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Premiere: „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Kessler

Deutsches Theater Göttingen Premiere: „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Kessler

Theater über Theater, Schauspieler spielen Schauspieler: Das war die Premiere von „Der nackte Wahnsinn“ am Deutschen Theater. TV-Komödiant Michael Kessler, der im vergangenen Jahr sehr erfolgreich die Komödie „39 Stufen“ auf die Bühne brachte, führte Regie. Das Publikum war diesmal überwiegend, aber nicht einhellig begeistert.

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Schauspiel für Spaßmacher: oben Gaby Dey, Benjamin Krüger, Stefany Dreyer, unten Ronny Tahlmeyer, Angelika Fornell (v.l.).

Quelle: Müller

Göttingen. Die Musik, die zu Beginn eingespielt wird, klingt nach 50er-Jahre-TV. Die auf den Vorhang projizierte Schrift, entworfen in der gleichen Ästhetik, verrät, was kommen soll: „Nackte Tatsachen“. So heißt, was hier geprobt wird: eine Boulevard-Klamotte. Darin geht es in dem Stück „Der nackte Wahnsinn“. Diese Brachial-Komödie von Michael Frayn hatte am Sonnabend Premiere im Deutschen Theater (DT) Göttingen.

Frayn soll das Stück geschrieben haben, nachdem er die Inszenierung eines seiner anderen Werke von der Seitenbühne aus gesehen hatte. Viel lustiger sei die Produktion von dieser Warte aus gewesen, sagt die Überlieferung. Also erfand Frayn ein Ensemble sehr mäßiger Schauspieler bei der Generalprobe einer Tür-auf-Tür-zu-Verwechslungskomödie . Die Akteure vergessen ihren Text, den sie wahrscheinlich nie wirklich wussten, das Bühnenbild sieht besser aus, als es funktioniert, und ob alle nüchtern auftreten, ist äußerst fraglich. Der Regisseur verzweifelt. Das zeigt Teil eins.

Teil zwei zeigt den gleichen ersten Akt von der Rückseite, also mit Blick auf die Schauspieler, die gerade nicht auf der Bühne stehen.  Das Bühnenbild ist umgedreht. Die Lage: Schon einige Wochen ist die Gruppe mit der Tourneeproduktion unterwegs durch Deutschland. Und jetzt droht hier Mord und Totschlag.

Natürlich ist das Geschehen bei „Der nackte Wahnsinn“ auf Tempo angelegt . Tür auf, Tür zu funktioniert in einer Komödie nur, wenn alles schnell abläuft, und dafür ist Präzision und Timing notwendig. Das hat Regisseur Michael Kessler mit seinem Ensemble in Perfektion erarbeitet. Aber er hat noch mehr geschafft. Die Schauspieler, die Schauspieler spielen, zeigen bei aller komödiantischen Scherenschnitthaftigkeit der Figuren individuelle, ganz persönliche Züge.

Das Ensemble um Angelika Fornell, Paul Wenning, Ronny Thalmeyer und Gaby Dey spielt stark. Für jeden hat Frayn mindestens eine Abräumerszene geschrieben. Das trägt den Schauspielern schließlich viel Beifall ein von denen, die das Ende der Premiere noch im Saal erlebten. Einige waren schon vorher gegangen. Häufiger Kritikpunkt war das Schreien auf der Bühne, urteilten Besucher schon während der Pause. Laut war es natürlich, bisweilen sehr hektisch und atemlos. Das muss mögen, wer Spaß haben will bei einem derart überdrehten Abend.

Die nächsten Vorstellungen: 24. Und 30. Januar sowie 1., 8., 15. Und 28. Februar um 19.45 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 0551/496911 oder online Karten reservieren.
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Comedian Michael Kessler

Michael Kessler ist ein vielbeschäftigter Mann. Dienstags bis freitags parodiert er in der TV-Serie „Switch“ fröhlich bekannte Menschen aus Film und Fernsehen und gibt den Chef Hitler in einem Büro, das dem seines Kollegen Stromberg ähnelt. Für den RBB geht er auf Expeditionen durch Brandenburg, in einem Kinofilm hat er mitgespielt, der demnächst anläuft. Und jetzt inszeniert er am Deutschen Theater (DT) Göttingen. „39 Stufen“ heißt das Stück nach einem Film von Alfred Hitchcock aus den 1930er Jahren.

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