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00:17 27.11.2016
Freundschaft und Glaube prallen aufeinander. Quelle: R
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Göttingen

Kadiza und Sophie sind beste Freundinnen. Dass sie unterschiedlichen Kulturen und Glaubensrichtungen angehören, war nie ein Problem. Auch als Kadiza Abdul kennenlernt und ihren muslimischen Glauben stärker praktiziert, halten die Mädchen an der Freundschaft fest. Doch jetzt ist die Freundin verschwunden und dabei, zu Abdul reisen, mitten hinein in einen kriegerischen Glaubenskampf.

Kurz vor ihrem Abflug schickt Kadiza eine SMS an Sophie, um sich zu verabschieden. Sophie besteht darauf, dass sie sich ein letztes Mal treffen. Nur wenige Stunden bleiben den beiden, um zu klären, welchen Wert ihre langjährige Freundschaft noch haben kann und ob es wirklich eine glückliche Fügung ist, der Kadiza folgen will.

Regisseurin Dorothea Darben (auch Bühnenbild) geht das einfühlsam recherchierte Theaterstück von Thea Brende für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene ganz konzentriert als Zwei-Personen-Stück an. In Monologen, Dialogen und Rückblenden erzählen die beiden Mädchen in dem 80-minütigen Stück ihre Geschichte und lassen diese durch ihre unterschiedlichen Perspektiven, ihre Gedankenwelt und ihr Gefühlsleben gefiltert lebendig werden.

Die Teenager reflektieren das Geschehen. Auf Augenhöhe und in der Sprache Jugendlicher können junge und erwachsene Zuschauer das Miteinander und die Erlebniswelt nachvollziehen und sich hineinversetzen. Wie sich die Mädchen kennenlernen, wie ihre Freundschaft wächst und sie kindlich selbstverständlich mit den kulturellen und religiösen Unterschieden umgehen. Ob Burkini, Weihnachtsfest oder pubertäres Aufbegehren, die beiden finden für alles eine Lösung, um das Leben und Probleme miteinander zu teilen.

Ein großes drehbares Segel in der Bühnenmitte ist Spielfläche und zugleich der (auch musikalisch begleitete) Übergang für den Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblenden. Szene für Szene driften die Mädchen auseinander. Freundschaft und Glaube prallen aufeinander. Kadizas schleichend unheilvolle Entwicklung nimmt ihren Lauf, der Druck eine gehorsame Tochter zu sein wird deutlich, das erste Verliebtsein, die verstärkte Hinwendung zum muslimischen Glauben, eine zunehmende Ablehnung von außen, die allmähliche Radikalisierung und ihr Vorhaben, Abdul zu folgen.

Anfangs etwas aufgedreht und laut, kindlich ungestüm, verdichtet sich die Stimmung zunehmend. Nastasja Winzig in der Rolle der Sophie spielt stark und eindringlich, erkennt die Widersprüchlichkeiten und falschen Versprechungen, kämpft um die Freundin. Karla Hennersdorf als Kadiza gibt Sinnsuche, Verblendung und Zweifel ein Antlitz. Das Publikum bedankt sich mit großem Applaus für die eindringliche und gelungene Auseinandersetzung mit dem hochaktuellen und brisanten Thema.

Weitere Termine:

Weitere Vorstellungen am Donnerstag, 24. November, und Mittwoch, 7. Dezember, um 19.30 Uhr in der Musa in Göttingen, Hagenweg. Karten unter info @theaterwerkstatt.de, Telefon 0551/7703785.

Von Karola Hoffmann

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