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Regional Ovationen für „La Kermes“ beim Promenadenkonzert
Nachrichten Kultur Regional Ovationen für „La Kermes“ beim Promenadenkonzert
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00:19 29.05.2018
Atemberaubende Kehlfertigkeit: Sopranistin Simone Kermes mit dem Göttinger Symphonie-Orchester und Christoph-Mathias Mueller.  Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Vor sechs Jahren gastierte die Sängerin Simone Kermes erstmals mit dem GSO: im Festkonzert aus Anlass des 150-jährigen Bestehens des Orchesters. Seitdem kommt sie immer wieder, zuletzt vor einem Jahr als Solistin in Haydns Oper „Orfeo ed Euridice“. Für das Promenadenkonzert am Freitag hatte Mueller ein Programm mit Bravourarien zusammengestellt, von Rossini über Donizetti bis Lehár und Bernstein, ergänzt mit Orchesterstücken, um der Sängerin wenigstens ein paar Atempausen zu gönnen.

Temperamentvolle Spiellaune

Wobei, das sei vorweggenommen, die Orchesterstücke beileibe keine bloßen Lückenfüller waren. Im Gegenteil: Die Spritzigkeit, der virtuose Glanz und der Spielwitz versetzten auch hier das Publikum in Begeisterung. Quicklebendig präsentierten die Instrumentalisten Gioachino Rossinis Ouvertüren zum „Barbier von Sevilla“ und zur „Cenerentola“, prachtvoll glänzte Giuseppe Verdis „Nabucco“-Ouvertüre. Klangfarblich besonders fein poliert waren Franz Lehárs Ouvertüre zur „Lustigen Witwe“ und der Walzer „Gold und Silber“, die rhythmisch gepfefferte „Candide“-Ouvertüre von Leonard Bernstein befeuerte die temperamentvolle Spiellaune der Musiker nachhaltig. Dieses instrumentale Feuerwerk inszenierte Mueller mit einem ausgeprägten Sinn für dramaturgisch stimmige Entwicklungen und wirkungsvolle Effekte.

Doch im Mittelpunkt des Interesses stand eindeutig „La Kermes“, der Mueller stets ein sehr genau zuhörender, flexibel reagierender Partner am Dirigentenpult war. Sie eröffnete ihre Arien-Blütenlese mit der Cavatine „Bel raggio lusonghiero“ von Rossini und zog dabei alle Register in der Darstellung von Affekten. Denn in dieser Arie vollzieht sich eine Wandlung von abgrundtiefer Verzweiflung zur Hoffnung auf höchstes Liebesglück. Das stellte Kermes mit großer dynamischer Spannweite vor, mit effektvoll eingesetzten Spitzentönen und virtuoser Kehlfertigkeit. In der Liebesgeständnis-Arie „O luce di quest‘ anima“ verlangt Donizetti eine ähnlich bravouröse stimmliche Kunst, über die Kermes mit einer staunenswerten Selbstverständlichkeit verfügt.

Viel verhaltener ist die Arie der Amalia „Tu del mio Carlo“ aus Verdis Oper „I masnadieri“. Hier konnte die Sängerin bewegend ihre Pianokultur unter Beweis stellen, ebenso in dem populären Vilja-Lied aus Lehárs Operette „Die lustige Witwe“, dessen Männerchor-Part das Publikum auf Bitten Muellers mutig intonierte. Zu Beginn dieses Liedes erlitt die nach eigenem Bekunden wetterfühlige Solistin einen minimalen Schwächeanfall, den sie aber sekundenschnell bewältigte. Mag sein, dass dies auch der Grund für einige Intonationstrübungen an diesem Abend war: Nicht selten blieb die Sopranistin minimal unterhalb der geforderten Tonhöhe.

Barocke Bravour

Das Lied „Glitter and be Gay“ aus „Candide“ hat Bernstein mit artistischen Koloraturen gespickt. Die lieferte Kermes mit Bravour und sang die finalen Spitzentöne nicht mehr im Belcanto-Stil, sondern in einem frechen Musical-Ton. Die Zuhörer klatschten ausdauernd und lautstark mit Ansätzen zu Standing Ovations und bekamen zum Lohn zwei Zugaben: die barocke Bravourarie „Son qual nave ch’agitata“ von Riccardo Broschi und Händels Arie „Lascia qu’io pianga“, in der Kermes noch einmal ihre Pianissimo-Kunst wirkungssicher vorführte. Dass sie in ihrer Anmoderation den Stellenwert dieser Arie für ihr eigenes Repertoire mit Roland Kaisers Hits verglich, wirkte allerdings etwas befremdlich.

Von Michael Schäfer

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