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Pianist Juan María Solares im Göttinger Goethe-Institut

Zurück nach 20 Jahren Pianist Juan María Solares im Göttinger Goethe-Institut

Sehnsucht, Schmerz, Leidenschaft und Lebensfreude zugleich verkörpert der „Tango argentino“. Er ist nicht nur getanzt ein Wunderwerk: Um 1917, als Carlos Gardel „Mi noche triste“ (zu Deutsch: Meine traurige Nacht) aufnahm, begann die Ära des Tango-Liedes.

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Werke aus unterschiedlichen Tango-Epochen: Juan Maria Solares.

Quelle: Heller

Göttingen. Gardel, Sänger, Komponist und Filmemacher, gilt als die wichtigste Persönlichkeit des Tangos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist auch im heutigen Argentinien omnipräsent. So kommt es, dass Pianist Juan María Solares über Gardels Stück „Volver“ („Zurückkehren“) sagt, es sei „die wahre Nationalhymne Argentiniens“.

Am Donnerstagabend ist auch Solares zurückgekommen: in die übervolle Halle des Goethe-Instituts in Göttingen. Hier spielte der Künstler beim „Internationalen Musikabend“ vor 20 Jahren sein erstes Konzert überhaupt in Europa. Er gab damals Werke von Brahms und Liszt zum Besten.

Dass „20 Jahre nichts sind“, wie es bei Gardel heißt, zeigt sich auch an diesem Abend. Der Musikvirtuose begeistert das Publikum. Zu seinem Jubiläumskonzert hat er rund 20 verschiedene Stücke aus unterschiedlichen Tango­epochen mitgebracht. Er lässt auf dem Flügel klassische Werke von Piazzolla und Gardel, „Tango Nuevo“-Kompositionen von Pítari und Lanzón, sowie eigens komponierte Stücke erklingen.

Dabei verdeutlicht der Pianist, wie vielfältig die Tangomusik ist. Handelt es sich dabei um Latin, World Music oder Klassik? Tango lässt sich nicht kategorisieren, weist Ähnlichkeiten zu den verschiedensten Musikstilen auf und ist doch völlig einzigartig; ein wahres Klangspektakel.

Gedanklicher Streifzug durch Buenos Aires

Solares hat schwerfällige Tangoballaden, die traurige Liebesgeschichten erzählen, wie das Stück „Madame Ivonne“ von Pereyra, aber auch leichtfüßige, fröhliche Kompositionen, wie „Felicia“ von Saborido mitgebracht.

Die Arrangements aus Solares’ Feder ermöglichen einen gedanklichen Streifzug durch Buenos Aires, seine Geburtsstadt. Seine Musik erzählt Geschichten, die Resonanzen des Klaviers lassen lebhafte Bilder im Kopfe der Besucher entstehen. Für ihn sind es Betrachtungen seiner Heimat, die er liebt und mit den Klängen einzufangen versucht, wie in dem Stück „Pasaje Seaver“.

Es erinnert an eine kleine Gasse, die zugunsten eines Autobahnbaus vernichtet wurde. Die Dissonanzen am Ende des Stückes sind Symbol dieser Zerstörung und lassen sie auch für den Zuhörer spürbar werden.

Solares lebt in Bremen und leitet an der Universität unter anderem ein Tangoensemble. Außerdem hat er zwei Alben veröffentlicht („Arte del Tango“, „Tango para cuatro manos“) und wurde mehrmals zum Weltgipfel des Tangos eingeladen. Er ist ein Musiker von Welt, dessen Konzertkarriere in Göttingen begann.

Auch deshalb war dies nicht bloß „noch ein Konzert“, wie Solares klarstellt, sondern ein „ganz besonderer Abend“.

Von Sarah Lodder

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