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Pianisten Jinsang Lee konzertiert im Duderstädter Rathaus

Virtuosität und Ausdruck Pianisten Jinsang Lee konzertiert im Duderstädter Rathaus

Ein durch und durch romantisches Programm präsentierte der aus Korea stammende Pianist Jinsang Lee am Sonntag im gut besuchten Duderstädter Rathaus. Er spielte zwei Schubert-Impromptus aus op. 142, vier Chopin-Préludes, dazu von Schumann die „Kinderszenen“ und von Mussorgsky die „Bilder einer Ausstellung.

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Quelle: Pförtner

Duderstadt. Bei jüngeren Pianisten dieser Generation erlebt man häufig virtuose Perfektion, bisweilen aber auch eine nicht sonderlich stark ausgeprägte musikalische Individualität. Das ist beim 1981 geborenen Lee ganz anders. Hervorstechendes Merkmal seines Spiels ist das organisch entwickelte, selbstverständlich fließende musikalische Geschehen, die bestechende Ausgeglichenheit, der Verzicht auf modische Extreme in Tempo und Ausdruck. Seine große Virtuosität stellt er nicht in den Vordergrund, sondern ganz in den Dienst des Werkes.

Jinsang Lee

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So interpretierte er die beiden – aus gutem Grund weniger populären, weil eigentlich eher sperrigen – Schubert-Impromptus Nr. 1 und Nr. 4 aus op. 142 als wunderbar ausgewogene, ausdruckstiefe Miniaturen. Schumanns „Kinderszenen“ modellierte er mit viel Poesie, feinsten Abstufungen im Pianissimo-Bereich, mit großer Nachdenklichkeit und Zartheit.

Dem stellte er vier ausgewählte Chopin-Préludes aus op. 28 entgegen, wobei er vor allem im d-Moll-Prélude auch eindrucksvolle Facetten dramatischer Gestaltungskraft vorführte.

Eine reiche Fülle seiner expressiven Möglichkeiten zeigte er schließlich an Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“. Sie reichten vom vergleichweise neutralen Erzählerton der „Promenade“ über die wehmütige Klage im „Alten Schloss“, die leise flirrenden Klänge des „Balletts der Küchlein in ihren Eiserschalen“ bis hin zu den grotesken „Gnom“-Sprüngen, der fantastischen Wildheit in der „Hütte der Baba Yaga“ und zum finalen Glanz des enorm kraftvoll, aber immer zuchtvoll beherrscht interpretierten „Großen Tor von Kiew“.

Dass sich zu den im Klavier nachgeahmten Glockenklängen dieses Stücks zeitgleich das reale Duderstädter Kirchengeläut einmischte, war ein ausgesprochen hübscher Zufall. Der begeisterte Beifall wollte kaum ein Ende nehmen.

In der kommenden Saison beginnen die Rathauskonzerte mit dem Duo Johansen/Halvorsen (Violoncello/Klavier). Das Konzert ist am 3. November.

Von Michael Schäfer

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