der passende Rahmen war es ja nicht für das Konzert von The XX: Holzvertäfelung und minimalistische Sounds trafen am Freitag in der Stadthalle aufeinander. Aber: Wohin passt die Musik schon, die die aus der Nähe von London stammenden Musiker seit 2005 machen? In stillgelegte Fabrikhallen oder feuchte U-Bahn-Schächte, vielleicht. Da das nichts die attraktivsten Plätze für ein Festival sind, war die Raumwahl schon okay. Außerdem dachte der Lichtmixer mit: Viel Weiß und Blau, ein wenig Violett und Rot, dazu ordentlich Nebel und Stroboskop passten die Atmosphäre der Musik an: Kühler Indie-Pop mit reichlich Retro-Einschlag, aber null Chi Chi. Die kalte Gitarre, allein perkussiv gespielt, ab und zu als jammernder Meldodieträger eingesetzt, erinnerte dabei stark an das, was Bands wie The Cure in den 1980er-Jahren als Stilmittel einsetzten. Dazu ein Bass, tragend und klagend wie bei Joy Division, und Stimmen, die häufiger schneidend hauchten als sangen - nicht etwas Unvermögen, wie in den melodiösen Parts zu hören war, die Romy Madley Croft (Gesang und Gitarre) und Oliver Sim (Gesang und Bass) sangen. Ohne moderne Elektrodrums und Synthetisches vom ansprechend aufgebauten DJ-Pult von Jamie Smith hätte man denken können, die Band versuche den Sound der frühen bis mittleren Achtziger zu imitieren. Wären da nicht die in der jüngeren Bandgeschichte immer häufiger eingesetzten poppigen Anleihen: ein wenig gefälligere Melodien, etwas mehr Wärme und viel, viel Tanzbarkeit. Das Konzept geht auf - messbar am ausverkauften Konzert am Freitag und am kommerziellen Erfolg der Band. Mit „On Hold“ hat die einstige Indie-Band, die vor wenigen Jahren höchstens Kellerclubgängern bekannt war, den Sprung in die Charts geschafft. Natürlich brachten die Musiker auch ihre Radiostücke - verzichteten aber nicht auf die manchmal schwer zugänglichen Nicht-Ohrwürmer.

Kaleo: Die Vorband der Stones

„Way down we go”: Er sieht aus wie frisch aus einer Männer-Model-Kartei entsprungen. Selten klaffen Optik und Stimme bei einem Frontmannn einer Band so weit auseinander wie bei Jökull Júlíusson. Mit seiner Band Kaleo hat der Isländer am Donnerstag die Fans in der Stadthalle begeistert.

Augen zu, Ohren auf: Als Kaleo den ersten Song des Abends anstimmten, war eine Gänsehaut kaum zu vermeiden. Da müsste doch ein schwergewichtiger Bluessänger aus den Südstaaten oder zumindest ein tätowierter Bartträger à la ´Rag`n’Bone Man auf der Bühne stehen. Stattdessen spielt ein großer, schmaler Mittzwanziger mit schicker Fönfrisur Gitarre und singt, als hätte er 40 Jahre lang täglich mit Jack Daniels gegurgelt. Tief, voll und rau aber auch mal zart und weich singt er und präsentiert eine Stunde lang die Lieder der Band.

Kaleo, das ist eine junge isländische Gruppe, die für das NDR2-Soundcheckfestival das 23-Uhr-Konzert bestritt. Eigentlich sollten sie am Sonnabend spielen. Der Termin wurde verlegt. „Kaleo sind gerade als Vorband mit den Rolling Stones auf Tour, sie wollten aber trotzdem in Göttingen spielen”, sagte Moderatorin Elke Wiswedel vor dem Konzert. Und zu den Rolling Stones passen die Nordlichter musikalisch ganz hervorragend. Sie spielen klassischen Rock mit einem kräftigen Schuss Blues und Folk Die Songs zeichnen sich nicht durch große Originalität aus. Das müssen sie auch nicht. Ihr solider Old-school-Rock funktioniert beim Publikum, auch viele ältere Besucher waren darunter.

Alice Merton: Adele hat sie beeinflusst

Mit ihrer Single „No Roots“ landete Alice Merton in diesem Jahr einen Hit. Am Freitagabend stand sie mit ihrer Band beim Soundcheck- Festival auf der Bühne im Jungen Theater.

Merton ist aufgeregt bei ihrem Auftritt. Wenn man als Künstler zu den Newcomer- Festivals in Baden-Baden und Göttingen eingeladen wird, hat man es geschafft. So hat es ihr eigene Freundin gesagt. Die Musikerin ist in Kanada aufgewachsen, etliche Male umgezogen und hat in Deutschland studiert. Nach vielen Absagen von Plattenfirmen hat sie ein eigenes Label gegründet, um ihre Musik zu veröffentlichen. In ihren Popsongs verarbeitet sie Themen wie Angst vor dem Leben, die Frage, wieviel Rückschläge man verkraften kann oder auch anstrengende Beziehungen. Adele hat sie beeinflusst, stimmlich ist das natürlich ein großes Vorbild, das sie noch nicht erreicht. Mit ihrer souveränen Band, ihren eigenwilligen Songs und ihrer ausdrucksstarken Stimme aber begeistert sie an diesem Abend das Göttinger Publikum.

Von Christiane Böhm

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