Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Otto von Bismarck: Biografien zum 200. Geburtstag und Lehmanns Vorlesung
Nachrichten Kultur Regional Otto von Bismarck: Biografien zum 200. Geburtstag und Lehmanns Vorlesung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:27 22.03.2015
Zählt zu den großen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts: Otto von Bismarck. Quelle: epd
Anzeige
Göttingen

Unerhört fanden viele Kollegen und Zeitgenossen, was der Göttinger Historiker Max Lehmann (1845-1929) in seiner Bismarck-Vorlesung bis 1921 zu Gehör brachte.

Der Professor für Mittlere und Neuere Geschichte räumte gründlich auf mit den Legenden um die Kriege und Annexionen Preußens und die Reichsgründung. Was Lehmann mitteilt, war nicht anfechtbar. Sein Wissen basierte auf seiner Tätigkeit im Preußischen Staatsarchiv: Dort hatte er Zugang zu allen, auch den geheimen Dokumenten um den Kanzler. Lehmanns  1949 veröffentlichte Vorlesung ist, um neuere Forschungsergebnisse ergänzt, neu erschienen.

Mit dem Heer oder mit Polzeigewalt

Schon Lehmann machte klar, dass es  der Machtanspruch und Militarismus Preußens war, der eine Reichsgründung gemeinsam mit Österreich um jeden Preis verhinderte. Das war die Saat für die beiden Weltkriege, die Millionen von Menschen das Leben kostete. Auch das Bismarck zugesprochene diplomatische Geschick, ist danach pure Legende: 

Was er für Preußen nicht durch Drohungen erzwingen konnte, schaffte er mit dem Heer oder mit Polzeigewalt. Verfassungsrechte und territorialen Rechte galten ihm so wenig wie Pressefreiheit, Wahlrecht und auch die Rechte anderer Staaten, wenn sie Preußen nicht passten. Ein außergewöhnlich spannendes Buch, das die glorifizierenden Legenden um Bismarck entlarvt.

Als Bismarck-Biograf hat 1985 Ernst Engelberg in der BRD und der DDR von sich reden gemacht. Dass sein Werk zeitgleich in Ost- und Westdeutschland erschien, war ein politisch-publizistisches Ereignis. Der Historiker hatte 20 Jahre recherchiert und sah seine Arbeit anfangs angelegt als deutlichen Widerspruch zu den Thesen in „Die deutsche Frage“ von 1945 des Ökonomen und Soziologen Wilhelm Röpke.

Zweibändiger Klassiker

So ging es anfangs nur um die Folgen der Reichsgründung von 1870. Engelberg (1909-2010) hat dann einen zweibändigen Klassiker geschaffen. Sein  Sohn Achim Engelberg hat das Werk zum 200. Bismarck-Geburtstag überarbeitet.  Engelbergs Bismarck-Biografie ist auch der fundierte Blick auf ein Jahrhundert, das Europa politisch und gesellschaftlich verändert hat.

Dass Bismarck in der Familie Engelberg eine wichtige Rolle gespielt haben muss, belegt zudem das Buch „Das private Leben der Bismarcks“ von Waltraut Engelberg, die Bismarcks Leben als Sohn, Ehemann und Familienvater beleuchtet und damit vor allem die Rolle seiner Ehefrau Johanna, geborene von Puttkamer, einordnet.

Studium der Rechts- und Staatswissenschaften

Vom Umfang weniger herausfordernd  ist der Band „Otto von Bismarck. Aufbruch in die Moderne“ – mit 25 fundierten, knappen Kapiteln und vielen Abbildungen sehr empfehlenswert für Leser mit wenig Zeit. Der großformatige Band bringt den Reichsgründer und einstigen Göttinger Studenten, 1832 begann er Rechts- und Staatswissenschaften zu studieren und absolvierte hier mehr Fechtpartien als Vorlesungen,  der in Bonn das Examen ablegte, ebenso näher wie seine Epoche.

Die Historiker Michael Epkenhans, Ulrich Lappenküper und Andreas von Seggern  sehen in Bismarck einen weißen Revolutionär. Sie meinen, seine Politik sei für das 20. Jahrhundert ein solides Fundament gewesen, das zerstört wurde, weil Bismarcks Leitsatz von Maß und Mäßigung in der Außenpolitik nichts mehr galt.

Max Lehmann: „Bismarck. Eine Charakteristik.“ Hrsg. von Gertrud Lehmann mit Beiträgen von Gerd Fesser und Helmut Donat. Donat, 352 Seiten, 16,80 Euro.

Michael Epkenhans, Ulrich Lappenküper, Andreas von Seggern: „Otto von Bismarck. Aufbruch in die Moderne“. Bucher, 164 Seiten, Abbildungen, 29,99 Euro.

Waltraut Engelberg: „Das private Leben der Bismarcks“. Pantheon, 240 Seiten, 14,99 Euro.

Ernst Engelberg: „Bismarck. Sturm über Europa“. Siedler, 752 Seiten, 39,99 Euro.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schreiben Sie in ein vier mal vier großes Quadrat 16 unterschiedliche Zahlen, sodass waagerecht, senkrecht als auch diagonal zusammengezählt 84 herauskommt. Sie haben dafür eine Minute lang Zeit. Ach ja, und eigentlich ist ihnen die Aufgabenstellung gar nicht bewusst. Unmöglich? Nicht unter Hypnose. Thimon von Berlepsch hat bei seinem Programm „Der Magier“ im ausverkauften großen Haus des Deutschen Theaters am Dienstag mit Zauberei aber vor allem der Macht des Unterbewusstseins das Publikum in Staunen versetzt.

21.03.2015

Musik aus verschiedenen Kulturen wird bei "Willkommen in Göttingen - Konzert für Integration und Toleranz" erklingen. Das Göttinger Symphonie Orchester spielt es unter der Leitung von Hisham Gabr. Der ägyptische Dirigent hat die Symphonie "To A New World" auch komponiert.

18.03.2015

Diskussionen um Denkmäler wie Robert Gernhardts Kragenbär oder der von Christiane Möbus entworfene Sockel, haben den Kunstverein Göttingen zu einer thematisch gebündelten Gruppenausstellung angeregt. Unter dem Titel „Moment!“ hat die Gastkuratorin Kordula Fritze-Srbic nun verschiedene, auch international namhafte künstlerische Positionen vereint, die sich mit Denkmälern, Erinnerungskultur und Geschichtsschreibung auseinandersetzen.

20.03.2015
Anzeige