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Postorchester Göttingen feiert 40-jähriges Bestehen

Geburtstag Postorchester Göttingen feiert 40-jähriges Bestehen

Seit 40 Jahren gibt es das „Postorchester Göttingen“. Seinen Geburtstag feiert das Ensemble am Sonnabend, 16. Mai, mit einem Konzert im Alten Rathaus in Göttingen. Beginn ist um 20 Uhr.

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Musik in Raum 008: Postorchester Göttingen probt unter Jörg Maik Mauksch.

Quelle: Schäfer

Beinahe ein konspirativer Termin: Treffpunkt 19.15 Uhr am Bahnhof, blauer Caddy, Aufschrift „Musikhaus Allegro“. Der Herr am Steuer ist Jörg Maik Mauksch, Dirigent des Postorchesters. Er fährt mich auf den Parkplatz der Firma Sycor. Dort warten an einer Kellertreppe schon etliche Menschen, bepackt mit Instrumentenkoffern und Notenordnern. Nach mehreren dunklen Fluren und drei Feuerschutztüren dann Raum 008, vielleicht 15 mal sechs Meter groß: „Postorchester. Besprechungsraum“ steht am Türschild. An den Wänden Plakate von früheren Auftritten, an der rechten Seite eine Theke samt Getränkekarte mit dem Satz „Musik hat Durst – Prost!“ Darüber, handgemalt hinter Glas, das Thema „Freude, schöner Götterfunken“, aus Beethovens neunter Symphonie.

Um halb acht ist Probenbeginn. 20 Musikbegeisterte haben sich an ihren Notenpulten niedergelassen, acht Frauen, 14 Männer. „Wir sind alle da – Wahnsinn“, kommentiert Mauksch die Situation. Sven sitzt am Schlagzeug, Klarinettist Björn braucht noch einen Notenständer, deshalb baumelt Svens Triangel nun unter der Snare Drum. Rasch durchgezählt: drei Flöten, zwei Klarinetten, drei Posaunen, fünf Trompeten, eine Basstuba, gespielt von Karl Creydt, mit 82 Jahren Senior des Orchesters, fünf Saxophone, zwei Tenorhörner und…

Zählen abgebrochen: Das erste Stück fängt an, der Konzertmarsch „Der wilde Kaiser“ von Norbert Rabanser. Das fetzt ganz schön, kein Unfall auf der Strecke, Trompeter Gerd bekommt ins Stammbuch geschrieben, dass „Zählen gaaaanz wichtig“ ist. Und alle sollen dynamisch noch genauer spielen: „So leise, wie es irgendwie geht, ich weiß, das ist ’ne heikle Geschichte“, meint Mauksch. Stück Nummer zwei „Abschied der Slawin“ mit dem Untertitel „Altrussischer Marsch“, der Komponist heißt Agapkin. Hier haben die Flügelhörner auch mal eine sanfte Führungsstimme, Knie wippen im Takt, die Piccoloflöte setzt hohe Triller drauf. Für das „Jesus Christ Superstar“-Medley rüstet Creydt von der Tuba auf E-Bass um. Kein Problem für ihn, souverän zupft er die Basis.

Aus allen Berufszweigen

Mauksch achtet auf Qualität. Und seine 20 Musiker folgen ihm konzentriert, handwerklich sauber, machen anständige volkstümliche Musik – wie es von Anfang an das Bestreben dieses Orchesters war. Flügelhornist Heinz Schmidt ist seit der Gründung 1969 dabei, damals waren es noch alles Postler. Das ist heute längst nicht mehr der Fall: Die 27 aktiven Musikern stammen aus allen Berufszweigen aus Göttingen und Umgebung. Auch etliche Studenten sind dabei. Zu den Glanzlichtern der Orchestergeschichte (nachzulesen unter www.postorchester-goe.kulturserver-nds.de) zählt das Jahr 1990 mit 50 Konzerten in Norddeutschland anlässlichen des 500-jährigen Post-Jubiläums. 

„Spielt es so, dass es leise ist, es muss aber auch richtig krachen mittendrin“, fordert Mauksch. Und, krawumm, es kracht wirklich. Das war Sven.

Konzert am Sonnabend, 16. Mai, um 20 Uhr im Alten Rathaus Göttingen.

Von Michael Schäfer

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