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Nationen zum gemeinsamen Gespräch führen

Samuel-Bogumił-Linde-Preis Nationen zum gemeinsamen Gespräch führen

Zum 15. Mal ist am Sonntag der Samuel-Bogumił-Linde-Literaturpreis verliehen worden. Preisträger 2010 sind der polnische Journalist und Publizist Adam Krzeminski und der Berliner Historiker und Publizist Karl Schlögel.

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Ehrenvolle Auszeichnung: Preisträger Adam Krzeminski (zweiter von links) und Karl Schlögel (zweiter von rechts) mit Stadtpräsident Michał Zaleski aus Thorn (links) und Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer.

Quelle: Heller

Die Auszeichnung wird von den Partnerstädten Thorn und Göttingen gemeinsam ausgelobt. Die Preisverleihung im Alten Rathaus war der Höhepunkt der diesjährigen „Göttinger Polnischen Tage“, die am heutigen Montag zu Ende gehen.

Ganz ähnlich beschreiben die beiden Preisträger ihre Gefühle im Zusammenhang mit der Ehrung. Es sei ein sehr bewegender Augenblick für ihn gewesen, als er im Frühjahr dieses Jahres von der Auszeichnung erfahren habe, sagte Karl Schlögel, nachdem er den mit 5000 Euro dotierten Preis entgegengenommen hatte. Der 62-Jährige lehrt als Professor für Osteuropäische Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Schlögel gilt als herausragender deutscher Osteuropa-Experte.

Adam Krzeminski erging es ebenso: „Gerührt stehe ich als einer der Preisträger vor ihnen.“ Die Liste der bisherigen Preisträger, die von Günter Grass angeführt wird und der auch Christa Wolf und Siegfried Lenz angehören, zeige, welch eine Ehre es sei, sich in dieser Riege wieder zu finden. Krzeminski ist Jahrgang 1945 und gilt in Polen als einer der herausragenden Kenner Deutschlands und einer der bekanntesten Mittler zwischen den Kulturen. Er ist seit Mitte der siebziger Jahre Redakteur der wichtigsten polnischen Wochenzeitung „Polityka”.

„Mit dem Samuel-Bogumił-Linde-Preis werden Autoren ausgezeichnet, deren Wort Ideale und Werte schafft, die Menschen, Gesellschaften und Nationen zum gemeinsamen Gespräch führen“, sagte der Göttinger Oberbürgermeister Wolfgang Meyer in seiner Begrüßungsrede. Die Preisverleiher setzten auf die Kraft des Wortes, um alle Gräben zu überwinden, die unheilvolle Politik oder religiöse Gewalt ausheben. Die jährliche Preisverleihung, bei der immer ein deutscher und ein polnischer Autor ausgezeichnet wird, ist jeweils im Wechsel in Göttingen oder Thorn.

Laudator für beide Preisträger war der Göttinger Historiker Rudolf von Thadden. Aus Krzeminskis Werk hob er die Liste der nicht zustande gekommenen Gespräche hervor – verpasste Gelegenheiten, die zeigen, dass bloße Begegnungen allein nicht ausreichen, um aus Nachbarn Partner zu machen. Von Thadden würdigte Schlögel als einen Historiker, der die Geografie ernst nimmt. Besonders beeindruckt habe ihn sein Werk „Die Mitte liegt ostwärts“.

Michał Zaleski, Präsident der Stadt Thorn, hatte am Ende der Preisverleihung, bei der sich Schlögel und Krzeminski auch ins Goldene Buch der Stadt Göttingen eingetragen haben, für die Preisträger noch eine weitere Auszeichnung im Gepäck. Anlässlich des 200. Jahrestages des Erscheinens von Samuel Bogumił Lindes Wörterbuch der polnischen Sprache hat die Stadt Thorn eine Gedenkmedaille prägen lassen. Die überreichte Zaleski unter anderem an die beiden.

Von Eida Koheil

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