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Paul Panzer mit Programm „Hart Backbord“in Göttinger Stadthalle

Ausverkaufter Auftritt Paul Panzer mit Programm „Hart Backbord“in Göttinger Stadthalle

Im Dickicht der deutschen Comedians braucht es schon herausragende Merkmale, um auf den großen Bühnen zu bestehen. Paul Panzer, der im wahren Leben Dieter Tappert heißt, hat sich neben einem schrecklichen Blümchenhemd für einen Sprachfehler entschieden. Dabei hätten seine Pointen im Programm „Hart Backbord – Noch ist die Welt zu retten“, mit dem er in der randvollen Stadthalle gastierte, das eigentlich gar nicht nötig gehabt.

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Hat auch gleich sein Schiff mitgebracht: Der Comedian und Schauspieler Paul Panzer.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Gleichzeitig ist es bewundernswert, in welcher Konsequenz und Natürlichkeit er seine „Schprechweise“ für seine Witze ausnutzen kann: „Schaumwaffel mit Migrationshintergrund“ ist eines seiner Wortkonstrukte, das man sich gerne von ihm aufs Band sprechen lassen möchte. Aber was beschäftigt den fiktiven Familienvater Panzer inhaltlich?

Ölkatastrophen und medialer Schwachsinn

Wie der Name seines Bühnenprogramms, mit dem er nun schon seit 2011 auftritt, verrät, spricht er über nicht weniger als die großen Themen unserer Zeit: Ölkatastrophen, medialen Schwachsinn und insbesondere die Probleme der modernen Kommunikationsgesellschaft nimmt er sich kurzweilig zur Brust. Seine absichtsvolle Naivität nutzt er gern als Waffe , um ebenso dämliche Sachverhalte aufs Korn zu nehmen: Seine Antwort auf Bauernprophezeiungen, nach denen nicht leergeputzten Tellern stets schlechtes Wetter folgt: „Lieber Hagel als Herzinfarkt“. Angesichts der herrschenden Mc-Donalds-Mentalität ist das eine nachvollziehbare Meinung.

Neben der spontanen Interaktion mit dem Publikum erzählt Panzer sehr gerne von seiner schrägen Familie: Während seine Gattin Hilde ein geheimes Zalando-Arsenal im Hause Panzer pflegt, ist sein Sohn Bolle eher der Technik verfallen und muss irgendwann feststellen, dass die Zoom-Geste, die man von Smartphones kennt, bei echten Fischen auf der Scheibe des Aquariums keine Wirkung zeigt.

„Unser Paulchen“

Da sich „unser Paulchen“, wie er sich gerne ankündigen lässt, aber im Massensegment des Comedy-Geschäfts tummelt, muss er sein Programm wahrscheinlich mit geschlechtsspezifischen Stereotypen würzen, die – mal wieder – etwas mit Autofahren und Waschküche zu tun haben. Umso sympathischer ist es doch, dass endlich jemand die psychotische Radiowerbung der Firma Seitenbacher durch den Kakao zieht, die all ihren Hörern die Lust auf jedwede Müsliprodukte gründlich verdorben haben dürfte. Dank Paul Panzer kann über solch medialen Unsinn wieder gelacht werden. Auch, wenn er immer wieder ernste Untertöne anklingen lässt. Sein Programm beendet er mit den Worten: „Es ist nicht so, wie ich gesagt habe. Es ist in Wirklichkeit viel schlimmer“. Da kann man ihm nur Recht geben.

Von Jonas Rohde

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