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Regional Peter Vollmer im Apex: Wenn der Gatte leidet
Nachrichten Kultur Regional Peter Vollmer im Apex: Wenn der Gatte leidet
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14:00 25.11.2018
Ausdrucksstark und mit einer Gitarre ausgestattet: Peter Vollmer im Apex. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Auch Gatten können Götter sein, war am Sonnabend die Devise im Apex. Dort trat der Kabarettist Peter Vollmer mit seinem Programm „Er hat die Hosen an, sie sagt ihm, welche“, auf. Es war eine Show, die sich ganz abseits der Metoo-Debatte mit Geschlechterrollen beschäftigte.

„2027 wird der Mann auf der Liste der bedrohten Arten stehen“ orakelte Vollmer im vollbesetzten Apex. Zuvor hatte er lang und breit erklärte, weshalb ihm, als verheirateten Mann nach vielen Jahren Ehe, allmählich die Luft zu dünn wird. Denn den Ansprüchen, denen er gerecht werden müsste, genügt er schlicht nicht mehr.

Da ist die Sache mit den Hosen: Vollmer bevorzugt seine alte Jogginghose. Die wird zwar mittlerweile von so vielen Stecknadeln zusammengehalten, dass das Tragen „als Kraftübung zählt“. Aber es ist eben seine „Feierabendhose“. Zum Unmut „der Frau“ – die ihm prompt eine neue Hightech-Jogginghose schenkt. Vollmer fügt sich, trägt die alte Hose nur noch, wenn er mit seinem Sohn allein ist. Um dann gemeinsam in Erinnerungen von früher zu schwelgen.

War früher alles besser?

Überhaupt, früher: Die glorreiche Vergangenheit seiner (männlichen) Ahnen beschäftigt Vollmer auf vielen Ebenen. Da ist der hemmungslose Fleischkonsum seines Vaters, während seine Frau für ihn „vegetarische Zwangsernährung“ angeordnet hat. Da sind die Fahrkünste des Großvaters, „der selbst im Dunkeln und ohne Karte nie die Ausfahrt nach Köln-Nippes verpasste“. Vollmer hingegen rechnet damit, dass autonome Autos seine derartigen Fähigkeiten bald obsolet machen. Und da ist der Elternabend, bei dem Vollmer hinnehmen muss, dass die Klasse seines Sohnes demnächst „ein vorurteilsfreies und Bratwurst-freies und paritätisch besetztes Stück über den/die RäuberIn HotzenplotzIne“ aufführt.

So geht es bei Vollmer in einem Fort. Spätestens, als Vollmer über den Sinn von Intimrasuren bei Männern sinnierte –und dabei den Vergleich mit einem Nacktmull bemühte – war es für die meisten Besucher vorbei: Nicht wenige japsten vor Lachen nach Luft, während sich andere Besucher bei ihrer Partnerin so leise wie besorgt erkundigten, ob die Metapher stimmen könnte.

Kabarettist mit Gitarre

Kabarettist Vollmer begeisterte aber nicht nur mit Pointen. Als Kölner glitt er immer wieder in rheinischen Dialekt ab, was gepaart mit seiner starken Mimik für noch mehr Begeisterung sorgte. Und auch, dass er zwischendurch zur Gitarre griff und einfache Paarreime wie „Frauen wollen Treue, Männer eine Neue“ zur Melodie bekannter Popsongs von sich gab, kam beim Publikum gut an.

Wer sich tiefschürfendere Gedanken über das Verhältnis von Männern und Frauen im zweiten und dritten Lebensalter erhofft hatte, wurde hingegen enttäuscht. Dass es Frauen in dieser Welt nicht einfach haben, war Vollmer keine Rede wert. Ihm ging es um „den Helden der Schöpfung“, der Anerkennung verdient hat. Zum Beispiel, wenn er vom Einkaufen Tomaten mitgebracht hat. Auch dann, wenn er drei mal angerufen hat, um zu fragen wo diese im Supermarkt zu finden sind. Und auch, wenn eigentlich Broccoli auf dem Einkaufszettel stand.

Von Christoph Höland

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