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NDR-Radiophilharmonie und Dirigent Eivind Gullberg Jensen in Northeim

Beethoven pur NDR-Radiophilharmonie und Dirigent Eivind Gullberg Jensen in Northeim

Wer ein Benefizkonzert besucht, bekommt als Dreingabe zum eigenen Genuss das befriedigende Gefühl, eine gute Sache unterstützt zu haben. Zu diesem Zweck hatte die Hospizstiftung der Region Einbeck-Northeim-Uslar anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens die Radiophilharmonie des Norddeutschen Rundfunks aus Hannover in die Northeimer Stadthalle verpflichtet.

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Als Solist engagiert: der norwegische Pianist Christian Ihle Hadland.

Quelle: EL

Northeim. Zu hören – wie beim Abonnementskonzert des Orchesters am Vorabend in Hannover – war Beethoven pur, zudem alles in C-Tonarten: die erste Symphonie und das erste Klavierkonzert in C-Dur sowie die fünfte Symphonie in c-Moll.

Sonst gastiert das traditionsreiche NDR-Orchester eher in größeren Orten als in Northeim, in dieser Saison etwa in Osnabrück, Hildesheim und Wolfsburg, aber auch in der Kölner Philharmonie, in Zürich oder in der Dresdner Semperoper. Da hatte die Hospizstiftung offenbar beste Verbindungen nutzen können. Die ausgesprochen gute Publikumsresonanz im nicht ganz ausverkauften Saal zeigte, dass die Idee richtig war.

Sehr entspannt, schlank im Ton und beschwingt eröffnete der aus Norwegen stammende Chefdirigent Eivind Gullberg Jensen den Abend mit Beethovens erster Symphonie. Die Gewichte verteilt er ausgewogen, in seiner Interpretation setzt der Dirigent auf Werkgerechtigkeit ohne jede Effekthascherei und berücksichtigt auch bestimmte Aspekte historischer Aufführungspraxis, wie die Benutzung von Naturhörnern und –trompeten zeigte.

Mit Preisen ausgezeichneter junger Pianist

Solist im C-Dur-Klavierkonzert war Gullberg Jensens Landsmann Christian Ihle Hadland. Der vielfach mit Preisen ausgezeichnete junge Pianist, Jahrgang 1983, ist ein Meister der klaren Linien, der transparenten Zeichnung, der präzise gesetzten Akzente. Dabei gestattet er sich durchaus kleine Freiheiten in den Tempi, mit denen er aber nirgends den stilistisch gebotenen Rahmen sprengt und die er auch genau mit Dirigent und Orchester abstimmt.

Perlend und brillant war der Duktus des Kopfsatzes, sehr sanglich und ausdrucksstark das Largo, federnd und voller rhythmischer Spannkraft das Finalrondo. Eine besondere Überraschung war die ausgedehnte polyphone Kadenz im ersten Satz, die weit über Beethoven hinausweist. Kein Wunder: Sie stammt von Glenn Gould.

Verschränkung zwischen Tutti und Solo

Mit großer Umsicht sorgte Gullberg Jensen für die reibungslose Verschränkung zwischen Tutti und Solo. Und im Ausklang des Abends zeigte er in der c-Moll-Symphonie abermals die hohen Qualitäten seiner Beethoven-Sicht: Dieses Stück, an dem sich sonst gern dirigentische Eitelkeiten in optisch eindrucksvollen, handwerklich aber meist weniger ergiebigen großen Zitterschlägen äußern, gestaltete er auffallend zuchtvoll, dabei immer temperamentgeladen und vorwärtsstrebend.

Und wenn dabei den Hörnern ein paar Kickser unterlaufen – wie jüngst beim selben Werk im Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters –, dann kann man dies hier wie dort zwar konstatieren, muss aber keinesfalls daraus auf mindere musikalische Qualität schließen. Das wäre kleinlich.

Zu Recht gab es am Ende Standing Ovations.

Von Michael Schäfer

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