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11:22 10.10.2018
Der Schauspieler Moritz Bleibtreu als Paul Herzfeld in dem Film "Abgeschnitten", der am Donnerstag, 11. Oktober, in die Kinos kommt. Quelle: epd
Göttingen

Die Kinostarts der Woche im Überblick:

Bei Anruf Autopsie

Ein Herr Professor, der bei einer rasanten Schnitzeljagd von Leiche zu Leiche hetzt und einen Serienkiller zur Strecke bringt? Da fällt einem zuerst der in Harvard lehrende Robert Langdon in den Verfilmungen der Dan-Brown-Romane ein. Tom Hanks zog im teuren Tweed-Sakko seine Schlüsse aus verrätselten Symbolen der Kunstgeschichte. Jetzt schickt auch das deutsche Kino einen „Herrn Professor“ los, der auch so genannt wird. Es handelt sich um einen Rechtsmediziner, der aber keinesfalls mit dem TV-Spaßprodukt aus dem Münsteraner „Tatort“-Komödienstadel (Jan Josef Liefers) verwechselt werden sollte.

In „Abgeschnitten“ setzt ein robuster Moritz Bleibtreu als Forensiker und zu allem entschlossener Vater das Skalpell an. Oder besser: Erst einmal lässt Paul Herzfeld es ansetzen, denn er selbst hat es im tosenden Sturm zunächst nicht auf das von der Außenwelt abgeschnittene Helgoland geschafft.

Das ist mal ein außergewöhnlicher Schauplatz für einen Thriller. Ausgerechnet auf Deutschlands einziger Hochseeinsel mit Fünfzigerjahreambiente und Zweiter-Weltkriegs-Tunnel-Unterwelt treibt der Mörder sein Unwesen. Er hat sich eine perfide Schnitzeljagd ausgedacht: Die Hinweise auf den Verbleib von Herzfelds entführter Teenagertochter versteckt er in aufwendig präparierten Leichen.

Das deutsche Kino traut sich mit „Abgeschnitten“ mal wieder reines Genre. Bei Regisseur Christian Alvart kommen die Leichen (mehr oder weniger) frisch auf den Seziertisch.

Alvart ist nach seinen Hollywood-Ausflügen („Fall 39“, „Pandorum“) längst wieder heimgekehrt in den deutschen Borowski- und Tschiller-„Tatort“-Kosmos, macht aber auch hier nun sein eigenes Ding – und startet demnächst bei Netflix auch seine Serie „Dogs of Berlin“.

Der Herr Professor gibt vom Festland Anweisungen per Telefon: Erst den Toten nackt ausziehen und sich nicht davon irritieren lassen, dass er sich „eingeschissen“ hat, das sei normal und schon bei den meisten der rund 100 Milliarden Exemplaren der Gattung Homo sapiens so gewesen, die auf diesem Planeten gestorben sind. Dann die Augenlider mit Pinzette aufklappen (Todesursachenforschung!), das Gebiss rausnehmen, den Hals aufschneiden. Denn darin steckt der nächste Hinweis – in der Plastikkapsel eines Überraschungseis.

Es wird geschnippelt wie an einem blutigen Steak. Aber halt: „Bitte keine Essensvergleiche“, sagt dann Vegetarierin Linda (Jasna Fritzi Bauer), die einstweilen für den Herrn Professor den Job auf Helgoland übernimmt und sich schon wie Frankenstein fühlt. Sie ist eine Comiczeichnerin und soll wohl als toughe Verwandte von Lisbeth Salander aus den viel gerühmten „Millennium“-Krimis rüberkommen.

Auf der Flucht vor einem erst zur Schauerfigur aufgeblasenen und dann im Verlauf der Handlung beinahe vergessenen Stalker hat es Linda nach Helgoland verschlagen. Rein zufällig ist sie mit Herzfeld in Telefonkontakt gekommen, sie ging ans Handy eines Toten am Strand – und fungiert nun mit Helgolands skurrilstem Hausmeister (Fahri Yardim) als Herzfelds verlängerter Arm im wegen des Sturms evakuierten Inselkrankenhaus.

Es ist halt viel los in diesen 132 Thriller-Minuten. Alvart kämpft damit, den überreichen Stoff von „Abgeschnitten“ zu bändigen. Die Vorlage zu dem Thriller haben Autor Sebastian Fitzek und der Berliner Charité-Rechtsmediziner Michael Tsokos geschrieben, das Drehbuch hat der Regisseur dann selbst konzipiert.

Die Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer als Linda in dem Film "Abgeschnitten". Quelle: epd

Alvart begeistert sich so sehr an seinen Schnippelorgien, dass er zwischendurch beinahe vergisst, die Handlung weiterzuspinnen. Trotzdem gilt auch hier, was einen spannenden Krimi ausmacht: Wer mal schnell aufs Klo verschwindet, verpasst den nächsten Twist.

Der Schlüssel zu der Geschichte, so viel darf verraten werden, führt in die Vergangenheit Herzfelds. Eine kleine Attacke auf den komplizierten Rechtsstaat steckt auch in „Abgeschnitten“. Man könnte auch sagen: ein Aufruf zur Selbstjustiz.

Auf den Killer kann sich der Regisseur verlassen. Lars Eidinger ist hier mit fiesem Grinsen unterwegs – ganz anders als in Alvarts sanftem Kieler „Tatort“ mit dem Titel „Borowski und der stille Gast“. Der viel beschäftigte Eidinger hat sichtlich Lust darauf, sich bis an die Grenze zur Killerkarikatur zu begeben.

Bei dieser Vorstellung sollte man unbedingt den Rat befolgen, der in den Krankenhauskatakomben auf einem Schild an der Wand zu lesen ist: „Im Notfall Ruhe bewahren.“

„Abgeschnitten“, Regie: Christian Alvart, mit Moritz Bleibtreu, Jasna Fritzi Bauer, 132 Minuten, FSK 16, Cinemaxx Göttingen

Die Puppen fürs Grobe

Das Versprechen ans Publikum lautet: zu sehen, „was die Puppen so treiben, wenn Kinder nicht hinschauen“. Und natürlich – sie treiben es bunt und auch mal auf dem Bürotisch. Nie hätten wir erwartet, aus dem Munde einer muppet-artigen Puppe mal ein konkretes Fellatio-Angebot zu hören. Und dreimal nie hätten wir gedacht, einer Figur aus dem Henson-Universum mal beim Ejakulieren zusehen zu müssen. All das passiert hier aber. Geht es nicht zur Sache, werden Zoten abgeliefert wie in einer mittelprächtigen Melissa-McCarthy-Komödie.

Die Komödiantin spielt denn auch mit in diesem Mix aus Plüschthriller und Puppenpornöchen. Der Puppen-Privatdetektiv Phil Phillips – Raymond Chandlers Marlowe lässt grüßen – wird von einer attraktiven Puppenfrau in einen geheimnisvollen Fall gezogen. Es ist wie so oft im Film noir, der hier parodiert wird: Der hartgesottene Macker erliegt der hilfesuchenden Femme fatale und begibt sich – genitalgesteuert – in gefährliche Abgründe.

Die Schauspielerin Melissa McCarthy als Polizistin Connie Edwards in "The Happytime Murders." Quelle: Hopper Stone/STX Entertainment via AP

McCarthy ist Connie Edwards, Polizistin in Los Angeles. Sie war mal Phils Partnerin, als der für kurze Zeit der erste und einzige Puppencop der Stadt war. Die Weiße und der Blaue können sich seit einem tragischen Zwischenfall nicht ausstehen, werden aber wieder ein Team in einer rassistischen Stadt, in der Puppen „Socken“ genannt werden und Lebewesen zweiter Klasse sind. Und in der ein unheimlicher Mörder die Puppenstars der einst erfolgreichen Fernsehserie „The Happytime Gang“ meuchelt.

All das erinnert an Robert Zemeckis’ „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“. Brian Henson, Sohn des Muppets-Schöpfers Jim Henson, hat nach 20 Jahren wieder Kinoregie geführt und setzt das subversive Werk fort, das er 1992 mit seinem Regiedebüt, der „Muppets Weihnachtgeschichte“, begann. Schon damals war der Geizhals Scrooge (Michael Caine) grausam zu Puppen, vor allem zu seinem ärmlichen Schreiber Bob Cratchit, der von Kermit dem Frosch gespielt wurde. Zwar wurden noch vorwiegend die jüngeren Fans anvisiert, aber ein neuer Brutalorealismus hielt Einzug in Muppethausen. Die Puppen hatten es schwer. Und sie hatten Sex, wie man aus der aus Fröschlein und Ferkeln bestehenden Kinderschar schließen konnte, die da um Kermit und Miss Piggy herumwuselte.

Mit seinem Live-Impro-Puppentheater „Puppet Up!“ setzte Henson von 2006 an auf ein erwachsenes Publikum. „The Happytime Murders“ macht aus dem „Puppet Up!“-Prinzip Kino, ersäuft aber bei dünnem Plot in den immergleichen Sprüchen. Henson zeigt uns, was wir gar nicht wissen wollten: Ein paar Ecken von der Sesamstraße entfernt warten Junkiemeile und Straßenstrich. Man will sich damit trösten, dass es ja nicht Kermit, Gonzo oder Ernie und Bert waren, die so schlüpfrig rüberkommen. Hilft uns das? Denkste, Puppe! Ab sofort hat man auch seine Lieblinge im Verdacht, nach Feierabend total aus der Rolle zu fallen.

„The Happytime Murders“, Regie: Brian Henson, 91 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen

Einchecken im Todeshotel

Von Drew Goddard hat schon „The Cabin in the Woods“ inszeniert, den besten Film über die einsame Hütte am Weltrand, in der junge Leute ihr blutiges Wunder erleben. Jetzt will er mit einer Packung tarantinoesker Pulp-Ergötzung punkten. „Bad Times at the El Royale“ hat alles, was ein Kino-Comic braucht: Regen, Sprüche, Schüsse, Blut, Tote und Überraschungen.

Fünf Leute checken Mitte der Sechzigerjahre in einem Hotel ein. Die „glory days“ des El Royale sind vorbei. Aber die Wurlitzer-Jukebox ist glanzvoll wie ein Altar.

Der Schauspieler Jeff Bridges als Priester Daniel Flynn und die Schauspielerin Cynthia Erivo als Sängerin Darlene Sweet in "Bad Times at the El Royal." Quelle: Kimberley French/20th Century Fox via AP

Die Ankömmlinge sind: ein Priester (Jeff Bridges), eine Sängerin (Cynthia Erivo), ein Vertreter (Jon Hamm), eine Hippie-Maid (Dakota Johnson) und ihre Schwester (Cailee Spaeny). Später stößt noch ein Sektenchef (Chris Hemsworth) dazu. Alle haben ein Geheimnis, das Hotel ebenfalls. Gewalt bricht aus, das Dezimieren beginnt. Das El Royale ist wie das „Hotel California“, das einst die Eagles besangen. Man checkt ein, aber kommt nie wieder raus.

Das Gefühl hat man als Zuschauer auch. Mit 139 Minuten ist der Weg zum überraschende Ende doch recht lang.

„Bad Times at the El Royale“, Regie: Drew Goddard, mit Jeff Bridges, Cynthia Erivo, 139 Minuten, FSK o. A., Cinemaxx Göttingen

Itzhak Perlman - Ein Leben für die Musik

Von Schubert bis Strauß, von Bach bis Brahms, Mozart bis… Billy Joel - Itzhak Perlmans Geigenspiel geht weit über eine bloße Darbietung hinaus: Mit seinem Spiel beschwört er die Höhen und Tiefen der menschlichen Erfahrungen herauf. „Mit der Violine beten“, nennt es der berühmte Geigenbauer Amnon Weinstein. Alison Chernicks bezaubernde Dokumentation zeigt uns den großartigen Musiker, dessen Eltern aus Polen nach Israel emigrierten und der als Musikstudent so schmerzlich darum kämpfen musste, ernst genommen zu werden, da die Musikhochschulen nur auf seine Behinderung achteten.

Itzhak selbst ist witzig, respektlos und selbstironisch. Der Film zeigt seine Lebensgeschichte in Gesprächen mit meisterlichen Musikern, mit Familie und Freunden und mit seiner hingebungsvollen Frau Toby, mit der er seit 50 Jahren verheiratet ist. So charmant und hinreißend wie der berühmte Geiger ist der Film „Ithzak“. Das Porträt eines musikalischen Virtuosen, der von Warmherzigkeit, Humor und - vor allem - Liebe nur so strotzt. Eine ausführliche Rezension finden Sie hier.

„Itzhak Perlman - Ein Leben für die Musik“, Regie: Alison Chernick, 80 Minuten, OmU, FSK: 6, Lumière Göttingen

Smallfoot – ein eisigartiges Abenteuer

Migo ist ein normaler Yeti wie jeder andere, bis er eines Tages einem Wesen begegnet, dessen Existenz er für unmöglich gehalten hatte: einem Menschen. Alle anderen Yetis halten ihn für verrückt, nur seine Freundin Meechee ist bereit, an die Existenz der mysteriösen Kreaturen mit den kleinen Füßen zu glauben. Als Migo und Meechee sich auf die Suche nach Percy, dem Menschen, begeben, verändert sich ihr Leben für immer. „Smallfoot“ ist ein Animationsfilm mit Musical-Einlagen, der Unterhaltung für die ganze Familie bietet und zur Neugier einlädt.

„Smallfoot“, Regie: Karey Kirkpatrick, mit Channing Tatum, Zendaya, 96 Minuten. FSK: o. A., Cinemaxx Göttingen, Neue Schauburg Northeim, Filmcenter Feilenfabrik Duderstadt, Schiller-Lichtspiele Hann. Münden, Central-Lichtspiele Herzberg am Harz

Kindeswohl

Fiona Maye nimmt als Richterin in London ihre Aufgabe sehr ernst. Mit vollem Einsatz lebt sie für ihren Beruf, das hat seinen Preis. Ihr Privatleben ist ein Scherbenhaufen, denn ihre Ehe mit dem amerikanischen Geschichtsprofessor Jack steht vor dem Aus. Mitten in diese persönliche Krise hat die Familienrichterin einen neuen Fall zu verhandeln: Der 17jährige Adam hat Leukämie, weigert sich aber, eine Bluttransfusion anzunehmen, die sein Leben retten würde, weil er und seine Eltern Zeugen Jehovas sind. Das Krankenhaus hat Klage eingereicht. Fiona soll entscheiden, ob Adam, der in drei Monaten volljährig wird, gezwungen werden soll, die Bluttransfusion anzunehmen. Die Auseinandersetzung mit dem intelligenten Jungen führt Fiona zu einer Entscheidung, die auch ihr eigenes Leben verändern wird. Eine ausführliche Rezension finden Sie hier.

„Kindeswohl“, Regie: Richard Eyre, mit Emma Thompson, Stanley Tucci, 105 Minuten, FSK: 12, Lumière Göttingen

Asphaltgorillas

Atris hat die Schnauze voll davon, immer nur der Handlanger seines kriminellen Bosses El Keitar zu sein. Als er eines Tages auf der Flucht vor der Polizei zufällig auf Frank trifft, einen Freund aus Kindheitstagen, der ihn mit seinem dicken Lamborghini fast über den Haufen fährt, wittert Atris die Chance, seinem jämmerlichen Alltag zu entkommen. Die beiden hecken eine Falschgeld-Nummer aus, doch ihr Plan gerät schon sehr bald gehörig aus den Fugen. Zum Glück lernt Atris Marie kennen. Ein Wirbelsturm, der den Berliner Machos gehörig Paroli bietet.

„Asphaltgorillas“ ist eine süffisante Milieustudie und eine rasante Gauner-Komödie, die jenseits der Klischees erstaunlich viel Tiefgang besitzt und Bucks Begeisterung für die Charaktere unter Beweis stellt. Sein Schauspieler-Ensemble hat er sorgfältig aufgestellt: Stars dieser Neo-Noir-Thrillerkomödie sind neben herausragenden Newcomern vor allem Georg Friedrich als Leoparden-Mantel tragender Ganove und Jannis Niewöhner als Spekulant und Geldwäscher. Eine ausführliche Rezension finden Sie hier.

„Asphaltgorillas“, Regie: Detlev Buck, mit Samuel Schneider, Ella Rumpf, Jannis Niewöhner, 103 Minuten, FSK: 12, Lumière Göttingen

Von Stefan Stosch / Matthias Halbig / epd

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