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Regional Peter Stamm liest aus „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“
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00:29 13.04.2018
Peter Stamm liest in Göttingen aus "Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Dass der Protagonist Christoph von seiner Jugendliebe Magdalena besessen zu sein scheint, erfährt der Leser schon auf der ersten Seite: Der inzwischen alte, gebrechliche Autor folgt der nicht gealterten Geliebten durch den Schnee. Die Vision vermischt sich mit Erinnerungen, und in nur wenigen Zeilen gelingen dem reellen Autor Stamm Sprünge von der Vergangenheit in die Gegenwart, von der Fiktion in das reale Erleben der Figuren.

Vorgehensweise von Peter Stamm: „Lust am Rätselhaften“

Als „Lust am Rätselhaften“ bezeichnete Solloch die Vorgehensweise Stamms, in seinen Romanen den Leser im Ungewissen zu lassen. „Der Leser darf Antworten suchen“, stellte der Moderator klar und bezog sich dabei auch auf Stamms ersten Roman „Agnes“ (1998). Tatsächlich bezeichnete der Autor „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“ als eine weitere Ebene seines Erstlings. Der neue Stoff habe konkrete Formen angenommen, nachdem Stamm die Schauspielerin Odine Johne, die im gleichnamigen Film Agnes verkörpert, in Stockholm getroffen hatte. „Das war ein bisschen, wie mir selbst und meiner Vergangenheit zu begegnen“, erklärte Stamm seine Sicht auf die Dreharbeiten (Filmpremiere 2016) zu seinem Buch von 1998. Bei seiner Suche nach der Wahrheit stelle sich ihm die Frage nach dem „Spannungsverhältnis zwischen Wirklichkeit und Erinnerung“.

Für Stamms Leser verschwimmen Grenzen

Im neuen Werk wird die Vorherbestimmbarkeit des Schicksals beleuchtet: Das Leben der jungen Lena kommt dem deutlich älteren Christoph bekannt vor. Er ist der Meinung, dass es dem Leben seiner einstigen Geliebten Magdalena gleiche. Doch damit nicht genug. Christoph glaubt auch zu wissen, wie Lenas Leben weitergehen wird – nämlich so wie das seiner Magdalena. In Rückblenden erzählt er seine eigene Liebesgeschichte und glaubt, Parallelen zu Lenas Beziehung mit dem jungen Chris immer deutlicher zu erkennen. Lena hält diese Parallelen allerdings eher für Zufälle. Doch nicht nur für die Protagonisten, auch für den Leser verschwimmt zunehmend die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion.

Peter Stamms neuer Roman: Große Fragen ohne Antworten

Stamm hat im Alten Rathaus einige Kapitel gelesen, die sein Spiel mit den Zeiten bestens verdeutlichen. Manchmal brauchte er nur einen Satz, um die Zuhörer wie in verschlungenen Spiralen mitzureißen durch die verschiedenen Erzähl- und Zeitebenen des Protagonisten. Die Auflösung klarer Grenzen war beabsichtigt. „Bei großen Fragen geht es nicht darum, Antworten zu finden, sondern nachzudenken“, sagte Stamm. Antworten lässt er auch in seinem neuen Werk offen, die Fragen beschäftigen sich mit dem menschlichen Leben und mit dem (Bewusst-)Sein schlechthin.

Peter Stamm (55) hat nach „Agnes“ zahlreiche Erzählungen, Hörspiele, Theaterstücke und sechs weitere Romane geschrieben. Seit 1990 arbeitet er als freier Autor und Journalist. Ausgezeichnet wurde er mit mehreren Literaturpreisen. Mit seiner Familie lebt Stamm in Winterthur /Schweiz.

Die Lesung im Alten Rathaus war Teil der NDR-Kultur-Reihe „Autoren lesen“ und ist in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Zentrum Göttingen und mit dem Fachbereich Kultur der Stadt Göttingen organisiert worden. Die Aufzeichnung der Veranstaltung wird am Sonntag, 13. Mai, um 20 Uhr in der Radiosendung Sonntagsstudio ausgestrahlt.

Von Claudia Nachtwey

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