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Premiere von „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“

Kurzweilig, hintersinnig, vergnüglich Premiere von „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“

Seine Uraufführung erlebte „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“ des Franzosen Pierre Augustin Caron de Beaumarchais 1784. Schnell war es in Adels- und Bürgerkreisen in ganz Europa sehr beliebt und diente auch deshalb als Grundlage für Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ (1786). Jetzt wird das Stück im Schauspielhaus des Staatstheaters Kassel in der Regie von Patrick Schlösser aufgeführt.

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Tolles Treiben: Daniel Scholz (Graf), Christina Weiser (Gräfin), Agnes Mann (Susanne) und Uwe Rohbeck (Figaro) (von links).

Quelle: Ketz

Toll bedeutet nicht nur gut, sondern auch irrsinnig. Und diese Bedeutung trifft auf den Tag vor Figaros Hochzeit zu. Um zu verhindern, dass sein Arbeitgeber Graf Almaviva bei seiner Braut Susanne (Agnes Mann) das „Recht der ersten Nacht“ einfordert, schmiedet Figaro Pläne. Susanne und die verschmähte Gräfin versuchen ebenfalls, das Treiben des Grafen zu entlarven. Dieser hingegen verfolgt seine eigenen Pläne. Zudem gibt es am Hof noch die ältliche Haushälterin Marceline, die nichts unversucht lässt, um Figaros Braut zu werden. Und wie es mit Intrigen so ist: Am Ende droht allen Ränkeschmiede, selbst in die Grube zu fallen, die man dem anderen ausgehoben hat.
Schlösser macht in seiner Inszenierung alles richtig: Er entstaubt das barocke Stück, so dass Sprachwitz und turbulente Begegnungen immer noch komisch wirken. Dass er dabei jegliche Gefahr umschifft, in die Klamotte abzusinken, verdankt er auch der großartigen Besetzung. Denn ob Haupt- oder Nebenrolle: Es passt einfach.
Uwe Rohbeck vermittelt als Figaro in seinem etwas zu kurzen Nadelstreifenanzug eine Nonchalance à la Adriano Celentano, Christina Weiser als verschmähte Gräfin strahlt hingegen kühle Wut aus. Und Daniel Scholz spielt den notgeilen Grafen mit viel Grazie. Thomas Sprekelsen interpretiert den Diener Basilio als selten schleimiges Individuum, während Eva-Maria Hellers Marcelina Sympathien für die Xanthippe weckt.
Träumerischer Reigen
Auch das Bühnenbild (Etienne Plus) ist der barocken Pracht nicht erlegen, sondern spärlich, im Detail aber verspielt: Ein rosa Damenzimmer mit plüschigem Bett und Hello-Kitty-Bildchen an der Wand wird auf die ansonsten leere Bühne herabgelassen, und ein Gerichtssaal wird durch Holzkisten stilistisch karg dargestellt. Damit trifft es den Ton des Stücks, das halb Lustspiel, halb träumerischer Reigen ist.
Prächtig passt dazu die Musik (Wolfgang Siuda): Sie erinnert an Vivaldi und vermittelt den Zuschauern gekonnt eine lustige bis bedrohliche Stimmung. Und so entwickelt sich die Inszenierung durch das Zusammenspiel aller zu einem so vergnüglichen wie hintersinnigen Theatererlebnis. Toll.
Weitere Vorstellungen: am heutigen Freitag, am 8., 25. und 31. Dezember sowie am 8. und 21. Januar im Staatstheater Kassel, Friedrichsplatz. Kartentelefon: 05    61   /   109    42    22.

Von Corinna Berghahn

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