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Pubertär und blauäugig ist vorbei

Bosse kommt in die Musa Pubertär und blauäugig ist vorbei

„Die Regie führt das Leben, was ich brauche, kann man nicht kaufen“ singt Axel Bosse auf seinem neuen Album „Wartesaal“. Am Mittwoch, 13. April, um 20 Uhr gastiert Bosse mit Band in der Musa in Göttingen. Über die neuen Songs und sein Leben als Musiker sprach Björn Dinges mit dem gebürtigen Braunschweiger.

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Würde gerne mit Stings Tochter singen: Axel Bosse.

Quelle: Universal

Sie sind 31 Jahre jung, ein erfolgreicher Musiker und Familienvater. Ist das alles unter einen Hut zu bringen?
Das funktioniert sehr gut. Meine Frau ist Schauspielerin, wir sind beide extrem viel unterwegs. Mein Nachbar, der Grafik-Designer ist, sieht seine Tochter höchstens mal am Wochenende. Wenn ich zu Hause bin, dann versuche ich mit dem Kopf zu 100 Prozent da zu sein. Aufs Jahr hochgerechnet ergibt das viel Familienzeit – mit dem Wermutstropfen, dass ich eben manchmal drei Wochen am Stück weg bin.

Auf Ihrer Tour kümmern Sie sich um vieles selbst, auch ums Bühnenlicht. Warum?
Ich habe ja schon das Album Taxi quasi als kleine Firma gemacht, mich mit meinen zwei, drei Partnern um alles gekümmert. Und irgendwie ist das trotz großer Plattenfirma nicht weniger geworden. Das ist viel Organisation, und ganz am Ende des Tages kommt dann auch mal Musik.

Mit 17 Jahren haben Sie die Schule abgebrochen, um Musik zu machen. Hatten Sie damals schon den Wunsch, dahin zu kommen, wo Sie heute sind?
Das war zu Zeiten der Band Hyperchild. Wir haben aufgehört mit der Schule, weil wir einen Plattenvertrag bekommen und gedacht haben – so, jetzt sind wir durch mit allem. Das war sehr pubertär und blauäuig. Wir haben irgendeinen x-beliebigen Plattenvertrag unterschrieben, sind alle im Eiltempo nach Berlin gezogen und haben erstmal zwei Jahre lang ein typisches Musikerleben geführt – wie wir damals dachten.

Sie singen „Die schönsten Wege waren doch immer die Umwege“ („Du federst“). Welche Umwege mussten Sie gehen?
Meine erste Entscheidung Richtung Musik war eine ganz klare Fehlentscheidung. Also bei dieser Riesen-Plattenfirma einen Vertrag zu unterschreiben. Wir waren der Flummi, mit dem man alles machen konnte. Aber es war eine Fehlentscheidung, die etwas Tolles bewirkt hat. In der Zeit habe ich alle meine jetzigen Mitmusiker kennengelernt und auch meine beste Freundin.

Einen Song haben Sie „Roboterbeine“ genannt. Das klingt nach Gesellschaftskritik.
Das Lied ist grundsätzlich schon eine Gesellschaftskritik. Es geht um einen Menschen, der kurz vor dem Burn-Out steht. Ich glaube, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der man ganz schön viel bringen muss, wenn man es zu was bringen will. Die Frage ist eben nur, was es einem bringt. Wir stecken in der Misere, dass jeder darüber nachdenkt, warum bin ich die ganze Zeit so gestresst? In meinem Umfeld kenne ich fast nur Leute, auf die dieser Song total gut passt. Die Klinik ruft. In diesem Song geht es auch darum, dass man ein paar Schritte zurückgehen muss.

Haben Sie einen Tipp, wie man diese Schritte zurückgehen kann?
Ich habe angefangen mir einen Plan zu machen und auch wichtige Sachen abzugeben. Und Sport tut mir auch gut. Meine wöchentlichen Fußball- und Bikram-Yoga-Termine sind mir heilig. Danach gehen viele Sachen leichter von der Hand.
In „Die Regie“ heißt es, „unsere Zukunft ist so sicher, wie das Wetter an der Nordsee“. Sind Sie gerne an der Nordsee?
Ja, total gerne. Als Kind war ich schon immer auf der Insel Amrum. Ich fühle mich irgendwie mit der See verbunden. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir in Hamburg wohnen, was ja irgendwie auch an der See ist. Hier weht ein anderer Wind, es kommt von der Nordsee ein bisschen Jodgehalt rübergeweht.

Sie schreiben Songs für andere Künstler und produzieren andere Bands?
Christina Stürmer hat schon ein paar Songs von mir gesungen. Eine neue Band, in die ich viel Herzblut gesteckt habe, heißt „Frida Gold“. Die waren jetzt mit Kylie Minogue auf Tour. Das werden die kleinen neuen Pop­sternchen aus Bochum.

Für welchen Künstler würden Sie gerne einen Song schreiben?
Ich arbeite am liebsten für deutsche Künstler, weil ich da textlich aktiv werden kann. Neulich habe ich ‚I Blame Coco‘ getroffen, das ist die Tochter von Sting. Ich bin totaler Sting-Fan, finde aber ‚I Blame Coco‘ mittlerweile viel besser als ihren Vater. Mit der würde ich gerne mal ein Duett singen.

Mit Anna Loos von Silly haben Sie den Song „Frankfurt/Oder“ neu aufgenommen.
Anna und ich kennen uns seit drei oder vier Jahren und haben einen regen Austausch. Immer, wenn ich in Berlin bin, trinken wir zumindest Kaffee und reden viel über Musik oder Texte. Als wir „Frankfurt/Oder“ neu aufgelegt haben, hatte es für mich vom Sound her einen leichten Remix-Charakter, wie das gesamte Wartesaal-Album. Irgendwann kam ich dann auf Anna, denn der Song war schon immer als Duett gedacht. Sie hat sofort Ja gesagt. Für sie ist es das schönste Lied von Bosse, bis dato auf jeden Fall.
Ihre Texte sprechen direkt an. Was ist das Geheimrezept?
Ich mache Musik nicht um der Musik Willen, sondern weil ich Lust habe, meine Texte zu vertonen. Es kommt bei mir nie vor, dass ich mich mit der Gitarre hinstelle und sage, so, jetzt hab ich hier ein geiles Riff, und es ist mir egal, was ich darüber singe. Ich musste aber auch erst lernen, dass jeder Text und jeder Song die Musik bekommen muss, die er auch verdient.

Karten gibt es unter der Telefonnummer 05 51 / 64 353.

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