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Regional Ein verzweifelter Kampf
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18:15 31.08.2018
„Problemkind" wird im ThOP in einer sehenswerten Inszenierung gespielt. Quelle: r
Göttingen

Denise (Laura Apel) war drogensüchtig, ging gelegentlich auf den Strich. Ihr Freund RJ (Lucas Federico Kade) hat im Gefängnis gesessen, als das Kind auf die Welt kam. Ein Gericht hat den beiden das Kind, das momentan in einer Pflegefamilie lebt, wieder zugesprochen. Allerdings muss eine Sozialarbeiterin nach einer Prüfung noch ihre Zustimmung geben. Denise und RJ wollen alles tun, um ihr Kind zurückzubekommen.

Der kanadische Dramatiker und Drehbuchautor George F. Walker hat „Problemkind“ als einen Teil des Zyklus „Suburban Motel“ geschrieben. Und dieses kleine billige Motel in einer Vorstadt ist das verbindende Element der sechs Stücke. Hier kommen seine Figuren zusammen, Verzweifelte, am Rande Stehende, Abgeschobene, Glücksuchende. Walker nennt „Problemkind“ eine schwarze Komödie. Regisseur Peter Schubert und sein Team haben sich in ihrer Inszenierung für eine eher ernsthafte Variante entschieden. Und das tut dem Thema durchaus gut.

Welten prallen aufeinander

Denise und RJ warten in dem Motel auf die Sozialarbeiterin (Julia Ruge). Schon das erste Treffen läuft allerdings nicht so wie erhofft. Denise hatte erwartet, dass ihre kleine Tochter mit dabei sein werde. Die Enttäuschung lässt sie ruppig und wenig kooperativ werden. RJ versucht zu vermitteln, gibt sich besonders verbindlich. Die Sozialarbeiterin und Denise mögen sich nicht sonderlich, so viel ist sofort klar.

Welten prallen aufeinander. Denise möchte der Sozialarbeiterin immer wieder klar machen, wie es dazu gekommen ist, das ihr das Baby weggenommen wurde. Dass es ihre eigene Mutter war, die nach einem Streit in ihrer Wut das Sozialamt eingeschaltet hat. Dass sie ja in der Schwangerschaft clean war. Dass ihre Verzweiflung darüber, dass man ihr die Tochter weggenommen hat, sie erst wieder zu den Drogen getrieben hat. Helen, die Sozialarbeiterin, interessiert diese Geschichte nicht, sie möchte aus Denise und RJ jetzt ein gesittetes, höfliches, bürgerliches, möglichst auch noch christliches Paar machen – egal ob die Vergangenheit bewältigt ist oder nicht.

Souveränes Ensemble

Das gegenseitige Nicht-Verstehen führt entsprechend zu einem unguten Verlauf der Geschichte. Bei einem Unfall im Motel verletzt sich Helen schwer. Statt einen Krankenwagen zu holen, lässt Denise mit dem ewig betrunkenen Phillie von der Rezeption (ein ebenso Verzweifelter, Ausgemusterter wie RJ und Denise – herrlich schüchtern und verschroben gespielt von Fabio Rocchio) die vermeintliche Leiche verschwinden. RJ ist geschockt. „Ich dachte, wir regeln das jetzt so wie die Leute, die einen Anwalt holen“, sagt er. Denise macht ihm klar, das sie so wohl nie sein werden. „Wir regeln das so wie Leute wie wir das regeln“, sagt Denise.

Auf einer schlicht eingerichteten Bühne spielt sich das Drama ab. Zwei Tische, ein Fernseher, ein Bett reichen als Ausstattung für dieses Stück, das vom Text und seinen Schauspielern lebt. Und das Ensemble vom ThOP agiert dabei souverän. Wer dieses Stück so ernsthaft angeht, wie das ThOP es tut, braucht aber vor allem eine überzeugende Denise. Laura Apel ist das: verzweifelt, wütend, mal fast irre vor Kummer, dann wieder trotzig und bisweilen berechnend. Eine sehenswerte, nachdenklich machende Inszenierung.

Karten

Nächste Vorstellungen am 28., 29., und 31. August sowie am 1. und 2. September, außerdem am 4. und 5. September, 7. und 8. September, 11. und 12. September sowie am 14. September jeweils um 20.15 Uhr im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3. Karten unter der Telefonnummer 0551 / 397077 oder 0551 / 39 221 77 und am Stand in der Zentralmensa Montag bis Freitag 12 bis 14 Uhr.

Von Christiane Böhm

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