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Regional Chor- und Orgelmusik der französischen Romantik
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14:40 25.11.2018
Petri-Chor Weende präsentiert bei seinem Konzert in der Klosterkirche Nikolausberg Werke von Franck und Fauré. Quelle: Udo Hinz
Göttingen

Die Epoche der Romantik hat in Frankreich eine ganz eigene Musik hervorgebracht: Chor- und Orgelmusik mit einem symphonischen Klang. Dieser besonderen Musik widmete sich der traditionsreiche Petri-Chor Weende bei seinem Konzerten am Sonnabend in der Klosterkirche Nikolausberg. Unter der Leitung von Martin Kohlmann präsentierte der Chor herausragende Werke von Cesar Franck (1822-1890) und Gabriel Fauré (1845-1924) – selten zu hörende Musik in Göttingen.

Das Besondere bei diesem Konzert: Die Begleitung kam von einer digitalen Orgel über vier Lautsprecher. Der Organist Hans-Dieter Meyer-Moortgat platzierte seine mobile Orgel beim Chor im Altarraum. Das Instrument arbeitet mit abgespeicherten Aufnahmen von echten Orgeln. So konnte der symphonische Klang französischer Orgeln mit ihren vielen Registern in den beiden Kirchen simuliert und erahnt werden.

Wandlungsfähigkeit und Varianz

Gleich zu Beginn des Konzerts in der Klosterkirche Nikolausberg zeigte der Petri-Chor eine Wandlungsfähigkeit und Varianz bei den Klangfarben: Im „Psaume 150“ von Cesar Franck entfaltete sich aus einem getragenen „Hallelujah“ eine ergreifende Gottes-Huldigung, bei der der Gesang der Vokalisten mit den Registerklängen der Orgel verschmolz. Beim „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré schimmerten die hohen Stimmlagen des Chores immer wieder wie Sonnenstrahlen hervor.

Bei drei Werken von Cesar Franck zeigte sich die gute Wahl der hinzugezogenen Solisten: Sopranistin Bogna Bernagiewicz und Bariton Johannes Schwarz verfügen über eine angenehm warme Stimmfärbung. Sie gaben den Werken etwas Ernstes und zugleich Feierliches. Herausragend war das intime Duo der Sopranistin und des Organisten: Bei Cesar Francks „Panis angelicus“ ließen sie die überirdisch-schöne Melodie dieses Werkes leuchten.

Requiem Opus 48 von Gabriel Fauré

Die Stärke der französisch-symphonischen Orgelmusik präsentierte Organist Meyer-Moortgat solistisch mit „Danse macabre“ von Charles Camille Saint-Saëns (1835-1921). In dem tänzerisch angelegten Werk zeigte der Musiker die Vielfalt an Registern und Klängen der französischen Orgeln und das An- und Abschwellen der Lautstärke – entsprechend dem Crescendo/Decrescendo eines Orchesters.

Zum Abschluss des Konzert kam das größte Werk des Abends: das Requiem Opus 48 von Gabriel Fauré – eines seiner innovativsten Werke. Der Komponist wurde durch den Tod seiner Eltern zu dem Werk angeregt. In ihm nimmt er dem Tod den Schrecken und den Schmerz. Er transformiert das Sterben in den Aufstieg in einen friedvollen Himmel.

Bewegende Stille bei den Zuhörern

Der Petri-Chor gab dem Werk einerseits die emotionale Tiefe der Trauer. Zugleich wurde die Aufführung zu einer Huldigung Gottes. Die Sänger sangen dabei Passagen sacht wie hingehaucht und steigerten dann Lautstärke, Ausdruck und Intensität – die Musik blieb aber stets ruhig, weich und fast meditativ. Die beiden Solisten ließen im Dialog mit dem Chor ebenfalls spüren, dass es in diesem Werk um etwas Höheres geht. Die Orgelbegleitung war wahrlich symphonisch: Sphärisch wie die Streicher eines Orchesters erweiterte die Orgelregistrierung die Stimmen des Chors. Gemeinsam erhoben alle Mitwirkenden das Werk in himmlische Sphären.

Wie tief die Interpretation die Zuhörer bewegt hat, spürte man in dem Moment totaler Stille zwischen Ende der Musik und dem aufbrausenden Applaus des Publikums. Der Abend war ein berührender Ausflug in die inspirierende Klangwelt der französischen Romantik.

Der Petri-Chor Weende konzertiert mit heute Abend um 18 Uhr mit dem gleichen Programm in der St.-Petri-Kirche in Weende.

Von Udo Hinz

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