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Philippe Djian im Deutschen Theater

Göttinger Literaturherbst Philippe Djian im Deutschen Theater

Der französische Schriftsteller Philippe Djian hat am Sonntag im Deutschen Theater aus seinem jüngsten Roman „Oh...“ gelesen. Die deutschen Passagen las die Schauspielerin Imme Beccard. Die Moderation der Veranstaltung des Göttinger Literaturherbstes übernahm Aurélie Maurin.

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Der französische Schriftsteller Philippe Djian hat mit der deutschen Schauspielerin Imme Becard aus seinem jüngsten Roman „Oh…“ vorgelesen, für den er 2012 den französischen Literaturpreis Prix Interallié erhielt.

Quelle: r

Göttingen. Zunächst hatte der bekannte Schriftsteller, der mit „Betty Blue“ zum Kultautor wurde und dessen Werk über 30 Titel umfasst, Probleme mit dem Licht. Es war ihm einfach zu hell im „DT-2“. Nachdem das Licht noch weiter gedimmt wurde, konnte die Lesung in französischer und deutscher Sprache beginnen. Die Literaturwissenschaftlerin Aurélie Maurin gab zunächst eine Einführung in die Charaktere des Romans und einen Überblick über den „heiß-kalten“ Plot. Vor allem die Protagonistin Michèle, eine zynische und abgeklärte Filmproduzentin, wurde dem Publikum vor der eigentlichen Lesung umfangreich vorgestellt, um sich in den gelesenen Passagen zurechtzufinden. Diese wurden im Wechsel auf Deutsch und Französisch vorgelesen.

Michèle, die verheiratete Frau und Mutter eines erwachsenen Sohnes, hat es überhaupt nicht leicht gehabt im Leben. Sie hat, bedingt durch das absolute Fehlverhalten ihres Vaters, ein zerrüttetes Verhältnis zu ihren Eltern, ist auch auf ihren Mann und ihren Sohn nicht sehr gut zu sprechen und wird dann auch noch in der Vorweihnachtszeit von einem Nachbarn vergewaltigt.

Doch Michèle verharrt weiter in ihrer abgeklärten und harten Schale, die sie gegen alle Angriffe unverwundbar zu machen scheint. Sie lässt sich nicht einschüchtern, und wirkt zeitgleich doch kraft- und mutlos – und geht eine verstörende Beziehung zu ihrem Peiniger ein. Beim Schreiben der Geschichte sei es ihm vor allem darum gegangen, nachzuzeichnen, welche Folgen eine überschattete Familiengeschichte haben kann, sagte Djian im anschließenden Gespräch mit Aurélie Maurin.

Auch die sprachliche Ebene sei für ihn als Schriftsteller besonders wichtig. Da die thematische Palette nicht unendlich sei, müsse ein Autor immer an der Sprache feilen und an seinem Stil arbeiten. Dass sich diese Bemühungen bis auf die Gestaltung des Buchcovers beziehen, machte Djian ebenfalls deutlich. So sei die Typographie auf dem deutschen Buchcover eine andere als in der französischen Originalversion. „Ein schöner Beweis, wie speziell Schriftsteller sein können“, befand Maurin.

Auch die Meinung des Autors zu den Verfilmungen seiner Romane war im Interview gefragt. Er werde oft zu Filmpräsentationen eingeladen, sagte Djian. Doch seine Meinung als Autor sei gar nicht so wichtig. Er gab aber lächelnd zu, dass „Elle“, so der Filmtitel von „Oh...“, nicht der größte Film aller Zeiten gewesen sei.

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