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Regional Aufmüpfiges Beuteltier
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00:17 12.04.2017
Von Ulrike Eilers
Känguru tröstet: Peter Christoph Scholz, Franziska Lather als Skinhead und Karsten Zinser als Kling. Quelle: Dorothea Heise
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Göttingen

Kling hat eine eigenwillige Wohngemeinschaft erdacht. Er selbst sitzt in seiner Wohnung in Berlin als es an der Tür klingelt. Ein Känguru steht davor und stellt sich als neuer Nachbar vor. Es wolle Pfannkuchen backen, sagt das Beuteltier, ob der junge Mann ihm vielleicht Eier leihen könne. Es bleibt nicht bei den Eiern, denn das Känguru besitzt weder Mehl noch Milch noch Öl noch Pfanne noch Herd. Und wo es schon mal da sei, könne es gleich bei ihm einziehen, sagt das Tier. Der Beginn einer höchst komischen und weltklugen Beziehung - und des Theaterstücks, dass Kling auf Anfrage geschrieben hat.

Erst im Radio, später in Buchform und als Hörbuch erschienen, haben sich die Geschichten rasend schnell verbreitet. Für ein Theater kann das Fluch und Segen sein. Die Menschen strömen in Scharen zu den Vorstellungen, sie kennen aber auch schon die Gags. Denn Kling hat alte Kapitel ausgewählt und neu kombiniert. JT-Intendant und Regisseur Nico Dietrich ist das Wagnis eingegangen, es hat sich ausgezahlt.

Kling und das kommunistische Känguru verharren nicht nur in ihrer WG. Sie suchen Ämter auf, kontaktieren Bankberater, sitzen in Herthas Kneipe und streiten sich mit einem rassistischen Skinhead. Die verschiedenen Orte hat Bühnenbildnerin Judith Mähler mit einem fluffigen Sitzsack und verschiedenen rollbaren Elementen elegant skizziert.

Mähler, die auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, hat für Peter Christoph Scholz, der das aufmüpfige Beuteltier spielt, neben einem sperrigen Schwanz auch eine Maske entworfen. Scholz kann also kaum Mimik einsetzen und muss viel gestischer spielen als üblich. Das löst er beeindruckend.

Karsten Zinser ist ein wunderbar lakonischer, immer präsenter Kling, und Franziska Lather spielt kraftvoll weg, was sonst noch gebraucht wird. Der reale Kling hat sein Stück neben zahlreichen sehr konkreten Regieanweisungen noch mit Musik versehen, von Nirwana beispielsweise, seiner Lieblingsband. Die Lieder bringt das Schauspielertrio mit Unterstützung des Gitarristen Marius Prill bemerkenswert souverän auf die Bühne. Und man höre und staune: Känguru Scholz ist auch ein passabler Drummer.

Vor allem im zweiten Teil nimmt das Stück richtig Fahrt auf, die Lacher im Publikum häufen sich. Es wird laut und heftig. Die Zuschauer, auffallend viele Familien und Väter mit ihren Kindern sind darunter, gehen steil, das Ensemble strahlt.

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