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Prager Marionetten-Theater gastiert in der Stadthalle

Spejbl und Hurvinek Prager Marionetten-Theater gastiert in der Stadthalle

Segelohren, Glupschaugen, kaum Haare auf dem Kopf– besonders schön sind Spejbl und Hurvinek beileibe nicht. Doch sobald die Puppenspieler an ihren Fäden ziehen und die Marionetten aus Prag zum Leben erwecken, geht eine Wandlung vor in diesen kleinen Wesen aus Lindenholz. Mit seiner unbedarften Art erobert Dreikäsehoch Hurvinek die Herzen seiner Zuschauer im Sturm. Und das macht er als sechsjähriger Sohn von Josef Spejbl, der im nächsten Jahr auch schon seinen neunzigsten Geburtstag feiert, immerhin bereits seit 84 Jahren.

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Betagter Herr und süßer Bengel: Spejbl und Hurvinek mit dem Prager Marionettentheater.

Quelle: Heller

Hurvinek – nach eigenem Bekunden ein Stück Holz und Frucht eines Minderjährigen – und Spejbl – mit sechs Jahren damals wie heute der jüngste Vater der Welt – standen am Freitag mit zwei Gastspielen auf der Bühne der Stadthalle. Nachmittags mit der Kindervorstellung „Hurvineks verrücktes Wochenende“ und abends mit „Das Beste mit Spejbl und Hurvinek“.

Kleiner Hosenmatz

Der kleine Hurvinek will alles wissen und zwar ganz genau. Wenn er mit seinem bestechend charmanten und unglaublich niedlich gesprochenen „Vaatiiiiilein“ zu einer Frage anhebt, geht Spejbl schon in Deckung. Doch er weiß, dass der Kelch nicht an ihm vorüber geht. Und trotzdem ziert der betagte Herr im bodenlangen Frack sich jedes Mal wieder und ringt um eine Antwort, wenn der kleine Hosenmatz beispielsweise wissen möchte, wo Sparta (geografisch) liegt („auf dem zweiten Tabellenplatz“) oder warum Spejbl nie geheiratet habe („Eine Ehe braucht mindestens Drei, um die Last zu tragen.“). Ungeduldig tritt Hurvinek von einem Holzschuh auf den anderen und quengelt, dass aber doch Verheiratete länger leben. Das komme ihnen nur so vor, kontert Vatilein, und zieht so ausnahmsweise mal einen schnellen Schlussstrich unter die Diskussion.

Das Publikum – die meisten schon in einem Alter, in dem die Kinder groß sind – ist vom ersten Satz an verliebt in diesen kleinen süßen Bengel mit den krummen Beinchen, die in kurzen Hosen stecken. Die Stadthalle ist gut besucht. Eine ganze Reihe von Zuschauern ist aus Northeim gekommen, dort war die Vorstellung am Vortag ausgefallen.

Nur leider ist die Göttinger Stadthalle nicht der beste Ort für eine Aufführung des Marionettentheaters. Schon in den vorderen Reihen, kann man das Treiben der kleinen etwa 50 Zentimeter hohen Figuren nur schlecht verfolgen, weil einem der Vordermann die Sicht nimmt.

Unglaubliche Virtuosität

Mit Spejbl und Hurvinek stehen zudem die kleine Freundin Manicka und ihre Oma Frau Katarina auf der Bühne. Und immer im Hintergrund zu sehen sind die Puppenspieler, die den kleinen Marionetten mit einer unglaublichen, aber kaum wahrzunehmenden Virtuosität, Leben einhauchen. Am Ende zeigen sich auch Martin Klasek, der sowohl Spejbl als auch Hurvinek spricht und Helena Stachova, die Stimme von Manicka und Katarina. Sie schreiben auch die Texte auf sprachlich wohltuend hohem Niveau.

Die zweistündige Vorstellung endet mit viel Applaus, einer Zugabe und zwei unzufriedenen Marionetten: Hurvinek und Spejbl müssen zurück in ihren Aufbewahrungsbeutel hüpfen. Dort kann der kleine Lausbub neue Fragen aushecken und Vatilein kann ganz in Ruhe über schlagfertige Antworten sinnieren – bis zum nächsten Auftritt.

Von Eida Koheil

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