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Premiere im Göttinger ThOP: „Es muss ja nicht immer Shakespeare sein“

Fehlendes Warmmachen Premiere im Göttinger ThOP: „Es muss ja nicht immer Shakespeare sein“

Sven weiß gar nicht, wie ihm geschieht. Eigentlich wollte er nur die Komödie „Es muss ja nicht immer Shakespeare sein“, die in dieser Woche Premiere im Theater im OP (ThOP) hatte, anschauen. Doch nun sitzt er auf der Bühne, hat einen Text in der Hand und soll einen Inder spielen, der im Kino eine ehemalige Freundin wiedertrifft.

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Mit viel Slapstick: René Anders, Lena Aust, Benjamin Körnig.

Quelle: Opitz

Göttingen. Und nach einem kleinen Versprecher meckert auch noch der Leiter der Laienspielgruppe: „Ich habe ihm den Text in die Hand gedrückt, mehr kann ich nun wirklich nicht machen.“ Ein Alptraum für viele. Aber letztendlich scheint die Situation für Sven gar nicht so erschütternd. Das Ensemble bindet den Zuschauer gut ein, sodass er seine Aufgabe meistert und zur Unterhaltung des restlichen Publikums beiträgt.

Hektisches Treiben

Schon vor der eigentlichen Vorstellung kann hektisches Treiben auf der Bühne des ThOP beobachtet werden. Hier noch ein paar Stimmübungen und Smalltalk, da noch ein paar private Begrüßungen und eine letzte Stärkung vor dem großen Auftritt. Der Zuschauerraum füllt sich und die Glocken kündigen den Beginn des Spiels an. „War das das zweite oder dritte Klingeln,“ fragt ein Darsteller. „Das ist alles so unprofessionell“, meckert ein anderer. Die Zuschauer haben sich an diesem Abend auf eine Inszenierung eingelassen, die einmal etwas Anderes ist als übliche Theaterstücke. Mit viel Humor und stark überspitzten Charakteren überzeugt sie.

Laienschauspielgruppe

Der Rahmen der Inszenierung: Eine Laienschauspielgruppe – die Betonung liegt absolut auf Laien – steht vor dem Publikum und hat absolut keine Ahnung, was sie spielen soll. Die Gruppe entscheidet sich für Einakter, die vor langer Zeit einstudiert worden sind. Dabei geht allerdings einiges schief. René ( René Anders ) ist der cholerische Leiter der Gruppe und kommentiert die Leistungen seiner Mitspieler oft mit einem aufbauenden: „Das war richtig scheiße!“ Im zehnköpfigen Ensemble sind noch viele weitere stereotypische Charaktere zu finden. Beispielsweise Ben ( Benjamin Körnig ), leicht schusselig, kommt zu spät zur Aufführung oder die überfürsorgliche Mutterfigur Dani ( Daniela Tauke ): „Franzi hatte Brechdurchfall und wir hatten keine Salzstangen. Da musste ich erst noch welche backen.“

Das Publikum wird oft in das Spiel einbezogen. Nach dem ersten Einakter wird der Grund für die Unprofessionalität gesucht. Schnell einigt man sich auf das fehlende Warmmachen. Kurzerhand dürfen die Zuschauer bei einer Übung mitmachen, deren Text im Programmheft abgedruckt ist. Mit viel Slapstick agiert das sehr gut spielende Ensemble. Zeitweise erinnern die Charaktere an Komiker wie Johann König oder Ralf Schmitz . Wer sich auf die oft laute, mit Wortwitz gespickte und durchaus skurrile Aufführung unter der Regie von Victoria Fitz einlässt, kann viel Spaß haben.

Weitere Vorstellungen im ThOP am 15., 16., 18., 20., 22., 23., 25., 27., 28. und 30. März. Kartentelefon: 05 51 / 39 70 77

Von Friedrich Schmidt

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