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Bewährte Aphorismen, aktuelle Anspielungen

Neue Göttinger Gruppe Bewährte Aphorismen, aktuelle Anspielungen

"Bilden Sie mal einen Satz mit Lichtenberg", erinnerte Klaus Pawlowski beim Auftritt der Neuen Göttinger Gruppe in der Sonderausstellung im Alten Göttinger Rathaus mit einem Wortspiel á la Robert Gernhardt an Georg Christoph Lichtenberg. Die Zuhörer hatten dazu Spaß an Lichtenbergs Aphorismen.

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Quelle: rf

Göttingen. "Unsere Verbindung zu Lichtenberg ist, dass wir heute auch seine Aphorismen spielen und wie er Satire machen", so Pawlowski. Seine beiden Mitstreiter Peter Köhler und Reinhard Umbach konnten sogar noch mehr bieten. Köhler hatte 1999 zum 200. Todestag des Physikers und Satirikers mit Thomas Schaefer die Sammlung "Nachrichten vom kleinen L. - Lichtenbergs Göttinger Ansichten" herausgegeben. "Und ich wohne nur 50 Meter entfernt vom Lichtenberghaus", warf Umbach ein.

Das Programm unterteilte das Trio in unterschiedliche Themengebiete. Jedem wurde ein Aphorismus, also ein geflügeltes Wort oder aber Lebensweisheit Lichtenbergs vorangestellt. "Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen", zitierte Pawlowski den nach seinen Worten wohl grundlegendsten. "Danke, dass Sie heute aufgestanden sind, um uns zuzuhören", sagte er und vermisste gleich im Anschluss wegen all der schlechten Nachrichten vom G20-Gipfel "das schöne stille Sommerloch", denn "aus Trump, da plattert so viel Stuss". "Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber ich kann soviel sagen, dass es anders werden muss, wenn es gut werden soll", stellte Umbach seinem Beitrag über eine Fahrt mit dem E-Bike um die Welt voran. Daraufhin konterte Köhler ausnahmsweise nicht mit Lichtenberg sondern mit Verona Feldbusch: "Von der Zukunft erwarte ich, dass sie so wird, wie sie bis jetzt war."

Frauenhandtaschen und Goethes Fake News

Eine ganz eigene Interpretation des Kapitels Tier und Natur brachte Pawlowski über "Frauen, die in Taschen graben, weil sie was zu suchen haben". Entstanden sei diese Geschichte, als er mit seiner Enkelin beim Italiener gewesen sei. Es sei schon interessant, was bei der Handysuche zum Vorschein komme. "Und ganz unten auf dem Grunde, mysteriöse Knochenfunde", berichtete er und verriet, dass das Handy unauffindbar blieb. Weiter ging es mit den von Köhler aufgezeigten Möglichkeiten eines 3D-Druckers sowie Umbach und den Fake-News von Goethe, Kafka und Co sowie Pawlowskis Party der Natur, allerdings ohne Menschen. Und was sagte Lichtenberg: "Die edle Einfalt in den Werken der Natur hat gar zu oft seinen Grund in der edlen Kurzsichtigkeit dessen, der sie beobachtet."

Wirtschaftsflüchtling oder Häftling

"Was man so sehr prächtig Sonnenstäubchen nennt, sind doch eigentlich Dreckstäubchen", hatte Lichtenberg einst formuliert. "Und mit Dreckstäubchen haben wir Deutschen ja unsere Erfahrung", sagte Pawlowski und fragte in die Runde, wer noch einen VW fahre. So sei am Vormittag in den Nachrichten zu hören gewesen, dass der Ex-VW-Chef Martin Winterkorn nach einer langen Zeit des Schweigens erklärt habe, dass er bereits Monate vorher davon gewusst habe. Wie es nun mit Winterkorn weitergehe, davon hatten Pawlowski und Umbach dann unterschiedliche Ansichten. Der eine sah ihn am Kap Horn, wo kein warmer Golfstrom fließe und kein Scirocco wehe, der Passatwind schlapp sei und weit und breit kein Tuareg zu sehen sei. Die Frage sei nur, ob er dort als Wirtschaftsflüchtling anerkannt werde. Umbach hingegen sah eine ganz andere Zukunft für ihn: "Mit Fesseln an den Füßen muss er für seine Diesel-Software büßen", schickte er ihn ins Gefängnis, wo der Briefträger allerdings täglich seine Rente von 3000 Euro ablieferte.

Und so arbeiteten sich die drei von der Neuen Göttinger Gruppe durch die Aussagen des Lichtenberg und garnierten diese mit allerlei eigenen Reimen und Geschichten. "Lichtenberg hat meistens in der Nacht, Notizen in sein Buch gemacht", so Umbach. "Während Goethe seine Helden schuf, war Lichtenberg Faust von Beruf." Gemeinsam mit Pawlowski erinnerte er zum Abschluss auch an Gerhardts Weisheiten, denn dann war da ja noch der Satz mit Lichtenberg: "Der Weg von hier nach Herberhausen war für den Zwerg sehr mühsam, denn dazwischen Lichtenberg." Von einer gelungenen Matinee-Veranstaltung sprach Hilmar Beck, Leiter des Fachbereichs Kultur bei der Stadt Göttingen. "Die Zuschauer hatten ihren Spaß und wir auch", zog Pawlowski ein positives Fazit.

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