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19:04 30.09.2018
Schauspielerinnen spielen Schauspielerinnen.  Quelle: Dirk Opitz
Göttingen

Zur Begrüßung schallt Karats „Sieben Brücken“ aus den Lautsprechern. Über der Bühne hängt eine DDR-Flagge: Martin Heckmanns „Zukunft für immer“ feierte am Sonnabend in der Regie von Matto Jordan und Kerstin Kratzsch Premiere im ThOP. Auf der Bühne: drei Schauspielerinnen und ein Sammelsurium an Theaterrequisiten.

Als das dritte Klingeln den Beginn der Veranstaltung ankündigt, verstummt das Publikum langsam. Allen Anwesenden unter 30 ist das aus den Lautsprechern schallende Pionierlied „Uns’re Heimat“ wohl vor allem aus dem Film „Goodbye Lenin“ bekannt. Die Protagonistinnen, die derweil auf der Bühne aufgetaucht sind, protestieren lautstark gegen die Einspielung. Die DDR hätten sie schließlich längst hinter sich gelassen, so ihr Tenor. Trotzdem tragen sie dem Ohrwurm und ihrer Vergangenheit Rechnung: Den Chorus führen sie gemeinsam fort.

Spannender Ansatz

Ein erster von vielen Widersprüche, denen das Premierenpublikum am Sonnabend beiwohnt. In den folgenden 60 Minuten stellen sich viele Fragen, nicht alle werden beantwortet. Spannend ist ohne Zweifel der Ansatz – wie oft kann man drei Darstellerinnen dabei zusehen, wie sie drei Darstellerinnen spielen? Ein „philosophisches Manifest“ in 60 Minuten, vielleicht lässt sich so am besten zusammenfassen, was das Publikum erwartet. Die drei Schauspielerinnen, die auf der Bühne dargestellt werden, haben ihre besten Zeiten längst hinter sich. Der Körper hat seine Spannung verloren und eine der Künstlerinnen gar ihre Aura: In ihren Sorgen nehmen sich die drei Damen, die sich schon sehr lange kennen, wie das Publikum erfährt, gegenseitig nicht besonders ernst. Sie erinnern sich an die großen Auftritte ihrer Vergangenheit, würden gerne einmal wieder die „junge Elektra“ spielen. Und nicht nur Elektras alternde Mutter.

Gemeinsame Bühnenvergangenheit

Das Alter ist ein allgegenwärtiges Thema in den Ausführungen – nach dem Plot sucht man allerdings an vielen Stellen des Stückes vergeblich. Was das Publikum erfährt, ist das, was in den Dialogen gesponnen wird, und das dreht sich fast ausschließlich um die gemeinsame Bühnenvergangenheit. Darum, dass man in der DDR nicht sagen konnte, was man wollte und es doch irgendwie gelang. Sie erzählen von den Sorgen und Nöten, die sie heute überkommen – was hat denn die Zukunft noch zu bieten? Keine großen Frauenfiguren mehr auf der Bühne? Braucht das Theater etwa gar eine Frauenbeauftragte? „Aber wir regeln doch ohnehin alles zusammen.“

Der Wandel und um das Leben

In Formationen, mal gestaffelt, mal als Monolog dreht sich alles um den Wandel und um das Leben. Viele Fragen werden gestellt, ein aufmunternder Klaps auf den Po verteilt. Die großen Fragen des Lebens verbleiben am Ende beim Betrachter, aber vielleicht hat das Stück auch gar nicht das Ansinnen uns diese Fragen zu beantworten, sondern uns an sie zu erinnern.

Weitere Vorstellungen am 3., 5., 6., 9., 10., 11., 13., 15., 18., 19., und 20. Oktober, Aufführungsbeginn ist 20.15 Uhr. Kartentelefon: 05 51 / 39 70 77.

Von Claudia Bartels

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