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Pianistin Hisako Kawamura

Konzert im GDA-Wohnstift Pianistin Hisako Kawamura

Anfang Januar gab sie Konzerte in Tokyo und in Bern, im Februar tritt sie fünfmal in Japan auf, anschließend in Weimar, Darmstadt und Mannheim. Dennoch lässt es sich die Pianistin Hisako Kawamura nicht nehmen, immer wieder auch nach Göttingen zu kommen, wo sie ihre Schulzeit verbrachte.

So war am Donnerstag im GDA-Wohnstift an der Charlottenburger Straße jeder Stuhl besetzt, als die 29-jährige Musikerin ihr anspruchsvolles Chopin-Programm präsentierte. Musik von Chopin war es, die Hisako Kawamura vor mehr als 20 Jahren nach Göttingen gelockt hatte: beim Göttinger Chopin-Wettbewerb, zu dessen Siegerinnen sie damals gehörte. Den Grundstock für ihre pianistische Ausbildung legte Malgorzata Bator-Schreiber, Organisatorin des Wettbewerbs, die heute in Spanien lebt. Später studierte Hisako Kawamura bei Vladimir Krainev an der Musikhochschule in Hannover.

Inzwischen hat sie einen gut gefüllten Terminkalender. Dennoch ist es überhaupt keine Routine, die sie bei ihrem Konzert im Wohnstift spüren ließ, im Gegenteil: Sie gestaltet ihr Programm so präsent, so lebendig, so leidenschaftlich und so konzentriert, als ginge es in jedem Moment ums Ganze. Und genau dies ist die wichtigste Voraussetzung für eine fesselnde Interpretation.

Ihr kurzes, aber gewichtiges Programm eröffnete die Pianistin spritzig und hochvirtuos mit dem „Grande Valse brillante“ op. 42 – mit Eleganz und Spannkraft, glitzernder Geläufigkeit und schwebender Leichtigkeit. Das poetische „Lento con gran espressione“ war der zauberhafte lyrische Ruhepunkt vor dem Hauptstück dieses Konzerts, der b-Moll-Sonate op. 35. Hier konnte Kawamura ihre großen dramaturgischen Fähigkeiten unter Beweis stellen: den durchdachten Aufbau langer Steigerungen, die punktgenaue Setzung von Akzenten. Den Kopfsatz gestaltete sie mit großer Kraft und dramatischen Momenten, das Scherzo erstand in rhythmisch federnder Spannkraft, und das Finale nach dem bewegenden Trauermarsch war ein unirdischer Presto-Spuk.

Für den begeisterten Beifall des Publikums gab es als Zugabe eine Rarität: „An einsamer Quelle“ aus den Stimmungsbildern op. 9 von Richard Strauss. Zu den Zuhörern gehörte übrigens auch die 108-jährige Gertrud Henze, die älteste Göttingerin. Sie geht sonst, wie es heißt, nicht mehr so oft ins Konzert.

Von Michael Schäfer

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