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Premiere im DT: Antje Thoms inszeniert Heinz Strunk's „Fleisch ist mein Gemüse“

Triumph mit Schlichtmusik Premiere im DT: Antje Thoms inszeniert Heinz Strunk's „Fleisch ist mein Gemüse“

Vor einer Woche war Heinz Strunk zu Gast im Jungen Theater und hat aus seinem jüngsten Roman gelesen, dem vorerst letzten autobiographisch gefärbten, hatte er dem Publikum erklärt. Am Sonnabend hatte nun eine dramatisierte Fassung von „Fleisch ist mein Gemüse“ Premiere im Deutschen Theater (DT).

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Endlich auf der Bühne: Heinzer (mit grünem T-Shirt: Moritz Pliquet) darf bei der Tanzband „Tiffany’s“ mitspielen.

Quelle: Winarsch

Göttingen. Das war Strunks erstes Buch, dessen Geschichte sich aus dem Leben Strunks speiste, sein Durchbruch als Autor. Regie im DT führte Antje Thoms.

  „Da steht ein Pferd auf dem Flur“ ist einer der Hits von Klaus und Klaus. Der Stimmungsschlager darf bei keinem Tanzvergnügen fehlen, sei es im Schützenzelt oder op de Deel. Aus Krachern ähnlichen Kalibers, allesamt nur mit einem Mindestpegel an Alkohol im Blut zu ertragen, speist sich das Programm der „Tiffany’s“, einer Tanzband.

Im wirklichen Leben stieg Strunk dort wohl als Saxophonist ein, in der DT-Fassung spielt Moritz Pliquet als Heinzer den Bass. Zu Beginn der Geschichte ist das seine Chance, dem problematischen Alltag mit seiner psychisch kranken Mutter unter einem Dach zumindest zeitweise zu entfliehen. Zwölf Jahre tingelt er schließlich mit den Gute-Laune-Muckern, eine Reihe von erzählerischen Nebengleisen tun sich in dieser Zeit auf. Thoms stutzt die Geschichte im Wesentlichen auf das Mutter-Sohn-Verhältnis und die Abende mit der Band. Das ist nicht ungefährlich.

Gespiegelten Einfamilienhaussiedlung

Denn die schwierigen Gespräche zwischen Heinzer und seiner Mutter, von Bühnenbildner Florian Barth sehr geschickt mit einer gespiegelten Einfamilienhaussiedlung auf Leinwand bebildert, leben ähnlich von Wiederholungen wie die Schützen­zeltabende, die Barth üppig mit glitzernden Papierschlangen ausgestattet hat.

Das Programm solcher Feiern mit Schlichtmusik und manchmal auch ganz schlimmen Witzen ist normalerweise nicht dazu angetan, ein Theaterpublikum einen Abend lang zu unterhalten. Dass das im DT dennoch funktioniert, liegt an einigen entscheidenden Schlüsselfaktoren. Zu allererst: Dort agieren Menschen, die trotz aller Klischees tatsächlich viel Menschliches zeigen.

Drogen und Langeweile

Pliquet beispielsweise, dem die Maskenbildner getreu der Vorlage eine mächtige Akne geschminkt haben, gibt den Heinzer sehr sympathisch zwischen seiner Liebe zu Mutter und Musik und seinem stetigen Abgleiten in die düstere Welt der Schlager, Drogen und Langeweile. Gaby Dey hat als bettlägerige Mutter einen sehr eingeschränkten Wirkungskreis, doch den bespielt sie großartig mit ganz viel Würde.

Auch Paul Wenning ist als Wirt Hans Pape  ein bemerkenswerter Zeitgenosse. Er kennt sich perfekt aus in der untersten Schublade deutschen Dumpf­humors und ist Heinzer doch ein so guter Freund.

Die Band, besetzt mit den DT-Schauspielern Michael Meichß­ner als Bandleader und Sänger sowie Andreas Schneider am Schlagzeug, Berufsmusiker Fred Kerkmann an der Gitarre und  dem gecasteten Pianisten Steffen Ramswig, funktioniert erstaunlich gut. Meichßner findet einen gangbaren Weg zwischen billigem Anheizer und großem Gefühl. Und am Ende dreht das Quintett dermaßen auf, dass das Premierenpublikum im Stehen applaudierte und Zugaben forderte. Da wurde der Abend dann zum Triumph.

Weitere Vorstellungen: 2., 11. und 17. Mai um 19.45 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

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