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Premiere von „Alle sieben Wellen“ im Deutschen Theater

Glaubhaftes Auf und Ab Premiere von „Alle sieben Wellen“ im Deutschen Theater

„Wir müssen mal quatschen.“ Ist die erste Verliebtheit vorüber, fallen solche Sätze bei Paaren immer wieder. Da werden dann Beziehungen durchgekaut, Positionen markiert, mehr oder minder deutlich Machtfragen diskutiert. Was nicht immer vergnüglich ist, jedenfalls selten für beide Partner gleichermaßen.



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Sind Emmi und Leo: Vanessa Czapla und Ronny Thalmeyer.

Quelle: Opitz

Göttingen. Vielleicht ist dieses strukturelle Missvergnügen der Grund dafür, dass fremde Beziehungsgespräche amüsanten Unterhaltungsstoff bieten – zumindest dann, wenn sie derart auf den Punkt gebracht werden wie in Daniel Glattauers E-Mail-Roman „Alle sieben Wellen“, mit dem der österreichische Autor eine Fortsetzung seines Bestsellers „Gut gegen Nordwind“ geschrieben hat.

Regisseurin Babett Grube hat jetzt die Bühnenfassung von „Alle sieben Wellen“ von Ulrike Zemme – Dramaturgin am Wiener Theater in der Josefstadt – im Deutschen Theater auf die (Keller-)Bühne gebracht, nachdem sie 2012 am selben Ort „Gut gegen Nordwind“ inszeniert hatte. Am Sonnabend war Premiere.

Ein breites Sofa, ein Kühlschrank, Wein und ein paar Gewürzgurken für ihn, Whisky für sie, mehr braucht es nicht, um diesen 75-minütigen E-Mail-Dialog zu möblieren.

Emmi Rothner hat Leo Leike wieder  im Internet aufgespürt und spinnt die alte Beziehung fort. Die beiden kommen einander nicht nur in der virtuellen Welt näher: „Ich muss dich nur einmal im Leben gesehen, gesprochen, gerochen haben“, wünscht sich Emmi, auch wenn Leo skeptisch ist:

„Ich glaube, meine Buchstaben lesen sich auf dem Bildschirm besser, als sich mein Gesicht ansieht, wenn es die Buchstaben spricht.“ Zwar drohen Krisen ihren immer deutlicher eingestandenen Gefühlen den Garaus zu machen, doch ein paar E-Mails später renkt sich alles wieder ein. Und mündet abermals in Verzweiflung und Einsamkeit, doch auch die sind nicht von Dauer.

Der richtige Rhythmus

Vanessa Czapla und Ronny Thalmeyer sind Emmi und Leo, absolut glaubhaft im Auf und Ab ihrer Gefühle, perfekt im Aufbauen von Spannung, auch wenn sie sich die meiste Zeit des Abends nicht in die Augen schauen. Was Czapla an mimischen Variationen bei der ersten realen Begegnung der beiden präsentiert, ist umwerfend. Lächelt sie, muss der Zuschauer dahinschmelzen.

Und wenn Thalmeyer einsam und betrunken ist, auch wenn er weiß, dass man besser immer nur eines von beiden sein sollte, dann schlagen ihm Wogen des Mitleids aus dem Publikum entgegen.

Regisseurin Babett Grube hat in ihrer Inszenierung den richtigen Rhythmus zwischen temporeichen Dialogen und stummen, aber nicht spannungsarmen Ruhepunkten gefunden. Und wenn die wort- und geistreiche Analyse eigener und fremder Gefühle bisweilen auch ins Absurde reicht, sind das besonders schön verspielte Momente dieses von Anfang bis Ende sympathischen, vergnüglichen Theaterabends. Die Premierenbesucher klatschten laut und ausdauernd.

Von Michael Schäfer

Nächste Termine: 18. und 25. April, 2., 13., und 26. Mai um 20 Uhr im DT-Keller, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.
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