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Premiere im Jungen Theater: „Feelgood“

Überleben in der Politik Premiere im Jungen Theater: „Feelgood“

Goldene Wände, die einen plötzlich in die Enge bringen, Schutz bieten oder den Weg frei machen; den Weg zur Macht. Um Macht, um Politik und das Theater hinter den Kulissen eines Parteitages geht es in „Feelgood“ von Alistair Beaton, das jetzt im gut besuchten Jungen Theater Premiere feierte.

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Auf unterschiedlichen Seiten: Redenschreiber Eddie (Dirk Böther) und Journalistin Lisa (Constanze Passin) kommen sich trotzdem näher.

Quelle: Eulig

Göttingen. Tim Egloffs Inszenierung zielt auf das Fassadenhafte des Politzirkus ab: Auf den sechs goldenen, verschiebbaren Wänden sind die Konturen der Raumausstattung eines Hotels nur gemalt, nicht greifbar, ohne Substanz.

Genauso wie der Bundeskanzler, CL, der sich hinter einer riesigen Tür verschanzt und darauf wartet, dass ihm Eddie (wunderbar schmierig: Dirk Böther) und Paul (Philip Leenders) die perfekte Rede zur Bundestagswahl vorlegen.

Alle wissen, dass CL nur eine Marionette ist, wollen aber ein Stück vom großen Kuchen abhaben und pfeifen daher auf Moral und Anstand. Allein die Nähe zur Macht macht an und erregt.

Wie kein anderer bewegt er sich im Morast

Herrlich schräg wird dies bei der Kanzler-Assistentin Anna (Elisabeth-Marie Leistikow) deutlich, die ihr Handy mit Vibrationsalarm, ihre Verbindung zu CL, an der Innenseite des Oberschenkels trägt. Wie ein hechelndes Hündchen ist sie so zur Aufopferung bereit.

Nur Paul ist ein Wackelkandidat, aber da weiß Eddie Abhilfe. Er kennt von jedem die Achillesferse und bringt seine Parteifreunde oder seine Ex-Frau die Journalistin Lisa (Constanze Passin) zum Schweigen oder zum Reden, wie es ihm gerade passt, wenn es sein muss mit dem Griff unter den Rock.

Wie kein anderer bewegt er sich im Morast dieses als scheinheilig dargestelltenGeschäfts, und er vermag aus der aussichtslosesten Lage noch Profit zu schlagen.

Und die Lage scheint durchaus aussichtslos, denn durch den illegalen Anbau von genmanipuliertem Hopfen wurde Bier verunreinigt und Männern wuchsen nach dessen Genuss Brüste.

Das Lachen bleibt im Halse stecken

Da ist nicht nur der Landwirtschaftsminister (Jan Reinartz) in Nöten, sondern die gesamte Regierung und schwitzt in grauen Anzügen unter lächerlichen Perücken.

Das Lachen bleibt einem jedoch im Halse stecken, denn „Feelgood“ ist vielleicht eine Parodie der Wirklichkeit, greift aber unmissverständlich Politskandale wie den um Christian Wulff und andere auf und damit die Frage: Was sind das für Menschen, von denen wir regiert werden?

Welchen Handlungspielraum haben sie noch um unsere Anliegen durchzusetzen und mal ganz naiv gefragt: Geht es darum überhaupt noch? Eine gelungene, bitterböse Inszenierung mit einem souverän spielenden Ensemble.

V on Marie Varela

Weitere Vorstellungen: Sonnabend, 18. Mai, Dienstag, 21. Mai, Dienstag, 28. Mai, Sonnabend, 1. Juni,Freitag, 7. Juni, Dienstag, 18. Juni und Freitag, 21. Juni. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.
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