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Regional Premiere im Deutschen Theater Göttingen: The Rocky Horror Show
Nachrichten Kultur Regional Premiere im Deutschen Theater Göttingen: The Rocky Horror Show
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17:01 27.10.2013
Ankunft am Schloss: Janet (Anja Schreiber), Brad (Andreas Schneider),  Riff-Raff (Karl Miller). Quelle: Winarsch
Göttingen

Michaela Dicu inszeniert am Deutschen Theater (DT) einen Klassiker des Rock-Musicals: The Rocky Horror Show. 1973 war das Stück das erste Mal in dem kleinen Theatre Upstairs in London aufgeführt worden. Der Endländer Richard O’Brien, der selbst eine Rolle übernahm, hatte das Stück geschrieben und löste einen schrägen Kult aus. 1975 wurde das Musical in Los Angeles gezeigt. Im August desselben Jahres kam bereits eine Verfilmung des Stoffes in die Kinos.

Während im Film ein typisches Schloss mit gemauerten Wänden und Stuckverzierungen den Ort der schrägen Handlung bildet, lockt die Göttinger Ausgabe mit einem extravaganten Bühnenbild, für das Fabian Gold verantwortlich ist. Auf einer drehbaren Bühne ließ er ein Steam­punk-Schloss bauen.

Metall ist das vorherrschende Material. Mechanische Teile, Rohre, Schrauben und Zahnräder sorgen für eine merkwürdig altertümliche Ästhetik, die sich mit dem futuristischen Sciencefiction der Szenerie paart. Wunderbar passen sich die Kostüme von Judith Adam ein. Die Schlossbewohner tragen Viktorianische Mäntel und rockige Lederteile. Sie sind Cyborgs, halb menschlich, halb Maschine.

Glitzermonster und Cyborgs

Brad und Janet, gespielt von Andreas Schneider und Anja Schreiber, haben mitten im Nirgendwo eine Autopanne. Mit der Bitte zu telefonieren treten sie in das Schloss von Master Frank’N’Furter, grandios gespielt von Benjamin Krüger, ein.

Der Hausherr entpuppt sich als verrückter Wissenschaftler vom Planeten Transsexual, der sich in bester Fankenstein-Manier ein lebendiges Wesen, genauer einen Liebesdiener, baut. Rocky heißt das zum Leben erweckte Glitzermonster, gespielt von Nikolaus Kühn.

Gesanglich hebt sich Andreas Schneider als Brad hervor. Schneider studiert des Musicalfach in Essen. Auch Sarah Schermuly, als schräges Uhrenmädchen Columbia, überzeugt mit ihrer Stimme. Gesangliche Schwäche zeigt sich bei Anja Schreiber als Janet.

Zugegebenermaßen hat ihre Rolle auch den schwierigsten Gesangspart, zwischen der hohen Stimme einer liebreizenden Lady, und dem beinahe Gekreische voll wollüsternen Gier. Karl Miller glänzt in der Rolle des schrulligen Butlers Riff-Raff. Seine seltsame Art sich zu bewegen, erinnert an eine überzeichnete Comicfigur.

Ein Hut aus Zeitungspapier

Bekannt ist die Rocky Horror Show, sowohl die Bühnenfassung als auch der Film, für das Ergreifen seines Publikums. Die DT-Produktion sieht sich bewusst in dieser Tradition. „Boring“ schreien die Zuschauer,  wenn im Film der Erzähler zu Wort kommt. Betont gelangweilt spricht auch Lutz Gebhardt, der Erzähler der Göttinger Produktion.

In der Regenszene, in der Brad und Janet eine Autopanne haben, hält sich das Publikum eigentlich eine Zeitung über den Kopf. Tatsächlich tragen einige Zuschauer auch in Göttingen einen Hut aus Zeitungspapier.

Auf das Spritzen mit Wasserpistolen verzichten sie jedoch, und in den Hochzeitsszenen traut sich auch niemand Reis oder Konfetti zu werfen. Vielleicht verliert das Publikum im Laufe der Spielzeit seine Schüchternheit. Spaß macht das Science-Fiction-Horror-Spektakel im Rocksound allemal.

Von Daniela Lottmann

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