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Regional Rätselhafte Frauen
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00:17 19.12.2016
Von Peter Krüger-Lenz
2015 hat Ewald Palmetshofer mit seinem Werk „die unverheiratete“ den Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen. Jetzt hatte das Stück Premiere im Theater im Fridericianum in Kassel. Quelle: Klinger
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Kassel

Mit einem Stipendium ausgestattet, hatte sich Palmetshofer einen realen Fall vorgeknöpft. Ganz kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs hatte ein Frau im Postamt ein Telefonat belauscht. Ein junger Soldat habe davon gesprochen zu desertieren, berichtete sie den Behörden. Der Mann wurde festgenommen und exekutiert. Nach Kriegsende wurde die Denunziantin dafür zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Inzwischen ist sie alt geworden. Ihre Tochter und Enkelin beginnen, sich für den alten Fall zu interessieren und Fragen nach Schuld, Einsicht, Vergeltung, Reue zu stellen.

Palmertshofer hat viel an seinem Text gedrechselt. Er hat eine künstlichen Sprache verwendet, die in ihrer Verdrehtheit bisweilen an die Syntax von Meister Yoda aus den Starwars-Filmen erinnert. Regisseurin Laura Linnenbaum konnte der Sprachflut wenig Klarheit beibringen. Wer den Plot nicht kennt, wird wohl Mühe haben, in die Geschichte einzusteigen. Zudem hat Palmetshofer eigenwillige Erzählstränge anlegt. Warum die Enkelin ein äußerst schräges Verhältnis zu Männern pflegt, bleibt unklar und bringt die Geschichte nicht voran.

Ein reines Frauenensemble bemüht sich um Klärung. Eva-Maria Kellner spielt eine uneinsichtige Alte, Christina Weiser die hilflose Tochter und Caroline Dietrich eine sympathische Enkelin, die wissen will. Flankiert wird dieses Trio von einem weiteren Dreigestirn, den Hundsmäuligen (mit Ausstrahlung und Witz: Rahel Weiß, Sabrina Ceesay und Alina Rank). Ihnen obliegt an diesem 100-minütigen Abend vor allem die Klageführung. Sie sitzen zu Gericht.

Dies alles passiert in einem für eine Studioproduktion ziemlich aufwendigen Bühnenbild. Das Geschehen spielt sich in einer Art Manege ab. Hier wühlen die Akteure buchstäblich im Dreck. Die hintere Hälfte des Rondells ist mit Vorhängen verhängt, die sich nach und nach lichten. Der erste ist mit Panzern und Jagdflugzeugen bedruckt, hier herrscht Krieg. Der zweite verstellt den Blick und wird dann auch heruntergerissen. Ein Mikrophon hängt von der Decke, ein Telefon wird malträtiert. Kreuzförmig angeordnet sind in der Mitte Podeste, die als Krankenlager dienen, als Gefängnispritsche und als Tresen mit Zapfhahn. Viel Symbolik, die die Rätselhaftigkeit des Textes aufgreift. Ein schwergewichtiger Theaterabend mit starken Frauen.

Die nächsten Vorstellungen: 15., 16. und 22. Dezember um 20.15 Uhr im Theater im Fridericianum, Karl-Bernhardi-Straße in Kassel. Kartentelefon: 05 61 / 10 94 222.

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