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Premiere am DT: Kriegschronik „Mutter Courage und ihre Kinder“

Weit und breit kein Wagen Premiere am DT: Kriegschronik „Mutter Courage und ihre Kinder“

Zwölf Bilder, zwölf Kriegsjahre: Anfangs ist der Krieg eine gute Gelegenheit, Geld zu verdienen; am Ende erscheint er Mutter Courage immer noch besser als der Frieden, auch wenn sie, bis auf wenige Habseligkeiten und ihre Krämerseele, alles verloren hat. Felix Rothenhäusler hat „Mutter Courage und ihre Kinder. Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg“ von Bertolt Brecht (1898-1956) für das Deutsche Theater inszeniert.

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Hoffen auf Frieden in kalten Kriegstagen: Anne-Kristien Heger, Moritz Pliquet und Nikolaus Kühn (von links).

Quelle: Kuntner

Göttingen. Geschäftsmäßig, höflich aber nicht devot folgt sie den Heeren und macht am Rande der Schlachtfelder Geschäfte – stets lächelnd. Andrea Strube zeigt auf großartige Weise als Mutter Courage selten Herz und meist Berechnung. Die „Hyäne des Schlachtfeldes“ genießt ihre kleinen Siege als Händlerin in der kriegerischen Männergesellschaft. Deren Methoden abzulehnen, bedeutet die Vernichtung der eigenen Existenz.

1939, in den ersten Wochen des Zweiten Weltkriegs hat Brecht „Mutter Courage“ geschrieben. 1941 folgte die Uraufführung in Zürich, 1946 schrieb Paul Dessau die Musik für die Fassung, die 1949 in Berlin Deutsche Erstaufführung hatte. Brecht: „Was eine Aufführung von Mutter Courage hauptsächlich zeigen soll:

Dass die großen Geschäfte in den Kriegen nicht von den kleinen Leuten gemacht werden. Dass der Krieg, der eine Fortführung der Geschäfte mit anderen Mitteln ist, die menschlichen Tugenden tödlich macht, auch für ihre Besitzer. Dass er darum bekämpft werden muss.“ Das Stück will diese Erkenntnis vom Publikum. Denn Mutter Courage bleibt vom Krieg überzeugt, weil sie von ihm abhängig ist.

Ohne Kulisse und mit wenig Requisiten

Regisseur Rothenhäusler lässt die neun Schauspieler in der schwarzen Höhle der Bühne agieren. Regen und Schneeflocken deuten die Jahreszeiten an; helles Licht und Kunstblumen den Sommer, der zugleich eine kurze Friedenszeit  ist. Ansonsten nur der dunkle Schlund des Theaterbaus ohne Kulisse und nur mit wenigen Requisiten – kein Marketenderwagen weit und breit. Das fokussiert das Spiel auf Brecht nah am Werk.

Die eindringliche Musik von Paul Dessau wird eingespielt. Die Musiker Uschi Krosch und Matthias Krieg übernahmen Dessaus einstiges Anliegen mit modernen Mitteln: Die Rhythmen jagen die Sänger durch den Text, der so schwer hörbar und verständlich wird.
Das passt zum Krieg und seinen unverständlichen Gründen (wer kämpft gerade gegen wen, warum?).

Der Koch, der Pastor, die drei Kinder, die Hure, die Soldaten und Mutter Courage machen das Beste daraus, auch wenn das im Laufe der Kriegsjahre immer schwerer fällt. Meinolf Steiner, Florian Eppinger, Moritz Pliquet und Benjamin Krüger,  Marie-Kristien Heger, Gerd Zinck und Nikolaus Kühn wandeln sich von überzeugten Kriegsanhängern zu geschundenen Überlebenden.

Mehr als 200 Brecht-Zeilen

Und dazwischen die stumme Kattrin. Unscheinbar, mit zarten Gesten der Zuneigung und der Freude an kleinen Dingen stellt Vanessa Czapla die Courage-Tochter dar. „Der Stein  beginnt zu reden“ als sie in der elften Szene nicht die Trommel, sondern das Schlagzeug rührt und mehr als 200 Brecht-Zeilen so eindringlich wie atemraubend rezitiert. Das sind herausragende Minuten Schauspielkunst, die den Szenenapplaus verdienten.

Es ist die stärkste Szene dieser beeindruckenden Mutter Courage-Inszenierung.

Nächste Vorstellungen von „Mutter Courage und ihre Kinder“ im Deutschen Theater um 19.45 Uhr am 12., 19. und 28. März. Kartentelefon: 0551 / 4969-11.

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