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Regional Nomos-Quartett gastiert im IWF-Theatersaal
Nachrichten Kultur Regional Nomos-Quartett gastiert im IWF-Theatersaal
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00:28 31.05.2018
Botschafter der modernen Musik: das Nomos-Quartett mit Martin Dehning, Meike Bertram, Friederike Koch und Sabine Pfeiffer (von links). Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Die Musiker präsentierten Kompositionen von Joachim Heintz, Jahrgang 1961, und Sarah Nemtsov, Jahrgang 1980. Beide Werke nehmen Bezug auf Mozart.

Initiator und Organisator ist der Göttinger Komponist Bernd Schumann, der die Reihe 2017 ins Leben gerufen hat, um der hier nicht eben heimischen Neuen Musik Öffentlichkeit zu verschaffen. Die Reihe „Musica viva“ im Musikwissenschaftlichen Seminar existiert schon seit vielen Jahren nicht mehr. Etwa zwei bis vier Konzerte pro Saison sind geplant, der Abend mit dem Nomos-Quartett war der vierte dieser Reihe. Knapp 30 Zuhörer waren in den ehemaligen Theatersaal des Instituts für den wissenschaftlichen Film (IWF) am Nonnenstieg gekommen. Das sei für Konzerte mit Neuer Musik „fast ausverkauft“, wie Schumann scherzhaft bemerkte.

Hohes Ansehen in der Neuen Musik

Das 1984 gegründete Nomos-Quartett genießt gerade auf dem Gebiet der Neuen Musik hohes Ansehen. Das bekam den beiden aufgeführten Werken sehr gut, die vier Musiker – Primarius Martin Dehning, Bratscherin Friederike Koch, Cellistin Sabine Pfeiffer und die 2013 neu eingestiegene zweite Geigerin Meike Bertram – kennen sich in diesem Metier bestens aus, auch wenn sehr ungewöhnliche Spielweisen verlangt werden.

Heintz setzt vielfach Elektronik in seinen Kompositionen ein. Für ihn sei das ein ganz normaler Vorgang. „Ich baue mir das Instrument, das ich brauche“, erläuterte er sein Verfahren. An seinem Streichquartett mit Elektronik „Wege“ habe er ungefähr ein Jahr gearbeitet, berichtete er. Hintergrund dieser Komposition ist der zweite Satz aus Mozarts Streichquartett KV 428. „Wenn man sich Mozart genau anguckt, ist das sehr aufregend“, sagte er dazu und hob hervor, es sei eine Musik, „die bis zum Abgrund geht“.

Klänge unterm Mikroskop

Diese Deutung schärfte das Gehör des Publikums erheblich, als das Nomos-Quartett die ersten beiden Sätze des Mozart-Quartetts vorstellte. Heintz’ „Wege“ allerdings sind nicht einfach zu verfolgen: Die Musik klingt vielfach scheinbar gleichförmig, sie wirkt, als habe jemand Klänge mit einem Mikroskop untersucht. Was sich unter dieser Oberfläche verbirgt, war an Heintz’ Körpersprache abzulesen, der an seinem Laptop samt Keyboard das Spiel der vier Musiker mit sichtbarer Emotion verfolgte. Man müsste sich wohl wesentlich länger mit dem Werk befassen, um ihm seine Geheimnisse zu entlocken.

Ganz anders das Streichquartett „Weggeschliffen“ von Sarah Nemtsov. Die in Haifa lehrende Komponistin entfaltet voller Temperament, manchmal geradezu mit Wildheit eine gestaltenreiche Klangwelt, die sich von der sonst im Streichquartett üblichen erheblich unterscheidet. Die Bögen der Streicher ersetzt sie manchmal durch raue Holzstäbe, bisweilen werden die Klänge elektronisch verstärkt und bewusst verzerrt – entfernt ähnlich dem, was Jimi Hendrix 1969 in Woodstock mit der amerikanischen Nationalhymne anstellte. Das war sehr lebendig und enorm spannend – nicht minder die beiden Sätze aus Mozarts Quartett KV 465, die das Nomos-Quartett der davon angeregten Komposition Nemtsovs voranstellte.

Nächstes Konzert

Der nächste „Göttinger Abend zeitgenössischer Musik“ ist Anfang November in der Alten Fechthalle geplant. Eingeladen ist das Ensemble L’art pour l’art.

Von Michael Schäfer

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