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Regional Inspiration an der Käsetheke
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15:57 24.05.2018
Die fünf Mitglieder der Band Trykka: Carla Dewald, Friedemann Goral, Mathis Richtmann, Karl Heyer und Nils Gebauer (v.l.). Quelle: Sven Grünewald
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Göttingen

Das Genre bringt einen genauso zum Stolpern wie der Bandname, der beim ersten Hören ein wenig an Gegenstände aus dem Ikea-Katalog erinnert. Allerdings: Entstanden sei der Name völlig willkürlich aus einer Sammlung von Buchstaben, das Ypsilon wurde nachträglich eingefügt, damit der Name aussprechbar wird. Alkohol sei bei der Namensfindung keiner mit im Spiel gewesen; Geburtsort war die Mensa am Turm. Der Name musste her, weil das erste echte Konzert anstand. Das war Anfang 2014.

Zufällig bekannt

Trykka, das sind Carla Dewald (Geige, Gesang), Friedemann Goral (Akkordeon), Karl Heyer (Kontrabass, Gesang), Mathis Richtmann (Schlagzeug) und Nils Gebauer (Gitarre). Der eine kannte den anderen mehr oder weniger zufällig – aus WGs, dem Studium, dem privaten Umfeld, dem Orchester. Kulturwissenschaft, Politik, Sozialwissenschaft, Biologie, Geografie, teils studieren sie noch, teils promovieren sie – der fachliche Hintergrund ist bunt. Das gleiche gilt auch für ihre musikalische Herkunft.

„Die meisten von uns haben vorher in anderen Bands gespielt“, erzählt Karl. „Daher haben wir ganz unterschiedliche Stücke und können uns gar nicht auf einen Stil festlegen.“ Karl hat in schon Metal, Ska und Jazz gespielt, Nils Punk, Friedemann französische Tanzmusik, Mathis Hiphop und Jazz, Carla im Orchester. „Und irgendwas kommt dabei raus.“ Allen Stücken gemein: Sie seien mit Druck gespielt. „Wir haben viel auf WG-Partys gespielt, da wollten wir Musik machen, die tanzbar ist.“

In der linken Szene

Während sich die Musik nicht über einen Kamm scheren lässt, sieht es mit den Inhalten anders aus. „Wir verorten uns schon hier in der linken Szene, spielen gerne auf Demos“, sagt Mathis. „Mit unseren Songs wollen wir Missstände aufzeigen und erinnern.“ Klamauk gäbe es zwar auch, „aber der Kitschradar funktioniert meistens“.

Rechtsradikalen Brandanschläge

Missstände und Erinnern – der Song „Mensch Sein“ beispielsweise befasst sich mit den Missbrauchsvorwürfen gegen die Bundespolizei in Hannover. „Das ist vor drei Jahren passiert, leider gerät so etwas schnell wieder in Vergessenheit“, meint Karl. Demselben Gedanken folgt im Booklet die Seite neben dem Song „Immer wieder“. Hier sind alle rechtsradikalen Brandanschläge in Deutschland seit 2015 aufgelistet – eine bedauerlich lange Liste. Daher also auch die Selbstbeschreibung ihrer Musik als „Political Straßenmusik“. Auch, wenn das zunächst kaum jemand verstehe.

Inhalte transportieren

Macht aber nichts. „Wenn wir auf der Straße spielen, bleiben Leute stehen. Solche mit Kindern, im Rollstuhl, im Anzug, die selbst auf der Straße wohnen“, sagt Karl. Für Mathis ist die Musik die Bühne, um Inhalte zu transportieren und mit Leuten darüber ins Gespräch zu kommen. Das schätzt auch Carla: „Mit Leuten zu reden, die ich sonst nicht treffen würde, die ganz andere Lebensentwürfe haben.“

Positives Feedback gibt es vor Ort – oder unerwartet mit der Post. „Wir haben ein Video geschickt bekommen, auf dem Kinder uns in Figuren nachgebaut und ein Lied nachgesungen haben“, erzählt Mathis. Man merkt den fünf Bandmitgliedern an, dass sie mit Begeisterung bei der Sache sind – egal, ob auf Festivals, der Straße, in WGs oder auf der Bühne.

Release-Konzert

Die Band Trykka gibt am Sonnabend, 26. Mai, in der Göttinger Musa, Hagenweg 2A, ab 21 Uhr ihr Release-Konzert. Besonderer Gast des Abends, der ebenfalls Musik beisteuern wird: die Band Lappalie aus Rostock. Wer vorher schon einmal in die Musik der Band reinhören möchte, kann das auf trykka.de tun.

Die Musik ist jedoch „nur“ Hobby, die zwei Mini-Alben und jetzt das Album dienen vorrangig dazu, das eigene Tun festzuhalten, sagt Mathis. Was in Zukunft kommt, ist offen. Aber sie haben die Absicht, weiter Musik zu machen, vor allem im Sommer, wenn es wieder heißt: auf Tour gehen, anhalten, wo man Lust hat, und auf der Straße Musik machen.

Von Sven Grünewald

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