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Pianistin Julia Rinderle konzertiert im Clavier-Salon in Göttingen

Klare Konturen Pianistin Julia Rinderle konzertiert im Clavier-Salon in Göttingen

Seit zehn Jahren schon ist die heute 23-jährige Julia Rinderle mit dem Konzertpodium vertraut. Die aus Memmingen stammende Pianistin, Studentin an der Musikhochschule Hannover bei Roland Krüger, stellte sich am Dienstag mit einem anspruchsvollen Programm im Clavier-Salon vor.

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Mit anspruchsvollem Programm: Julia Rinderle.

Quelle: Vetter

Göttingen. Gleich der Einstieg war überraschend, denn meist beginnen Konzerte von Musikstudenten mit einem barocken Werk, um dann über Klassik und Romantik zur Gegenwart zu führen. Rinderle begann aber mit der Moderne.

In den 1969 komponierten drei Nachtstücken von Peter Ruzicka erwies sie sich als virtuose, sensible Klangfarbengestalterin, die mit wenigen Strichen klare Konturen zeichnen kann und einen wachen Sinn für spannungsreichen musikalischen Aufbau besitzt.

Sehr transparent und durchdacht spielte sie Bachs Fantasie und Fuge a-Moll, um anschließend mit der h-Moll-Sonate von Muzio Clementi eine Rarität des Repertoires zu präsentieren.

Clementi, heute eher reduziert auf die Funktion des Lieferanten braver Sonatinen für kleine Klavierschüler, verrät in dieser Sonate eine kompositorische Kraft und Kühnheit, die nicht weit entfernt von Beethoven ist.

Ausgetüftelte Farbkünste

Diese Sonate stellte Rinderle mit energischem, technisch wie musikalisch präzisem Zugriff überzeugend vor und arbeitete dabei starke Kontrastwirkungen heraus.

Dass ihr auch spätromantisches Virtuosentum vertraut ist, bewies sich an der in wirbelndem Tempo vorgetragenen Etude-Tableau c-Moll op. 39 Nr. 1 von Rachmaninow.

Ein ganzes Bündel von Klavierstücken Claude Debussys bildete die zweite Hälfte des Abends: die sechs kurz nach 1900 entstandenen „Images“, in denen der Komponist seine ausgetüftelten Farbkünste meisterhaft ausbreitet.

Hier hätte man sich stellenweise noch eine etwas feinere Anschlagsdifferenzierung im Pianobereich wünschen können – möglicherweise war dies aber auch den Eigenarten des historischen Instruments, eines 1898 gebauten Steinweg-Flügels, geschuldet, der recht verschwenderisch mit seiner Klangfülle umgeht.

Die kleine Zuhörerschar dankte mit langanhaltenden Beifall für einen anregenden, von der Pianistin zudem auch klug moderierten Abend.

Von Michael Schäfer

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