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Petri-Chor Weende führt Stölzels Passionsoratorium auf

Von Blut und Schweiß Petri-Chor Weende führt Stölzels Passionsoratorium auf

Gab es zu Bachs Zeiten schon Horrorfilme? Natürlich nicht. Aber wenn man die ungewöhnlich drastische Sprache der barocken Dichtung zum Thema der Leiden Christi hört, spürt man eine gewisse Verwandtschaft, auch wenn die Zielrichtung der Dichtung gewiss eine ganz andere ist als die der Grusel-Schocker.

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Quelle: Archiv (Symbolbild)

Dransfeld. Der Petri-Chor Weende hat am Wochenende in Dransfeld und Weende das Passionsoratorium des Bach-Zeitgenossen Gottfried Heinrich Stölzel (1690-1749) aufgeführt. Ihr liegt eine Dichtung von Barthold Hinrich Brockes zugrunde, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglässt. Da ist von „der Laster Eiterbeulen“ die Rede, von „blutgem Schweiß“, von „zischendem Geblüt“  und „zerquetschten Knochen“.

Diese Dichtung haben unter anderem Telemann und Händel vertont, und auch Bach greift in seinen Passionen auf Brockes-Texte zurück. Stölzels Werk – erst 1996 wiederentdeckt – ist im Vergleich zu Bachs Passionen nicht so streng polyphon. Aber dafür verteilt der Komponist vor allem an die Solisten eine Menge schwieriger Aufgaben, halsbrecherische Sprünge und komplizierte melodische Wendungen.

Darauf war das junge Solistenquartett bemerkenswert gut vorbereitet. Einen besonders großen Part hatte Tenor Georg Drake zu bewältigen: ausdrucksstark und unangestrengt, immer sauber intonierend und artikulierend. Ihm standen mit Friederike Gebhard, Sarah Kelemen und Stefan Sauer drei sehr zuverlässige Kollegen zur Seite.

Sehr engagiert und präzise sang der Petri-Chor, vom Kammerorchester Weende instrumental beflügelt. Dirigent Antonius Adamske sorgte für dramatisches Feuer, das freilich noch heller hätte lodern können, wenn die Pausen zwischen den Nummern kürzer gewesen wären. Lautstark war der verdiente Beifall.

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