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Regional Premiere in der Göttinger Cheltenhampassage: „Im Schloss“ vom Boat People Projekt
Nachrichten Kultur Regional Premiere in der Göttinger Cheltenhampassage: „Im Schloss“ vom Boat People Projekt
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00:19 03.06.2015
Mulor Bahta aus Eritrea singt für Rahaf Jalbout. Quelle: de la Chevallerie
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Göttingen

Luise Rist macht sich in ihrem Stück „Im Schloss – Deutschland für Anfänger“ über die Ängste vor Einwanderern lustig. Sie und Sonja Elena Schroeder haben das Stück mit jungen Flüchtlingen, die zum Teil erst wenige Monate in der Bundesrepublkik leben, inszeniert. Am Freitag feierte es in der Göttinger Cheltenhampassage Uraufführung.

Etwa 100 Menschen drängten sich, die Holzbänke, Stühle und Barhocker waren bis auf den letzten Platz besetzt. Seit sechs Monaten treffen sich die 14- bis 18-jährigen Darsteller mittwochs zum Theaterspielen in der Cheltenhampassage. Junges Boat People Projekt nennt sich die Gruppe. „Über den Krieg in ihrer Heimat oder die Erlebnisse während der Flucht in brüchigen Booten sprechen die Jugendlichen von sich aus kaum“, erzählt Rist. Dass die Erlebnisse die jungen Menschen belasteten, sei aber offenkundig.

Die Autorin hat die ersten Worte, die die Flüchtlinge in Deutschland aufschnappten, aufgezeichnet und in ihr Stück integriert: „Mann, Mann, Mann“, „Mahlzeit“ oder „Was?“ „Im Schloss“ fühlen sich die Migranten einem bürokratischen Apparat ausgeliefert, der nach unverständlichen Regeln über ihr Leben entscheidet. Es herrscht eine Stimmung wie in einem Roman von Franz Kafka, worauf der Titel des Stücks anspielt.

Die Autorin thematisiert daneben die Spannung zwischen den Geschlechtern. In einer bedrohlichen Szene brüllen die zehn männlichen Darsteller in ihren Muttersprachen eine junge Frau an, die ihren eigenen Weg gehen will. Aber auch romantische Annäherungsversuche der jungen Männer an das andere Geschlecht zeigt „Im Schloss“.

Für Abwechslung sorgen Soloauftritte des Somaliers Abdiwahad Mohammed Abdi, des Afghanen Reshad Sultani und von Mulor Bahta aus Eritrea. Sie singen jeweils Lieder aus ihrer Heimat. Hans Kaul begleitet die Stücke am Klavier. Monatelang hat er an den Arrangements gearbeitet. Ihn unterstützt Mark Kutah (Percussion). Die jungen Menschen tanzen dazu im Stil der verschieden Länder. Jay  Shaban hat das mit ihnen einstudiert. Allein diese Auftritte lohnen den Besuch. Für das Stück gab es lange stehenden Applaus.

Von Michael Caspar

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