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Perfekte Klangdisposition

Orgelkonzert Perfekte Klangdisposition

Ein privates Geburtstagsgeschenk war der Anlass für ein Orgelkonzert außer der Reihe. Der in Göttingen aufgewachsene, an Hochschulen in Heidelberg und Basel lehrende Organist Martin Sander ist am Sonntag in die Göttinger Jacobikirche gekommen, um einem Freund einen musikalischen Geburtstagsgruß zu überreichen – ein ausgewachsenes Konzertprogramm, an dem auch das „normale“ Publikum Anteil nehmen durfte.

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Hochvirtuoses und transparentes Spiel: Martin Sander an der Ott-Orgel der Jacobikirche.

Quelle: Heller

Das Angebot wurde lebhaft angenommen – die Zuhörer füllten das Mittelschiff und zum Teil auch die Seitenschiffe der Kirche. Und ihnen wird Exquisites geboten. Mit einem „Alleluia“ des frühbarocken Musikers Heinrich Scheidemann eröffnet Sander sein Konzert, der verzierten Orgelbearbeitung einer Lasso-Motette. Die Klarheit der Artikulation ist bemerkenswert. Sander besticht mit durchdachter Linienführung, einer sehr fein ausgewogenen Verteilung der Klangfarben, technischer Präzision und einer Leichtigkeit, die jegliche handwerkliche Mühe vergessen lässt.

Zarter Kontrast

Das macht Johann Sebastian Bachs monumentale E-Dur-Toccata zu einem besonderen Hörgenuss. Als zarter Kontrast werden die beiden Choräle „Nun komm der Heiden Heiland“ und „Das alte Jahr vergangen ist“ zu einem bewegenden Erlebnis.

Die zweite Konzerthälfte ist der Musik der Romantik vorbehalten. Und hier bleibt Sander auch in den gefühlvollsten Momenten dem Prinzip transparenter Klarheit treu, was sowohl Felix Mendelssohn Bartholdys Andante, Allegro, Choral und Fuge als auch den beiden sanft-introvertierten Kanons aus Robert Schumanns sechs Stücken für den Pedalflügel zugute kommt.
Vollends Max Regers gigantische Orgelfantasie „Hallelujah! Gott zu loben bleibe meine Seelenfreud’   “ kann von Sanders perfekter Klangdisposition profitieren. Denn hier werden die Strukturen nirgends von den massiven Klangfluten verunklart, sondern bleiben immer durchhörbar und präsent. Zum Staunen schön.

Von Michael Schäfer

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