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Regional Nicholas Milton dirigiert Konzert unter dem Motto „Seelendrama“
Nachrichten Kultur Regional Nicholas Milton dirigiert Konzert unter dem Motto „Seelendrama“
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13:28 29.09.2018
Hochemotionales Spiel: Solist Emmanuel Tjeknavorian, Dirigent Nicholas Milton und das Göttinger Symphonie-Orchester. Quelle: Schäfer
Göttingen

Ein durch und durch romantisches Programm hatte Chefdirigent Nicholas Milton für das erste Konzert im Philharmonischen Zyklus II ausgesucht. Unter dem Motto „Seelendrama“ gab es die Ouvertüre zu „Ruslan und Ludmilla“ von Glinka, anschließend das Violinkonzert d-Moll von Sibelius und zum Schluss die vierte Symphonie f-Moll von Tschaikowsky.

Bei der Glinka-Ouvertüre gab Milton nicht ganz Vollgas: eine kluge Entscheidung, denn auf diese Weise blieben bei aller orchestralen Virtuosität die Konturen klar, die Akzente saßen punktgenau, was sonst gern im Rausch der Geschwindigkeit verfliegt.

Nur ein kleines Vorspiel

Doch diese fünf Minuten waren nur ein kleines Vorspiel für das atemberaubende Ereignis des Sibelius-Konzerts. Der erst 23-jährige Solist Emmanuel Tjeknavorian, Wiener mit armenischen Wurzeln, ist spätestens seit seinem Erfolg beim Internationalen Sibelius-Wettbewerb 2015 ins Blickfeld der musikalischen Öffentlichkeit geraten.

Dort errang er zwar „nur“ einen zweiten Preis, wurde aber als bester Interpret des Sibelius-Violinkonzerts ausgezeichnet. Dass ihm diese Ehre gebührt, stellte er bei seinem Göttinger Debüt in der fast voll besetzten Stadthalle nachdrücklich unter Beweis.

Betörend satter Ton

Tjeknavorian entlockt seiner Stradivari-Geige einen betörend satten Ton. Seine technischen Fähigkeiten stellt er ganz in den Dienst des musikalischen Ausdrucks, er kann geradezu bohrend intensiv spielen, erzeugt weite Spannungsbögen, musiziert energiegeladen und temperamentvoll, hier mit ernstem Pathos, dort mit tänzerischem Schwung. Seine dynamische Spannweite reicht von hauchzartem Pianissimo – so als begleite er, in sich versunken, das Orchester – bis zu einem mächtigen, den Saal mühelos füllenden Fortissimo.

Milton, der alle Werke dieses Abends auswendig dirigierte, führte das sehr aktiv musizierende GSO mit großer Präzision und folgte dabei flexibel den Intentionen des Solisten. Solo und Tutti waren eng miteinander verzahnt, ohne dass das Orchester den Solisten klanglich verdeckte. Mit seinem hochemotionalen Spiel entfesselte Tjeknavorian wahre Stürme der Begeisterung – nicht nur beim Publikum, sondern auch beim kräftig applaudierenden Orchester. Der Geiger bedankte sich dafür mit einer inbrünstig vorgetragenen armenischen Volksweise.

Musikalische Intensität

Milton vermochte die musikalische Intensität, die dieses Violinkonzert ausgezeichnet hatte, in der Tschaikowsky-Symphonie noch zu vertiefen. In der Tat spielten sich da geradezu existenzielle Seelendramen ab, ein Grundgefühl der Verzweiflung, durchzogen von Erinnerungen an früheres Glück im bitteren Bewusstsein, dass dieses Glück auf immer verloren ist.

Das GSO brillierte in zahllosen klangfarblichen Schattierungen von den hell glänzenden Blechbläsern über die unterschiedlichen Nuancen der Holzbläser – mit Spitzlichtern der Piccoloflöte – bis zu den dunklen Samttönen der tiefen Streicher. Viele feine solistische Leistungen, vor allem bei den Holzbläsern, schmückten das Bild. Am Ende brandete ein enthusiastischer Beifall los. Und wie vor einer Woche gab es eine Orchester-Zugabe: den russischen Tanz aus Tschaikowskys „Nussknacker“-Suite.

Niedersächsische Musiktage

Am Sonnabend, 29. September, ist das GSO mit diesem Programm zu Gast bei den Niedersächsischen Musiktagen: in Goslar im Besucherbergwerk Rammelsberg. Beginn ist um 19 Uhr, statt der Glinka-Ouvertüre erklingt zu Beginn die „Eisengießerei“ aus dem Ballett „Stahl“ von Alexander Mossolow. Das Göttinger Programm ist noch einmal am Sonntag, 30. September, um 19.30 Uhr in der Northeimer Stadthalle zu hören. Nächstes Göttinger GSO-Konzert: „Titanen“ am Freitag, 19. Oktober, um 19.45 Uhr in der Stadthalle mit Werken von Beethoven und Mahler. Solist: Michail Lifits (Klavier), Dirigent: Nicholas Milton.

Von Michael Schäfer

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