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Fabulöse Ein-Frau-Show

JT-Premiere: Die Konferenz der Tiere Fabulöse Ein-Frau-Show

Die Menschen haben versagt, deshalb halten die Tiere ihre eigene Konferenz ab. Ihr Ziel: der Frieden und der Schutz der Kinder. Die Figurenspielerin Lena Wimmer hat bei der Premiere des Theaterstücks nach dem Kinderroman von Erich Kästner im Jungen Theater Göttingen den Tieren eine Stimme gegeben.

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Strukturen und Systeme
Quelle: r

Elisabeth Mutmeyer hat einen Laptop und eine Aktentasche. Per Skype telefoniert sie mit ihrem Chef. Schon bald will sie als Abgeordnete von Unicef einen Vortrag auf einer Konferenz halten. Spezialisiert ist sie auf den Kinderschutz. Nach ein paar Versuchen, die Kriege auf der Welt und das Leid der Kinder in Zahlen zu fassen, fängt sie an, ihre Büroartikel in Figuren umzufunktionieren. Der Kleiderbügel wird zum Stier, die Gießkanne mit Schnellhefterohren zum Elefanten und die Laptop-Maus wird – na klar – zur Maus. Trötend ergreift der Elefant das Wort und stapft über die Bühne, wackelt mit dem mächtigen Hintern. Das Publikum kichert.

Termine

Weitere Vorstellungen im Programm der Göttinger Figurentheatertage am 17. Februar um 18 Uhr und am 18. Februar um 16 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6.

Die Tiere haben kein Vertrauen in die Menschen, die auf ihren Konferenzen reden ohne Konflikte zu beseitigen. Kinder seien die Leidtragenden, wenn ihre Eltern die Welt mit Krieg überziehen. Deshalb beseitigen die Tiere erst die Akten und dann die Uniformen. Militär, Verträge und Grenzen sind die Wurzel des Übels. Wimmer entledigt sich ihres Anzugs und marschiert in schwarzer Unterwäsche über die Bühne.

Als „Kinder und Kenner“ beschrieb Erich Kästner 1949 das Zielpublikum seines Romans. Auch das Publikum im Jungen Theater war gemischt. In der Inszenierung von Franziska Rattay wurde der Stoff aktualisiert. Das Grundproblem bleibt, trotz der erweiterten Rahmenhandlung um die Unicef-Kinderbotschafterin: „Pathetische“ Reden über „körperliche Unversehrtheit“ waren, wie die Wortwahl schon zeigt, den jüngeren Zuschauern nicht angemessen. Die Power-Point-Präsentation mit Prozenterläuterungen zu Migrationsbewegungen wird schweigend geschluckt. Umwerfend wird das Spiel erst, wenn Wimmer ganz in ihrem Element die Tiere imitiert. Als brüllender Löwe, schuhunde Eule und flötende Giraffe stemmt sie sich gegen die Ungerechtigkeit. Im abgedunkelten Saal summt sie zu zwei schwirrenden roten Laserpunkten an der Wand das Gespräch zweier Fliegen.

„Fabellos“ wird Elisabeths Vortrag werden, meint Oskar, der Elefant. Das ist das Stück ganz sicher nicht und das liegt vor allem am fantastischen Spiel von Wimmer, die in dieser Ein-Frau-Show glänzt. Belohnt wurde sie mit ausgiebigem Applaus. 

Von Jorid Engler

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