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Premiere: „Munk oder Das kalte Herz“

Wenn Gott und der Teufel wetten Premiere: „Munk oder Das kalte Herz“

In dem romantischen Märchen „Das kalte Herz“, das Wilhelm Hauff 1827 veröffentlichte, ist Peter Munk der Sohn eines Köhlers, der raus will aus seinem Elend und sich über drei Wünsche eine rentable Glashütte sichert, was natürlich gründlich schief geht. In der Inszenierung „Munk oder Das kalte Herz“ im studentischen Theater im OP (ThOP) in Göttingen macht Regisseur Joe Pfändner, der auch den Text dazu verfasste, aus Munk den Angestellten eines Energieunternehmens.

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Verführerisch: der teuflische Holländer (Heiko Matthias, rechts) und Munk (René Anders).

Quelle: Opitz

Der wird gemobbt, wird aber durch Unterstützung Besitzer eines großen Autohauses, was natürlich gründlich schief geht. Sehr ambitioniert ist Pfändner das Projekt nach Motiven Hauffs angegangen, ein wenig übermotiviert.

Hauffs Märchen ist eines mit eher schlichter Moral. Wer zu hoch hinaus will, fällt tief, wer sein Herz verhärten lässt, wird irgendwann darunter leiden. Pfändner macht daraus ein großes Ding. Die beiden Waldgeister, die Munk (bemerkenswert präsent: René Anders) mit dem Erfüllen seiner Wünsche um den  Verstand bringen, tragen im ThOP die Züge von Gott und dem Teufel, hier zwei etwas gegensätzliche Kumpel, die gerne auf die Verführbarkeit der Seelen wetten.

Und Pfändner setzt noch einen drauf. Er zieht Parallelen zwischen dem schlichten Köhlersohn, dem Intelligenz und Geschäftssinn abgehen, und psychopatischen Aktiendealern.  Denen eifert Pfändners Munk nämlich nach, anfangs etwas einfältig. Warum nur will dieser nicht dumme, aber etwas gehemmte junge Mann so sein wie die verdorbenen Gestalten in seiner Firma? Wegen Geld und Frauen.

Als er dann die erste Stufe auf der Karriereleiter erklommen hat, vergrault er die einzige Frau, die ihn wirklich liebt. Doch als er dann erst mal sein warmes Herz gegen eine kalte Durchblutungsmaschine eingetauscht hat, zählt das eh nicht mehr. Fortan empfindet Munk nur noch etwas, wenn er andere quält, sei es der Schuldner, der Obdachlose oder die Prostituierte. Natürlich bekommt Munk irgendwann sein Herz zurück, doch die Untaten lasten schwer auf seinem Gewissen, das jetzt wieder funktioniert.

Für Kinder ist diese Produktion nicht geeignet, für Jugendliche nur bedingt. Pfändners Text ist an vielen Stellen obszön, und die Gewaltszenen  sind nicht schön. Ohne Not steht irgendwann ein nackter Mann auf der Bühne, der die Stelle auch in Unterhose hätte spielen können. Für viele Erwachsene mag das funktionieren –  besser jedoch, wenn Pfändner den Aufwand reduziert hätte.

Viel futuristisches Mobiliar hat er bauen lassen und an diversen Spielorten verteilt. Das fordert Umbauaufwand und Ortswechsel der Schauspieler. Das geht deutlich zu Lasten von Tempo und Rhythmus.

Weitere Vorstellungen: am heutigen Freitag sowie am 1., 4., 6., 7., 8., 11., 13., 14., 15., 18., 20. und 21.Dezember um 20.15 Uhr im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3 in Göttingen. Karten gibt es unter der Telefonnummer 05 51 / 39 70 77.
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