Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Empfindsame musikalische Klagen
Nachrichten Kultur Regional Empfindsame musikalische Klagen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:03 04.04.2017
Passionskonzert der Kantorei St. Albani unter der Leitung von Arwed Henking. Quelle: Schäfer
Anzeige
Göttingen

Pergolesis „Stabat mater“ ist ein berührender Klagegesang der Mutter Jesu angesichts des Kreuzestodes ihres Sohnes, aufgeteilt auf zwei Solostimmen, einen Sopran und einen Alt. Im Wechsel von Soloarien und Duetten findet dieser Schmerz musikalischen Ausdruck – ganz dem Geist des frühen 18. Jahrhunderts entsprechend, nicht etwa in strenger barocker Polyphonie, sondern in italienischer Empfindsamkeit, in einem „vorgalanten Stil“, wie ihn Fachleute getauft haben.

Für die Solostimmen hatte Henking die aus der Schweiz stammende Sopranistin Nathalie de Montmollin und die bewährte Göttinger Altistin Uta Grunewald verpflichtet. Beide gestalteten die fein ziselierten Melismen Pergolesis mit schöner Leichtigkeit und empfindsamer Dynamik. Dabei vermochte die Sopranistin mit ihrer großen Ausdrucksspannweite zwischen hier zarten, dort kraftbetonten Passagen zu überzeugen. Uta Grunewald setzte dagegen auf schön weiche und abgerundete, ausgeglichene Stimmführung. Dass sie in den tiefsten Lagen nicht ganz so viel Kraft mitbringt, ist kein Problem. Schön, dass Nathalie de Montmollin bisweilen kräftige Tempoimpulse gab und so die insgesamt eher nach innen gekehrte Sicht dieser Komposition belebte.

Die Streicher des Collegium coll’arco begleiteten sanft und ausdrucksvoll, auch wenn sich hier und da kleine intonatorische Trübungen bemerkbar machten. Henking hielt das Ensemble sicher zusammen und sorgte für ausgeglichene Klangverhältnisse.

Drei schlichte Chorsätze umrahmten das „Stabat mater“: Johann Kuhnaus Motette „Tristis est anima mea“, dazu deren deutsche Bearbeitung „Der Gerechte kommt um“, die Bach zugeschrieben wird, und der Choral „Christe, du Lamm Gottes“ aus Bachs Kantate „Du wahrer Gott und Davids Sohn“. Schön durchsichtig war der Stimmklang der Albani-Choristen, bisweilen vielleicht ein wenig zaghaft im vokalen Zugriff, aber stets recht homogen und ausdrucksvoll. Insgesamt war es eine schöne, besinnliche Stunde.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige