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Regional Die Welt retten mit Tom Cruise
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15:03 01.08.2018
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Göttingen

Terroristen fängt man am besten zu Fuß

In „Mission: Impossible 6“ kämpft Tom Cruise souverän um jedes Menschenleben

Von Christina Tilmann

Wenn zu Beginn einer Agentenmission die „Odyssee“ des griechischen Dichters Homer eine Rolle spielt, zeigt das zweierlei: Weite Reisen stehen an, und Kultur spielt durchaus eine Rolle. Beides gilt für Ethan Hunts Aufgabe in „Mission: Impossible – Fallout“. Der Weg führt Hunt von Berlin über Paris und London bis auf die eisigen Bergplateaus von Kaschmir. Dabei werden europäische Ikonen wie das Grand Palais oder die Tate Modern Schauplätze spektakulärer Verfolgungsjagden – per LKW, Motorrad, Helikopter oder am besten zu Fuß.

Soweit bleibt also alles beim Alten, könnte man beim sechsten Teil der Reihe sagen, die dem mittlerweile 56-jährigen, immer noch unglaublich einsatzbereiten Tom Cruise alles an körperlicher Fitness abverlangt. Mimetisch-charakterliche Finesse ist weniger gefragt. Und doch ist einiges anders. Die Welt der Geheimdienste, in dem sich die zunehmend auf einen gewissen Fatalismus setzende Truppe („Wir schaffen das schon irgendwie“) der „Impossible Missions Force“ (IMF) bewegt, ist noch anfälliger für Korruption geworden. Bei Angela Bassett als neuer CIA-Chefin ist man nie sicher, ob sie nicht mit den Terroristen unter einer Decke steckt.

Henry Cavill macht als CIA-Agent schlagkräftig bella figura. Die schöne Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) ist Ethan Hunt nicht nur auf dem rasenden Motorrad ebenbürtig. Und der britische Geheimdienst, dessen Abtrünniger Solomon Lane (Sean Harris) wie schon in „Rough Nation“ der große Gegenspieler ist, arbeitet in Sachen Waffenhandel mit einer ominösen „Weißen Witwe“ (wunderbar selbstironisch: Vanessa Kirby) zusammen.

Entscheidend jedoch ist die Botschaft, dass ein Menschenleben im Zweifel mehr zählt als die Verhinderung einer Menschheitskatastrophe. Hunt ist nicht bereit, auch nur einen seiner Freunde für die vermeintlich „größere“ Sache zu opfern. Im entscheidenden Moment riskiert er lieber einen Atombombenanschlag, als seinen Freund Luther (cool: Ving Rhames) aufzugeben. Mit diesem humanen Grundkonzept hat „Fallout“ trotz aller Hightech-Spielereien die Moral auf seiner Seite – und das ist keinesfalls selbstverständlich für einen Actionfilm dieser Machart, in dem der Tod als Kollateralschaden zumeist in Kauf genommen wird.

Und doch lässt „MI 6“ sich die größte Steilvorlage entgehen. Immerhin hat das ominöse Syndikat, das die IMF jagt, eine Untergruppe namens „Die Apostel“ gegründet. Die religiösen Stätten in Rom, Jerusalem und Mekka sollen zerstört werden. Doch Regisseur und Drehbuchautor Christopher McQuarrie verfolgt die Spur vom (anti)religiösen Fanatismus nicht weiter. Stattdessen geht es am Ende so klassisch wie konventionell und atemberaubend knapp um die Entschärfung der Atombombe. Wenn sich doch bloß alle globalen Probleme mit einer einfachen Kneifzange lösen ließen!

„Mission: Impossible – Fallout“, Regie: Christopher McQuarrie, mit Tom Cruise, Rebecca Ferguson, Henry Cavell, Alec Baldwin, 148 Minuten, FSK 12  (im Cinemaxx in Göttingen, in der Feilenfabrik in Duderstadt und in der Neuen Schauburg in Northeim)

Was sich beharkt, das kriegt sich

Winona Ryder und Keanu Reeves vereint:   Die Komödie „Destination Wedding“

Von Martin Schwickert

In den Neunzigern zählten Winona Ryder und Keanu Reeves zu den Kinogesichtern ihrer Generation. Reeves hatte an der Seite von River Phoenix in „My Own Private Idaho“ (1991) sein melancholisches Sexappeal als persönliches Markenzeichen entwickelt, während Ryder in Filmen wie „Reality Bites“ (1994) das fragile Selbstbewusstsein der Generation X so überzeugend wie kaum eine andere Darstellerin verkörperte. In „Destination Wedding“ führt Victor Levin die beiden verblassten Ikonen der Neunziger wieder zusammen – nun begegnen sie uns allerdings als neurotische Zyniker.

Frank (Reeves) und Lindsay (Ryder) begegnen sich in einer endlos langen Flughafenschlange mit instinktiver Abneigung. Im Flugzeug stellen sie mit Schrecken fest, dass sie zur selben Hochzeit eingeladen sind. Doch während sich die beiden noch gegenseitig beharken, ist dem Kinopublikum längst schon klar, dass diese Lästermäuler wie füreinander geschaffen sind. „Destination Wedding“ lebt von den messerscharfen Dialogen. Das ist für eineinhalb Kinostunden unterhaltsam, dürfte aber auch keine Sekunde länger so weitergehen.
„Destination Wedding“, Regie:  Victor Levin, mit Winona Ryder, Keanu Reeves, 86 Minuten, FSK 12 (im Cinemaxx in Göttingen)

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