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Intensiv-Station im Deutschen Theater

Satiresendung Intensiv-Station im Deutschen Theater

Die Satiresendung „Intensiv-Station“ von NDR Info hat am Sonntag das Publikum verarztet. Mehr als 450 Bürger verfolgten den satirischen Monatsrückblick des Radiosenders, den es zum vierten Mal in acht Jahren in Göttingen zu sehen gab, im ausverkauften Deutschen Theater.

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Auf der Intensivstation im Deutschen Theater.

Quelle: Niklas Richter

Göttingen. Bissige Satire und entlarvende Politiker-Parodien, Livemusik und skurile O-Töne hat die Show „Intensiv-Station“ am Sonntagabend im Deutschen Theater geboten. Mehr als 450 Bürger folgten dem satirischen Monatsrückblick von NDR Info, den es zum vierten Mal in acht Jahren in Göttingen zu sehen gab.

Im blutverschmierten Kittel ließ sich Oberpfleger Fritzschensen (Stephan Fritzsche) über die medizinischen Behandlung von Horst Seehofers „offener rechter Flanke“ aus. Der bayrische Ministerpräsident, verriet der Pfleger, spreche gut auf „Antibalkan“ an, „ein österreichisches Präparat auf Stacheldrahtbasis“. Der Patient versuche auch nicht mehr, die Lücke rechts von sich zu füllen, seit ihm der Haustechniker ein Brett rechts an den Kopf genagelt habe. Und seit die Überwachungskamera abgebaut sei, stehe Seehofer nicht mehr den ganzen Tag im Flur und stammele endlos „Obergrenze“ vor sich hin.

Lindner und das Besoffensein

Kabarettist Florian Schroeder zog über FDP-Chef Christian Lindner her. Wenn das Besoffensein von sich selbst ein Verkehrsdelikt wäre, dann hätte Lindner Fahrverbot, erklärte Schroeder. Der Kabarettist warf der FDP vor, mit Statements gegen Flüchtlinge Stimmen am rechten Rand gefangen zu haben und warnte: „Wer in der FDP zu weit rechts segelt, sollte lieber einen Reservefallschirm bei sich tragen.“

Die Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt nannte Schroeder eine „Margot Käßmann für Arme“, gegen die Renate Künast wie ein Mitglied von „Pussy Riot“ wirke. Dass bei der Bundestagswahl so viele Deutsche bei der AfD ihr „Hakenkreuz“ gemacht hätten, schockiere ihn nicht. Seit Jahren sei bekannt, dass 15 bis 20 Prozent der Deutschen mit rassistischen und antisemitischen Positionen sympathisierten. Für Kabarettisten versprächen die AfD-Abgeordneten „vier geile Jahre“.

Ozeanriesen auf der Leine

Einer möglichen Wahlfälschung ging der Detektiv (Jean-Michel Räber) im eigens für die Show in Göttingen geschriebenen Hörspiel nach. Der Verdacht: Die AfD hätte bei der Wahl eigentlich doppelt so viele Stimmen bekommen müssen. Der Detektiv reiste nach Wien, nach Moskau und kam am Ende in Göttingen dem Skandal auf die Spur. Während die ideenreiche Geräusche-Produzentin Nina Wurman die Ozeanriesen auf der Leine tuten ließ, löste sich das Rätsel ganz unerwartet.

Parodietalent Antonia von Romatowski, die aus Göttingen stammt, imitierte die Kanzlerin und deren Verteidigungsministerin, AfD-Chefin Alice Weidel und die Vorsitzende der Linken, Sahra Wagenknecht, genial in Stimme, Gestik und Mimik. Als englische Queen las sie der britischen Premierministerin Theresa May die Leviten. Ihr Lösungsvorschlag für die Brexit-Krise: Mit Blick auf die jahrhundertelange Verbindung des Inselreichs zu Hannover solle Großbritannien Deutschland beitreten.

Kabarettist Schroeder attackierte „das Moral-Kalifat“, in dessen Name in Deutschland „ein heiliger Krieg gegen Worte“ geführt werde. Er riet seinen Zuhörern, auf das Wort Rassist künftig zu verzichten. Als Alternative biete sich der geschlechtsneutrale Begriff „Rassistierender“ an. Schroeder polemisierte gegen „Bevormundungen“ des Bürgers durch Fahrradhelme, Warnhinweise auf Zigarettenschachteln oder das Alkoholverbot am Steuer. Der Staat handele da gegen seine Interessen. Je mehr Menschen beim Eintritt ins Rentenalter sterben würden, um so nachhaltiger falle die Entlastung der Sozialkassen aus.

Versprecher mit Kalkül

Eine Reihe von eingespielten Versprechern aus Radio und Fernsehen sorgten den Abend über für Lacher. Da warnte der Verkehrsfunk Fahrer auf der Autobahn vor herumliegenden „Leichenteilen“. Vom hoch verschuldeten Griechenland hieß es, es stehe „kurz vor der Kneipe“. Ex-Kanzler Gerhard Schröder erklärte als neuer Aufsichtsratsvorsitzender eines russischen Energiekonzerns angesichts von Kritik, dass der Mainstream „ein Gewässer“ sei, dass ihn nie besonders interessiert habe.

„Die O-Töne sammeln Moderator Axel Naumer und ich den Monat über“, verriet Fritzsche dem Tageblatt. Eine Woche vor der Sendung beginne die Auswahl der Themen. Bis zum letzten Augenblick werde an den Skripten geschrieben.

Von Michael Caspar

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