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Regional Premiere von „Der große Gatsby“ im Jungen Theater Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Premiere von „Der große Gatsby“ im Jungen Theater Göttingen
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20:07 24.03.2013
Entführen in das Amerika der 1920er Jahre: Elisabeth-Marie Leistikow, Gintas Jocius, Dirk Böther und Philip Leenders (von links). Quelle: Eulig
Göttingen

Elegante Damen in Weiß, Gold und Silber (fabelhafte Kostüme von Sonja Elena Schröder), die elfenhaft über die Bühne gleiten oder sich effektvoll hinter zarten Schleiern präsentieren, die kreisförmig um ein Rondell in der Mitte der Bühne befestigt sind und sehr wirkungsvoll mehr verzieren als verhüllen; ein Sinnbild des schönen Scheins (Bühne: Axel Theune).

Der erste Eindruck, den Regisseur Andreas Döring in seiner Inszenierung von Francis Scott Fitzgeralds 1925 erschienenem Roman „Der große Gatsby erzielt, ist sinnlich und betörend. In dieses Setting setzt er seine Figuren, die vor der großen Aufgabe stehen, einem literarischen Text höchsten Niveaus Leben einzuhauchen.

Hilfestellung gibt da die Erzählerfigur Nick Carraway (Dirk Böther), der sprichwörtlich die Fäden in der Hand hält und meisterhaft zwischen Erzählen und Darstellen hin- und herwechselt. Er ist der Nachbar des sagenumwobenen Jay Gatsby (Gintas Jocius), der ein atemberaubendes Anwesen mit Meerblick besitzt und bekannt ist für die wildesten Parties auf Long Island.

Die Gerüchteküche um Gatsby brodelt und gerade dieser bittet nun Nick um den Gefallen seine Kusine, Daisy Buchanan zum Tee einzuladen, um sie nach Jahren wiederzutreffen. Diese wird von Elisabeth-Marie Leistikow glaubhaft verkörpert in ihrer Fragilität, ihrem Zynismus und ihrer Dekadenz.

Daisy entschied sich vor Jahren gegen den damals mittellosen Gatsby und heiratete den wohlhabenden, einfach gestrickten Tom (Philip Leenders), der sich schnell mit Affären ablenkte.  Gatsbys einziges Streben galt seither dem Erlangen von Geld und Status – ungeachtet seiner Mittel – denn mit der labilen und von ihm heißgeliebten Daisy an seiner Seite möchte er die Vergangenheit wiederholen.

Dies alles kann nur tragisch enden, denn die Verhältnisse der hier gezeigten Reichen, von Überfluss und Langeweile geplagten Menschen sind mehr als faul. So gelang Fitzgerald ein Gesellschaftsporträt des Amerikas der 1920er Jahre. Einnehmend und äußerst unterhaltsam sind die swinglastigen Tanzchoreographien (Jennifer Helm) der Inszenierung, die den Zeitgeist der Golden Twenties transportieren und neben den zahlreichen Gesangsbeiträgen zum Musicalcharakter des Ganzen beitragen.

Doch gegen Ende verliert sich die Inszenierung, stagniert die Spannung, die Auflösung der Geschichte wirkt gehetzt und ist zuweilen schwer nachvollziehbar. Der Premierenapplaus fällt anerkennend, aber wenig enthusiastisch aus.

Weitere Vorstellungen jeweils um 20 Uhr am 26., 28. und 30. März sowie 2., 5., 13.,  16.,  19.,  26. und 27. April im Jungen Theater, Hospitalstraße 6 in Göttingen.  Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

Von Marie Varela

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