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Regional Premiere in Kassel: Markus Dietz inszeniert „Wir lieben und wissen nichts
Nachrichten Kultur Regional Premiere in Kassel: Markus Dietz inszeniert „Wir lieben und wissen nichts
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00:19 30.03.2013
Von Peter Krüger-Lenz
Drunter und drüber: Hannah (Agnes Mann), Roman (Alexander Weise) und Magdalena (Christina Weiser, hinten). Quelle: Klinger
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Kassel

„Wir lieben und wissen nichts“ heißt das Werk, das jetzt in der Regie von Markus Dietz im Staatstheater Kassel Premiere hatte. Und wieder einmal wäre weniger mehr gewesen.

Zwei Paare, das ist die Ausgangssituation. Sie wollen die Wohnungen tauschen, denn jeweils ein Lebensgefährte hat vorübergehend in der anderen Stadt zu tun. Hannah will Managern das richtige Atmen beibringen, Roman beim Start einer Rakete dabei sein. Irgendeine Ummantelung hat er für das technische Wunderwerk entwickelt.

Die beiden Lebensgefährten sind eher Anhängsel. Sebastian ist Kulturhistoriker ohne richtigen Job, Magdalena arbeitet halbtags in einer Tierarztpraxis, Roman nimmt sie nicht ernst. Problematisch wird die Konstellation, weil Sebastian die Wohnung (Bühne: Mayke Hegger) eigentlich nicht räumen will. Und dann geht die Post ab.

Und wie nun schildert Rinke die Beziehungen? Als problematisch, versteht sich. Hier geht es ja um ernsthaftes Theater. Nach und nach schält er dünne Häute von der Zweisamkeit, und immer neue Abgründe tun sich auf. Klar ist: Hier funktioniert nichts, hier geht alles schief. Aber warum zur Hölle sind die Paare noch zusammen?

Ein ganz famoser Schlaukopf mit klugen Sprüchen

Regisseur Dietz hat die Schauspieler des Quartetts, die gerade nichts auf der Bühne zu tun haben, in die erste Reihe im Zuschauerraum gesetzt, ein Wink mit dem Zaunpfahl. Die Beziehungen, wie sie auf der Bühne gezeigt werden, stammen aus des Lebens Mitte. Sie könnten so auch von Paaren aus dem Zuschauerraum gelebt werden, sagt Rinke mit einiger Anmaßung mit diesem Regieeinfall.

Vier Schauspieler sind es, die sich durch diesen Beziehungsmorast wühlen müssen. Am überzeugendsten gelingt das denen, die die vermeintlich schwachen Partner spielen. Björn Bonn ist als Kulturhistoriker Sebastian ein ganz famoser Schlaukopf mit klugen Sprüchen und einer Lebensuntüchtigkeit, dass man ihn an die Hand nehmen möchte.

Christina Weisers etwas naive Magdalena trinkt sich das Leben mit Roman erträglich, der alles anbaggert, was BH trägt und bei drei nicht auf den Bäumen ist. Alexander Weise spielt diesen Roman, doch eigentlich fehlt ihm ein wenig die Härte und Entschlossenheit für die Figur. Agnes Mann schließlich, der weibliche Star des Kasseler Ensembles, lacht zu kehlig und ist eigentlich zu tough für ein Esoterikerin, wenn auch eine in der Wirtschaft erfolgreiche.

Die vier also quälen sich, dabei könnte alles so einfach sein, meint Regisseur und Stückautor: einfach mal wieder miteinander tanzen. Vielleicht ein heißblütiger Tango? Das bringt die Menschen wieder zusammen, lässt sie Nähe spüren und Liebe. Das klingt nun wirklich sehr schlicht und auch ein wenig einfältig.

Die Premierenbesucher feierte die Inszenierung dennoch begeistert, vielleicht insgeheim voller Freude, dass ihre Beziehung entspannter läuft. Zu wünschen ist es ihnen.

Weitere Vorstellungen: am 30. März sowie am 5., 14., 19., 23. und 27. April um 19.30 Uhr im Staatstheater Kassel, Friedrichsplatz. Karten gibt es unter Telefon 05 61 / 10 94 222.

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